Industriestandort Deutschland

Warum Deutschland Industrie braucht

Eine starke und innovative Industrie – dafür ist Deutschland in aller Welt bekannt. Sie ist zentraler Eckpfeiler unserer Wirtschaft und Garant für wirtschaftlichen Erfolg, Wohlstand und Arbeitsplätze.


Deutschland hat höchsten Industrieanteil

Tatsächlich hat Deutschland im Vergleich der großen Industriestaaten den höchsten Industrieanteil: An unserer gesamten Wirtschaftsleistung hat sie laut OECD einen Anteil von über 20 Prozent. Auf einen ähnlichen Wert kommt Japan. Im EU-Schnitt sind es gut 16 Prozent, die USA und Großbritannien kommen auf jeweils rund 10 Prozent.

Hinzu kommt: Auch viele andere vor- und nachgelagerte Wirtschaftszweige, insbesondere die unternehmensnahen Dienstleistungen, sind eng mit der Industrie verflochten. So kommt es, dass tatsächlich rund 40 Prozent der gesamten Wertschöpfung Deutschlands direkt und indirekt von der Industrie erbracht werden. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Industrie – das ist eben längst nicht mehr nur der rauchende Schornstein auf einem Werkgelände. Vielmehr steht sie für ein dichtes Netzwerk aus produzierenden Unternehmen, industrienahen Dienstleistern, Start-ups, Forschungseinrichtungen und Hochschulen. Im Lebensalltag sind ihre Produkte unverzichtbar – von modernen Küchengeräten über Mobilfunknetze bis hin zu Autos, Schiffen und Flugzeugen. Fest steht: Industrie ist nicht alles, aber ohne Industrie ist vieles nichts.

Aufholbedarf bei wichtigen Standortfaktoren

Für Deutschland ist Industrie lebenswichtig – und eine starke Industrie setzt auch einen starken Wirtschaftsstandort voraus. Merkmale eines Industrielandes sind unter anderem qualifizierte Beschäftigte und ein gutes Bildungssystem, leistungsstarke Verkehrs- und Kommunikationsnetze, wettbewerbsfähige Steuern, Abgaben und Lohnkosten sowie eine überschaubare Bürokratie, die unternehmerisches Handeln idealerweise unterstützt.

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich allerdings: Bei all diesen Punkten hapert es hierzulande in der einen oder anderen Weise. Kein Wunder, dass Arbeitgeber-Präsident Dr. Rainer Dulger warnt: „Wir hinken im internationalen Vergleich hinterher – das ist eine Fehlleistung der Politik. Ohne die richtigen Rahmenbedingungen kann eine Wirtschaft nicht wachsen.“

Droht Deutschland die De-Industrialisierung?

Unsere heimischen Industriebetriebe sind eben nicht nur Erfolgsmotoren und Leistungsträger: Sie stehen auch unter großem Druck. Das belegen auch die Schlagzeilen der Tagespresse. Über hausgemachte Belastungen hinaus haben vor allem Corona und die wirtschaftliche Rezession deutliche Spuren hinterlassen. Noch immer liegt die Industrieproduktion hierzulande ein ganzes Stück unter dem Vor-Corona-Niveau, meldet das Statistische Bundesamt.

In Deutschland wird inzwischen sogar die Gefahr einer De-Industrialisierung diskutiert. So erwartet beispielsweise das Münchner Ifo-Institut, dass die Entwicklung der Energiepreise zu vermehrten Investitionen heimischer Industriebetriebe in Auslandsstandorte führen wird.


Energieintensive Industrien besonders betroffen

Hintergrund: In Teilen unserer Wirtschaft steht die Produktion wegen der hohen Energiepreise hierzulande jedenfalls auf der Kippe. Die gestiegenen Strom- und Gaspreise treffen gerade auch die energieintensiven Industrien Chemie, Pharma, Glas, Metall und Papier. Sie allein stehen für nahezu ein Fünftel der gesamten Wertschöpfung unserer heimischen Industrie. Alle mussten ihre Produktion besonders drosseln. Und klar ist auch: Die Kostennöte der energieintensiven Industriezweige treffen letztlich auch andere Branchen. Kein Wunder, dass Siegfried Russwurm, der Präsident des Industrieverbands BDI, warnt: „Dem Industriestandort Deutschland geht es nicht gut. Für die derzeitige Lage gibt es keine Entwarnung.“

Allerdings werden die Energiekosten künftig womöglich wieder sinken. Aber es gibt andere, bleibende Herausforderungen. Dazu gehören die Energiewende und wachsende Umweltauflagen, Rohstoffknappheit, hohe Arbeitskosten, die

Überbürokratisierung hierzulande, eine unzureichende Infrastruktur und nicht zuletzt der demografische Wandel. Hinzu kommen immer stärkere ausländische Wettbewerber – gerade auch China – und zunehmende internationale Handelskonflikte nicht nur mit dem Reich der Mitte. Das alles sind nur die wichtigsten Beispiele für Wachstumshemmnisse.


Industrie kann Zukunftslösungen liefern

Ohnehin gilt es für die Unternehmen, die weitere Digitalisierung hin zur Industrie 4.0 und den Einzug der künstlichen Intelligenz zu stemmen. Alles zusammen fordert von den deutschen Industriebetrieben und ihren Belegschaften Ideenreichtum und große Veränderungsbereitschaft. Gleichzeitig eröffnen große Umwälzungen immer wieder auch neue Chancen. Man kann sogar sagen: Nur mit einer gesunden und starken Industrie ist Deutschland den Herausforderungen von Klimawandel und technologischem Wandel gewachsen. Die Industrie ist eben nicht Teil des Problems – sie kann vielmehr entscheidend zu Lösungen beitragen: als Anbieter etwa von umweltfreundlichen Fahrzeugen, Windkraftanlagen, Hochleistungs-Stromnetzen oder besonders effizienten Fertigungsanlagen.

Noch hat Deutschland das Zeug, sich selbst helfen: Denn unser Land hat nach wie vor eine solide industrielle Basis, die weltweit Maßstäbe setzt. Sie zu erhalten, ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Worum es geht – mehr dazu in den nachfolgenden Ausführungen dieses Artikels.

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Industrie-Beschäftigte verdienen gut

Die Verdienstchancen in der Industrie sind überdurchschnittlich gut. Über acht Millionen Industrie-Arbeitsplätze bedeuten daher Kaufkraft und Lebensqualität. Fachkräfte erhalten im Laufe des Berufslebens durchschnittlich 1,7 Millionen Euro. Das zeigt eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Wer einen Meister-, Techniker- oder Fachwirtabschluss drauflegt, kommt auf rund 2,4 Millionen Euro. Und sogar noch mehr ist es in den MINT-Berufen, also den naturwissenschaftlich-technischen Jobs. Da kann ein großer Teil der Akademiker nicht mithalten.

Die Industrie bietet also nicht nur qualifizierte Arbeitsplätze und schafft durch Aus- und Weiterbildung eine sichere Perspektive für viele Arbeitnehmer – sie sichert auch ein hohes Maß an Wohlstand hierzulande. Sie ist für unser ganzes Land ein wichtiger wirtschaftlicher Stabilitätsanker.

Durch Steuerreform zu mehr Wirtschafts-Wachstum

Damit die Wirtschaft wieder mehr Schubkraft entwickelt, muss an den Wachstums-Hemmnissen angesetzt werden. Ein großer Hebel liegt bei den Steuern. Hierzulande lag die effektive Steuerbelastung für Unternehmen im Jahr 2022 bei 28,8 Prozent. Im Durchschnitt der Europäischen Union sind es 18,8 Prozent, meldet das Institut der deutschen Wirtschaft.

Andere Staaten hätten hier in der Vergangenheit längst angepackt – während die letzte Steuerreform hierzulande 2008 auf den Weg gebracht wurde, zeigt ein Ländervergleich. Ein Aus für den Rest-Solidaritätszuschlag, eine Investitionsprämie, die digitale Neuerungen nicht ausschließt, die Verbesserung der steuerlichen Forschungsförderung und eine großzügige Ausweitung des steuerlichen Verlustabzugs ließen den Unternehmen mehr Luft für die Anstrengungen, die jetzt nötig sind.

Bruttoinlandsprodukt ist Maß für Wirtschaftskraft

Die wirtschaftliche Leistung eines Landes wird durch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) angegeben. Im Jahr 2022 betrug das deutsche BIP rund 3.877 Milliarden Euro. Darin eingerechnet ist der Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die innerhalb der Landesgrenzen hergestellt wurden und dem Endverbrauch dienen (die also nicht in andere Waren oder Dienstleistungen eingeflossen sind). Das BIP Deutschlands enthält auch die Leistungen der Ausländer, die innerhalb unseres Landes arbeiten. Dagegen sind die Leistungen der Inländer, die im Ausland arbeiten, nicht berücksichtigt.


Fachkräftemangel in Deutschland – gekommen, um zu bleiben

Das Problem kennt jeder von uns – zum Beispiel, wenn man mal medizinische Hilfe oder einen Handwerker braucht: Sorry, bitte warten – Fachkräftemangel! Zu Jahresbeginn 2023 gab es hierzulande schon mehr als eine halbe Million freie Stellen, für die passende Bewerber fehlten. Und trotz der schwächelnden Konjunktur erreicht die sogenannte Fachkräftelücke immer neue Rekordhöhen: Im Sommer 2023 fand jeder dritte Industriebetrieb nicht die Leute, die er braucht. Das meldet das Ifo-Institut. 

Deutschlands Bevölkerung altert und schrumpft

Und feststeht: Es kommt noch dicker. Denn die meisten Belegschaften altern. Im Schnitt ist heute bereits fast jeder vierte Mitarbeiter über 55 Jahre alt. Daher werden in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich 7,3 Millionen Menschen aus dem Arbeitsleben ausscheiden.

Die bewährten Experten werden längst nicht alle ersetzt werden können. „Schuld“ ist die Demografie: Denn unsere Bevölkerung schrumpft. Derzeit kommen noch etwa halb so viele Kinder zur Welt wie im geburtenstärksten Jahrgang 1964. Bis 2035 sinkt nach allen Prognosen die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter – im Extremfall um fast acht Millionen Leute.

Gute Chancen für Fachkräfte und Berufsstarter

Eine richtig gute Botschaft gibt es aber auch zur aktuellen Lage: Der Arbeitsmarkt in Deutschland boomt. Gerade auch Fachkräfte und Berufsstarter sind und bleiben gefragt – etwa im IT-Bereich, in der Metall- und Elektro-Industrie, der Chemie, in der Pflege und im Handwerk. Besonders gilt das für Arbeitnehmer mit abgeschlossener Berufsausbildung. Sie werden von der Hälfte aller Firmen gesucht, zeigt eine Unternehmensumfrage der Bertelsmann-Stiftung. Von einem Akademiker-Mangel berichtet demnach „nur“ ein Viertel der Unternehmen.

Wie kann es da eigentlich sein, dass es immer noch Arbeitslosigkeit gibt? Die Antwort auf diesen scheinbaren Widerspruch: Die Qualifikationen der Betroffenen passen häufig nicht zu den Anforderungen.

„Um jetzt die Personaldecke zu stärken, wäre es eigentlich der Königsweg, die betriebliche Ausbildung auszubauen“, sagt Dirk Werner, Berufsbildungsexperte im Institut der deutschen Wirtschaft. „Fakt ist jedoch, dass die Zahl der Ausbildungsbewerber bereits seit über sechs Jahren sinkt.“

Verschärfend kommt hinzu, dass jährlich 50.000 junge Menschen ohne Abschluss die Schule verlassen. Viele von ihnen gelten als „nicht ausbildungsfähig“. Sie müssen erst einmal aufwendig nachgeschult werden.

Betriebe weiten Personalarbeit aus

Um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten, weiten die Betriebe ihre Personalarbeit aus: Sie werben auch in technischen Berufen gezielt um weibliche Azubis, bieten vielfältige Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf an, verstärken Personalentwicklung, fördern Weiterbildung und das lebenslange Lernen.

Ältere im Job halten, Chancen für Frauen verbessern

Damit die Bemühungen der Betriebe zumindest von einigem Erfolg gekrönt sind, kommt es entscheidend darauf an, dass Menschen im Inland mobilisiert werden, die bisher gar nicht oder nur wenig arbeiten. Was das bringen würde, hat das IAB kürzlich untersucht. Frauen sind demnach immer noch weniger oft berufstätig als Männer, vor allem Frauen ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Ein Grund dafür sind fehlende Kita-Plätze. Und auch bei den älteren Beschäftigten ließe sich die Erwerbsbeteiligung steigern. Laut IAB könnten wir 2035 mit diesem Potenzial immerhin rund 3,4 Millionen zusätzliche Erwerbstätige haben. Das wären allerdings immer noch viel zu wenig, um die Lücken zu stopfen. Selbst ein verstärkter Roboter-Einsatz hilft da nur etwas weiter.

Halbwegs stabil bleiben würde die Zahl der Fachkräfte nur unter zwei Hauptbedingungen:

  • Viel mehr über 60-Jährige müssten länger arbeiten, bevor sie in Rente gehen. Kein Wunder, dass die Diskussion um die Rente mit 70 wieder hochkocht. Renten-Experte Bernd Raffelhüschen von der Uni Freiburg fordert: „Der Renteneintritt muss an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden.“
  • Deutschland müsste mehr Fachkräfte aus dem Ausland gewinnen. Doch stattdessen machte zuletzt Corona einen Strich durch die Rechnung. Zudem schreckt viele Betriebe der hohe bürokratische Aufwand ab. Denn der ist enorm bei der erstmaligen Anwerbung von Arbeitnehmern aus dem Ausland. Das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz hilft in Sachen Zuwanderung, es öffnet die Türen unseres Arbeitsmarkts weiter als alle bisherigen Regeln.

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Job-Boom in Deutschland

Dass aktuell kaum Personal zu finden ist, hat nicht zuletzt mit dem Job-Boom der letzten Jahre zu tun: Fast 45,6 Millionen Erwerbstätige gab es 2022 – also sogar wieder etwas mehr als vor Corona. Allein in der Industrie waren über 8,1 Millionen Menschen beschäftigt. Deutschland zählt damit in der Europäischen Union zu den Ländern mit der höchsten Beschäftigungsquote und auch mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit.

Viele neue Vollzeit-Jobs

Der Aufschwung am Arbeitsmarkt wird immer wieder mit dem Hinweis kleingeredet, es seien hauptsächlich prekäre Arbeitsplätze entstanden. Damit sind etwa befristete Stellen und Minijobs gemeint. Ein Blick zurück zeigt jedoch: In Deutschland gab es 2022 rund zwei Millionen Vollzeitbeschäftigte mehr als vor 15 Jahren. Stark zugenommen haben auch Teilzeittätigkeiten mit mehr als 20 Stunden. Die Zahl der anderen Teilzeitbeschäftigungen ist dagegen seit einigen Jahren leicht rückläufig. Diese Teilzeitkräfte dazu zu bewegen, ihre Arbeitszeit auszuweiten, ist eine Möglichkeit, um die Fachkräftelücke zu verkleinern.

Rentenalter an Lebenserwartung koppeln

Den Mangel an Arbeitskräften abbremsen, die absehbar überstrapazierten Rentenkassen entlasten, das Risiko der Altersarmut senken: Das alles wäre gleichzeitig erreichbar – würde das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung angepasst. Diesen Vorschlag brachte zuletzt auch die Bundesbank ins Spiel. Nach ihren Berechnungen verschöbe sich die Altersgrenze bis Mitte des Jahrhunderts auf 69 Jahre.

Dass die langsame Anhebung des Rentenalters funktioniert, zeigen Dänemark und die Niederlande: Dort ist der Renteneintritt an die Lebenserwartung gekoppelt. In den Niederlanden gilt die Rente mit 67 bereits 2025.


Was Deutschlands Industrie stark macht

Hätten Sie es gewusst? Die meisten Industriebetriebe sind nicht etwa in Großstädten zu Hause. Die große Mehrheit entfällt vielmehr auf die Speckgürtel rund um die Ballungsräume und auf ländliche Regionen. Das unterstreicht beispielsweise der Strukturbericht von IW Consult, der für den Arbeitgeberverband Gesamtmetall erstellt worden ist.

Mittelstand prägt Deutschlands Firmenlandschaft

Typisch für unsere Firmenlandschaft sind weniger die Großunternehmen, sondern der Mittelstand: Er stellt fast 99 Prozent aller Betriebe und beschäftigt unterm Strich auch die meisten Menschen. In keinem anderen Land sind mittelständische Unternehmen so bedeutend. Der deutsche Begriff „Mittelstand“ wurde in anderen Ländern sogar in die eigene Sprache übernommen, weil es dort so recht keine Entsprechung dafür gibt.

Das Spektrum reicht von kleinen, innovativen Software-Schmieden über global aktive Maschinenbauer zu traditionsreichen Handwerksunternehmen und noch viel weiter. Rund 1.500 von ihnen sind europa- oder weltweit Marktführer in ihrer Branche – sie gelten als „Hidden Champions“. Der Ruf des Markenzeichens „Made in Germany“ ist nicht zuletzt dank ihnen weltweit erstklassig.

Und es ist auch der Weltmarkt, von dem Deutschlands Industrie insgesamt entscheidend lebt. Wir sind die drittgrößte Exportnation nach China und den USA. Zuletzt exportierte Deutschland Waren und Dienstleistungen im Wert von fast der Hälfte unserer gesamten Wirtschaftsleistung. Verkaufsschlager sind vor allem wettbewerbsstarke Industrieprodukte: Kraftwagen und Kraftwagenteile, Maschinen, chemische und pharmazeutische Erzeugnisse, Gummiwaren – und so fort. In vielen Bereichen und auf vielen Märkten sind deutsche Anbieter also weltweit führend. Das gilt beispielsweise auch für die sogenannten grünen Technologien. Dazu gehören Produkte im Bereich Umwelt- und Klimaschutz – darunter Brennstoffzellen, Photovoltaik, Windkraft und effizientere Kraftwerkstechniken.

Übrigens: Dass sich die Handelsstreitigkeiten derzeit häufen und immer mehr Länder Einfuhrbarrieren hochziehen, ist für uns daher keine gute Botschaft. Denn der Heimatmarkt hierzulande wäre viel zu klein, um für genügend Beschäftigung in Deutschland zu sorgen.

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Das sind Deutschlands größte Industriezweige

Der bei Weitem größte Industriezweig hierzulande ist die Metall- und Elektro-Industrie (M+E). Zu ihr gehören fast 4 Millionen Beschäftigte in über 25.000 M+E-Betrieben. Gemeinsam erwirtschaften sie einen Jahresumsatz von fast 1.400 Milliarden Euro – das ist ungefähr so viel wie die gesamte Wirtschaftsleistung von Belgien und der Schweiz zusammengenommen. Größte M+E-Einzelbranchen sind der Automobilbau, der Maschinenbau und die Elektro-Industrie. Weitere große deutsche Top-Branchen sind die chemisch-pharmazeutische Industrie – dazu gehört der weltgrößte Chemiekonzern BASF – sowie die Ernährungsindustrie.

In diesen Bundesländern gibt es die meisten Industriebetriebe

Die Bundesländer mit den bei Weitem meisten Industriebetrieben und -umsätzen sind Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Das Bundesland mit den meisten Industrieunternehmen ist NRW (fast 5.000 Betriebe); in Baden-Württemberg mit seinen vergleichsweise vielen Großbetrieben erwirtschaftet die Industrie allerdings die höchsten Umsätze – nämlich insgesamt 370 Milliarden Euro (2021).


Innovation Deutschland

Innovationskraft kommt nicht von allein

Um in der globalisierten Welt bestehen zu können, spielt die Innovationskraft eines Landes eine wesentliche Rolle. Und da hat Deutschland gute Karten. Denn wir sind Europameister beim Erfinden, mit jährlich rund 59.000 angemeldeten Patenten. Der Löwenanteil entfällt dabei auf Industrieunternehmen und die mit ihnen eng verbundenen Dienstleister.

Diese Bundesländer und Branchen liegen vorn

Innerhalb Deutschlands sind es vor allem Regionen in Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen, die als besonders zukunftsstark gelten. Das zeigt der Innovationsatlas des Instituts der deutschen Wirtschaft. Neben den Patentanmeldungen wurden hierfür auch die Forschungsausgaben, Firmengründungen und die digitale Vernetzung beleuchtet. 

So machen baden-württembergische Unternehmen das meiste Geld für Forschung und Entwicklung locker: nämlich 5,3 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung, das zeigt der Innovationsatlas vom Institut der deutschen Wirtschaft. Klingt nicht nach besonders viel? Ist es aber. Der gesamtwirtschaftliche Bundesdurchschnitt (Unternehmen und Staat) liegt bei 3,2 Prozent – der EU-Durchschnitt bei nur 2,3 Prozent. Treibende Kraft dabei sind vor allem Industriebranchen, insbesondere der Automobilbau, Maschinenbau, die Elektrotechnik und die Pharma-Industrie.

Was besser werden muss

Alles gut also? Nicht ganz. Denn alle Innovationskraft etwa im Bereich des Automobil- oder Maschinenbaus garantiert nicht, dass wir bei allen technologischen Zukunftstrends die Nase vorn haben. Ein Gegenbeispiel ist die Solarzellentechnologie: Hier hatte Deutschland Anfang der 2000er-Jahre zwar Pionierarbeit geleistet. Doch dann überschwemmten chinesische Anbieter den Markt mit Billigangeboten. Die deutschen Solarmodulhersteller brachen zusammen. Heute stehen das autonome Fahren, die Biotechnologie (Stichwort: mRNA-Impfstoffe), Brennstoffzellen, Batterietechnologie, Medizintechnologie und künstliche Intelligenz im Zentrum des internationalen Innovations-Rennens. Wie es läuft, ist für Deutschlands industrielle Zukunft mit entscheidend.

Ein Hinweis, der nicht gerade Mut macht: Immer mehr Firmen ziehen sich aus dem aktiven Innovationsgeschehen zurück. Das ergab eine Studie der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh. In den vergangenen drei Jahren ist der Anteil hoch innovativer Firmen demnach spürbar geschrumpft. Das gefährdet auf Dauer sogar unseren Wohlstand. Denn innovative Unternehmen erzielen höhere Gewinne und schaffen mehr Arbeitsplätze. Hinzu kommt: Erfindergeist und Innovationen können manche Schwäche des Wirtschaftsstandorts Deutschlands zumindest zum Teil ausbügeln – etwa die hohen Arbeitskosten.

Wie also die Forschung wieder ankurbeln? Dazu braucht es beispielsweise eine verbesserte steuerliche Forschungsförderung. Ebenso gilt: „Kleine und mittlere Firmen benötigen mehr Fachkräfte, um ihre Entwicklungsaktivitäten verbessern zu können“, betont Bertelsmann-Experte Armando García Schmidt. „Da hilft verstärkte Zuwanderung.“ Zudem brauchten die Betriebe klare Signale der Politik, welche Technologien in Zukunft gefordert sind. „Wir müssen aufpassen, dass die Erosion nicht weitergeht!“

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Das ist Deutschlands innovationsstärkste Branche

Innovationsstärkste Branche hierzulande ist die Metall- und Elektro-Industrie (M+E). Sie investiert jährlich rund 70 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung (FuE) und beschäftigt 65 Prozent des in der deutschen Wirtschaft tätigen FuE-Personals. Das zeigt der M+E-Strukturbericht des Instituts der deutschen Wirtschaft. Der Anteil der Unternehmen mit laufender Forschung und Entwicklung ist in diesem Industriezweig fast dreimal so hoch wie in der Gesamtwirtschaft. Auch bei der Nutzung und Einführung von digitalen Produkten, Prozessen und Geschäftsmodellen liegt M+E weit vorn. 

Immer mehr Erfinder haben ausländische Wurzeln

Deutschlands Innovationskraft stammt immer öfter von Erfinderinnen und Erfindern mit ausländischen Wurzeln. Das zeigt eine Auswertung der Patentdatenbank des Instituts der deutschen Wirtschaft auf Grundlage typischer Vornamen. Demnach hat sich der Anteil der Patentanmeldungen in Deutschland durch Menschen mit asiatischen Wurzeln im Zeitraum von 1994 bis 2018 vervierfacht. Aber auch aus jeder anderen abgrenzbaren Herkunftsregion haben sich die Anteile mehr als verdoppelt.

Insgesamt stieg die Zahl der jährlichen Patentanmeldungen in Deutschland von 2008 bis 2018 um knapp 3 Prozent. Ohne die Innovationen von Menschen mit Migrationshintergrund wäre die Zahl der Patentanmeldungen hierzulande sogar gesunken – nämlich um fast 2 Prozent.


Strukturwandel in der Industrie in Deutschland

Den Strukturwandel bewältigen – aber wie?

Die Wirtschaftsstruktur eines Landes wird auch durch viele Treiber verändert. Dazu gehören die Globalisierung, die Digitalisierung, eine höhere Wissensintensität von Produkten und Fertigungsprozessen sowie die Tertiarisierung – also die Verschiebung des Wirtschaftsschwerpunkts von der Industrie zu den Dienstleistungen.

Welcher Weg und welches Geschäftsmodell am besten sind – das lässt sich kaum vorhersehen und erst recht nicht vorherbestimmen. Professor Jan Oliver Schwarz, Leiter des Bayerischen Foresight-Instituts Ingolstadt, unterstreicht: „Was übermorgen und danach kommt, weiß niemand. Aber wir Menschen haben es in der Hand, zu entscheiden, was wir wollen – und was nicht.“

Geschäftsmodelle müssen schnell angepasst werden können

Betriebe wie auch ihre Beschäftigten brauchen also Spielräume, um sich veränderten (Markt-)Bedingungen anpassen zu können. Und für die Politik kommt es darauf an, die Rahmenbedingungen für den Strukturwandel so zu gestalten, dass flexible Anpassungen möglich sind. Denn fest steht: Mit alten Technologien und Geschäftsmodellen wird der Wandel der Produktionsstruktur nicht gelingen, erforderlich sind vielmehr innovative Lösungen. Andernfalls würden hier und heute noch die Dampfmaschinen fauchen.

Betriebe bei Investitionen zu Spagat gezwungen

Aber: In wirtschaftlich schwierigeren Zeiten wie derzeit sind die Unternehmen oft zu einem enormen Spagat gezwungen: Sie müssen in ihre Zukunft investieren, selbst wenn die Geschäfte nicht gut laufen. Dr. Stefan Wolf, der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: „Viele Unternehmen müssen nicht nur wie bisher ihre Produkte verbessern, sondern völlig neue Geschäftsfelder erschließen und ihre Fertigung komplett umstellen, um nicht aus der Königsklasse abzusteigen.“

Dass sie es dabei alles andere als leicht haben, betont Professor Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft: „Unterbrochene Lieferketten, fehlende Rohstoffe und vor allem die in ungeahnte Höhen gestiegenen Energiepreise verunsichern die Unternehmen. Aufgrund deutlich günstigerer Energiekosten und der Subventionspolitik in den USA gibt es Befürchtungen, dass insbesondere energieintensive Unternehmen abwandern und der Industriestandort Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit verliert.“ Warum solche Sorgen ernst zu nehmen sind und worauf es jetzt ankommt, zeigt Hüther in dieser Veröffentlichung zu den Herausforderungen des Strukturwandels heute.

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Worauf es im Strukturwandel ankommt

Was tun, um im Strukturwandel zu bestehen – und ihn eventuell sogar als Chance zu nutzen? Das haben die Forscher von IW Consult am Beispiel der Automobil-Industrie dargestellt. In dieser deutschen Kernbranche hängen rund 260.000 Jobs direkt am Verbrennungsmotor, die meisten davon in den typischen „Automobilregionen“ hierzulande. Klar wird: Um im Wandel zu bestehen, gibt es fünf Hebel. Dazu gehören etwa die Vernetzung und Kooperationen der Unternehmen sowie eine starke Aus- und Weiterbildung. Wichtig sind nicht zuletzt zudem eine leistungsfähige digitale Infrastruktur, gute Verkehrswege und Hochschulen in der Nähe.

Welche ist die beste Wirtschaftsstruktur?

Das vorweg: Es gibt keine überlegene Wirtschaftsstruktur. Wohlstand ist in Industrienationen wie unserer genauso möglich wie in Ländern mit einem starken Dienstleistungssektor. Daher ist es entscheidend, dass jedes Land seinen eigenen Weg findet. Die Politik ist jedenfalls gut beraten, den Strukturwandel lediglich durch flankierende Maßnahmen und einen günstigen Rahmen zu begleiten.

Dazu gehören die Förderung von Innovationen und Unternehmensgründungen, ein leistungsfähiges Bildungssystem, offene Märkte, der Abbau von bürokratischen Hürden sowie eine gut ausgebaute Infrastruktur. Auf diese Weise werden die Voraussetzungen für Strukturwandel geschaffen, sodass die Chancen des Veränderungsprozesses optimal genutzt werden können.

Strukturwandel an Einwohnerzahl ablesbar

Die Entwicklung der Einwohnerzahl gilt seit Jahrtausenden als ein verlässlicher Indikator für die wirtschaftliche Attraktivität einer Stadt, einer Region oder eines Landes. Wo der Wohlstand ansteigt, wächst typischerweise auch die Bevölkerung.

Wie die Geschäftsmodelle von je zwei Industriestädten in Deutschland (Dortmund, Chemnitz) und in den USA (Akron, Buffalo) im Lauf der Zeit funktionierten und welchen Einfluss die sozialen Sicherungssysteme dabei haben ­– das untersucht eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Ein Kernergebnis: In allen vier Städten haben Globalisierung und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit zu Problemen geführt – in Deutschland stabilisierten die sozialen Sicherungssysteme und die Regionalpolitik die Lage allerdings merklich, während Beschäftigte in den USA für einen neuen Job deutlich häufiger die Stadt wechselten.


Zukunft der Arbeit in der Industrie 4.0

Die Digitalisierung verändert unsere Arbeit – aber sie schafft sie nicht ab. Im Gegenteil: Die Firmen setzen weiterhin auf qualifizierte Mitarbeiter und tun viel dafür, sie für die neuen Technologien fit zu machen. Das Schlagwort dazu lautet „Industrie 4.0“, also die Digitalisierung in der Industrie.

Was bedeutet „Industrie 4.0“ konkret? Modernste Informationstechnik verbindet Maschinen und Werkstücke. Mitarbeiter überwachen die Fertigung online. Fabriken vernetzen sich mit Kunden und Lieferanten. Dadurch wird Produktion so wirtschaftlich und flexibel wie nie zuvor – und sichert letztlich Jobs. Davon profitieren alle, auch die Mitarbeiter.

Auch die Beschäftigung profitiert

„Menschen werden weiterhin gebraucht“, betont auch Holger Bonin, Forschungsdirektor am Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn. Bonin geht, wie viele weitere Experten, davon aus, dass Mitarbeiter in Zukunft andere Tätigkeiten ausüben werden, Arbeit digitaler wird, Mensch und Maschine zusammenarbeiten und sich neue Berufsbilder entwickeln.

Produktion und Arbeitswelt ändern sich also – und das schon fast traditionell: Nach der Mechanisierung (Industrie 1.0), der Massenproduktion (Industrie 2.0) und der Automatisierung (Industrie 3.0) führt der Einzug des sogenannten Internets der Dinge und Dienste in der Fertigung zur vierten industriellen Revolution.

Das ist neu in der Fabrik der Zukunft

Wie genau ändert sich die Arbeitswelt in der intelligenten Fabrik der Zukunft, in der „Smart Factory“? Der Mensch ist mehr denn je gefordert, die Fertigungsabläufe des Produktionsnetzwerks zu steuern und zu überwachen. Mithilfe sogenannter IT-basierter Assistenzsysteme – wie etwa mobiler Endgeräte oder einer Datenbrille – kann er seine Sicht auf die reale Fabrik sogar „virtuell“ erweitern. Die Assistenzsysteme stellen dem Mitarbeiter die gerade benötigten Informationen möglichst einfach, schnell, jederzeit und überall zur Verfügung: vom Materialfluss über drohende Störungen durch Maschinenverschleiß bis hin zur Endabnahme der fertigen Produkte.

Klar ist damit auch: Die langfristige Jobsicherung in „revolutionären Zeiten“ hängt nicht nur von den Unternehmen ab – auch die Beschäftigten selbst können etwas dazu beitragen. Stefan Baron, Geschäftsführer der AgenturQ, betont im Gespräch mit aktiv: „Zuallererst muss man bereit sein, mit dem Wandel mitzugehen!“

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Welche beruflichen Fähigkeiten künftig gefragt sind

Klar, die Automatisierung übernimmt schon heute viele anstrengende und eintönige Routinearbeiten. Trotzdem möchte niemand seine Stelle an einen Roboter verlieren. Deshalb muss man sich gut vorbereiten für die Berufswelt im Wandel – mit Fähigkeiten, die dafür notwendig sind. Klassische berufliche Fähigkeiten sind dabei gefragt, zudem beispielsweise Veränderungsfähigkeit und digitale Schlüsselkompetenzen. Eine Übersicht bietet eine gemeinsame Studie des Stifterverbands und der Unternehmensberatung McKinsey.

Was künstliche Intelligenz bringt

Gesichtserkennung, Sprachassistenten, ChatGPT – hinter all diesen Tools steckt künstliche Intelligenz (KI). Sie ist der Versuch, menschliches Denken und Lernen auf den Computer zu übertragen. Noch gibt es keine Maschine, die alle Probleme lösen kann, sehr wohl aber Programme, die spezielle Fragen beantworten, auf die sie vorher trainiert wurden. Dazu verarbeiten sie in komplexen Abfolgen riesige Datenmengen und lernen daraus.

Die Anwendungsmöglichkeiten auch in der Industrie sind denkbar vielfältig. Sie reichen von der besseren Qualitätskontrolle über ausgefeiltes Produktdesign bis hin zum Testen immer neuer Geschäftsmodelle. Aktuell beschäftigen sich drei von vier Unternehmen mit dem Thema KI. Das ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft hat darum Good-Practice-Beispiele von Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie gesammelt. aktiv hat mit dem ifaa-Experten Sebastian Terstegen über die Chancen von KI gesprochen.

Weitere Hinweise zur Entwicklung von KI in Wirtschaft und Gesellschaft bietet der KI-Monitor des Instituts der deutschen Wirtschaft, erstellt im Auftrag des Bundesverbands für Digitale Wirtschaft.