Interview: Frauen verdienen weniger – muss der Staat da eingreifen?

Die Lohn-Lücke ist viel kleiner als gedacht, ein „Entgeltgleichheitsgesetz“ nicht nötig

Berlin. Frauen verdienen weniger als Männer. Politische Folgerung: Ein „Entgeltgleichheitsgesetz“ soll nun her. Bringt so was Deutschland voran? AKTIV sprach mit Nora Fasse, die beim Arbeitgeberdachverband BDA für das Thema zuständig ist.

Beim Brutto pro Stunde stehen deutsche Frauen gut ein Fünftel schlechter da als die Männer. Da muss eine Frauenministerin doch ran, oder?

Es sind 22 Prozent Unterschied, die durch die Medien geistern. Aber das ist eine rein statistische Betrachtung sämtlicher Stundenlöhne, da werden unter anderem Geschäftsführer und Berufseinsteigerin verglichen. Diese „unbereinigte Entgeltlücke“ hat also überhaupt nichts mit Diskriminierung zu tun.

Wie kommt es denn zu diesem großen Unterschied?

Einfluss haben – in dieser Reihenfolge – die Berufserfahrung, der Umfang der Arbeitszeit, die Wahl von Beruf und Branche, Babypausen und so fort. Zum Beispiel arbeiten mehr als zwei Drittel der Mütter Teilzeit, das kann die Karriere verzögern.

Wenn man nun Kinder, Beruf und andere Faktoren rausrechnet, Vollzeitfrau und Vollzeitmann vergleicht …

… dann bleibt eine bereinigte Lücke von rund 2 Prozent – die also sehr gering ist und sich kaum per Gesetz beheben lässt.

Die Ministerin denkt an eine neue Berichtspflicht für Betriebe und einen Auskunftsanspruch für Mitarbeiter.

Bürokratischer Mehraufwand, der in der Sache nichts bringen wird! Entgelt-Diskriminierung ist längst gesetzlich verboten, Tarifverträge sind natürlich geschlechtsneutral formuliert. Die Regierung sollte lieber Rahmenbedingungen für die Erwerbstätigkeit von Frauen verbessern.

Was schlagen Sie da vor?

Mehr Ganztagskitas zum Beispiel. Viel mehr Ganztagsschulen. Bedarfsgerechte Betreuung in Randzeiten. Und es wäre hilfreich, wenn Schulen bei der Berufsorientierung über Verdienst- und Karrierechancen aufklären würden.


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