München/Rostock. So reich an Babys war Deutschland zuletzt vor 20 Jahren! Mehr als 780.000 Kinder wurden 2018 in Deutschland geboren, so die vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts. 2016 und 2017 waren die Zahlen ähnlich hoch. In Zeiten, wo oft von Wandel und Verunsicherung die Rede ist, ist dieser Baby-Boom durchaus überraschend. Es ist gerade einmal acht Jahre her, dass Deutschland mit nur noch rund 660.000 Neugeborenen einen Tiefpunkt bei den Geburtenzahlen verzeichnen musste.

In Deutschland werden aktuell so viele Kinder geboren wie zuletzt vor 20 Jahren.

Fragt man Experten wie Mathias Lerch, den stellvertretenden Leiter des Arbeitsbereichs Fruchtbarkeit und Wohlbefinden am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock, hört man gleich eine Reihe von Gründen für den Kindersegen. „Aktuell gibt es bei uns mehr Frauen im Alter zwischen 25 und 35“, erklärt er, „das sind die vielen Töchter der zahlenmäßig ebenfalls großen Babyboomer-Generation der Wirtschaftswunderjahre.“ Zudem sei das Alter, in dem Mütter hierzulande ihre Kinder bekommen, gestiegen. „Wir erleben deshalb gerade auch eine Art Nachholeffekt“, so Lerch. 

Wer sichere Jobs hat, bekommt eher ein Kind

Darüber hinaus trage auch die mittlerweile deutlich bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zum Geburtenanstieg bei. „Das wirkt sich aber fast nur bei gut ausgebildeten Frauen aus“, schränkt der Fachmann ein. Die sehr gute wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen zehn Jahre spiele dagegen eine große Rolle: „Wer sichere Jobs und genügend Einkommen hat, entscheidet sich eher für ein Kind – oder auch für mehrere.“

Hinzu kam noch der starke Andrang von Flüchtlingen etwa aus Syrien ab 2015, der die Baby-Zahlen dann zusätzlich kräftig steigen ließ. „Migranten sind meist jung und bekommen zudem deutlich mehr Kinder als Deutsche“, erklärt Lerch, „und wer flüchten muss oder auswandern will, bekommt seine Kinder häufig erst im Zielland.“

Der demografische Wandel kommt trotzdem

Unter dem Strich gibt es also einige Sondereffekte, die hinter dem jüngsten Baby-Boom stecken – er ist nicht etwa der Beginn einer grundlegenden demografischen Wende. „Ich würde von vorübergehenden Schwankungen sprechen“, so der Experte, „auf einem nach wie vor sehr niedrigen Niveau.“ Man müsse sich daher weiter auf den demografischen Wandel vorbereiten: „Wir werden weniger und älter“, warnt Lerch, „mittelfristig abschwächen kann das nur mehr Zuwanderung.“