Berlin. Sie erscheint bedrohlich. Sie ist gefühlt zu groß. Und sie betrifft fast jeden: die Rentenlücke – also der Unterschied zwischen dem Einkommen im Alter und dem Gehalt kurz vor der Rente. aktiv hat mit einer Expertin über das wichtige Thema gesprochen.

Zunächst muss man wissen: Nicht jede Rentenlücke ist wirklich problematisch. „Im Rentenalter braucht man normalerweise weniger Geld als vorher“, sagt Katja Braubach von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Klar, die Kinder sind dann aus dem Haus, der teure Weg zur Arbeit fällt weg, die Immobilie ist oft abbezahlt – und das Extra-Sparen für die Altersvorsorge ist dann natürlich auch vorbei.

Faustregel für die Altersversorgung: 80 Prozent des letzten Nettogehalts reichen aus

Daher kalkulieren Fachleute für eine ausreichende Altersversorgung normalerweise mit 80 Prozent des letzten Nettogehalts. Achtung: „Bei Geringverdienern reicht das oft nicht – bei Gutverdienern kann es zu viel sein“, sagt Braubach. Man muss also individuell abschätzen, wie viel Geld man im Alter wirklich benötigen wird. Und genau das ist der Haken an der Sache – gerade für jüngere Versicherte.

Schließlich weiß niemand, wie sich das Einkommen und die Preise entwickeln werden und wie viel Geld man in 35 oder 40 Jahren wirklich braucht. „Eine sichere Kalkulation des Bedarfs ist in jungen Jahren gar nicht möglich“, so Braubach.

Die Werte in der offiziellen Renteninformation sind anfangs deutlich zu niedrig

Auf der Einnahmenseite sieht die Sache kaum anders aus. Die Rentenversicherung verschickt zwar regelmäßig die offizielle Renteninformation. Dabei wird allerdings unterstellt, dass sich das Gehalt bis zur Rente nicht mehr verändert. Also fallen die Werte der Rente bei Berufseinsteigern erst mal viel zu niedrig aus! „Je älter die oder der Versicherte wird, desto aussagekräftiger sind die Vorhersagen“, erklärt die Rentenexpertin.

„Wer gar nicht privat vorsorgt, muss im Alter mit Einschränkungen rechnen.“

Katja Braubach, Deutsche Rentenversicherung

Ab wann die Rentenprognose dann halbwegs zutreffend ist, hängt aber auch davon ab, wie gefestigt die persönliche Lebenssituation schon ist. „Je mehr sich beruflich und privat noch verändert, desto unsicherer ist naturgemäß die Prognose der Rente.“

Online-Rechner gaukeln bei der Rentenlücke oft eine Präzision vor, die es gar nicht geben kann

Ähnliches gilt für die private Vorsorge: Niemand weiß heute schon, wie viel im Lauf des Berufslebens tatsächlich fürs Alter gespart werden kann. Und selbst die solideste Finanzplanung kann ja durch Krankheit, Scheidung, Arbeitslosigkeit oder andere Schicksalsschläge ins Wanken geraten. Also bloß keine Panik, wenn etwa Finanzberater oder Internet-Rechner gigantische Rentenlücken ermitteln, die kein Normalverdiener jemals ausgleichen könnte. „Man sollte sich davon nicht verrückt machen lassen: Solche Berechnungen gaukeln eine Präzision vor, die überhaupt nicht vorhanden ist“, sagt Braubach.

Letztlich kann man ohnehin nicht mehr tun, als konsequent und regelmäßig so viel wie möglich fürs Alter zurückzulegen – in guten Zeiten gerne mehr, in schlechten Zeiten eben mal weniger. Ohne zusätzliche Vorsorge geht es jedenfalls nicht: „Wer überhaupt nicht privat vorsorgt, muss im Alter mit Einschränkungen rechnen.“

Bei der zusätzlichen Vorsorge gilt: Je früher, desto besser – aber auch mit 50 Jahren lässt sich noch etwas tun!

Ungefähr mit Anfang 50 ist dann bei den allermeisten realistisch abzuschätzen, mit wie viel Geld sie im Alter ungefähr rechnen können: Wie wird sich das Gehalt entwickeln? Was bringt die Betriebsrente? Der Riester-Vertrag? Wie viel liegt auf dem Konto? Was ist die Immobilie wert? Ist mit einer Erbschaft zu rechnen – meistens ja ohne Abzug von Erbschaftsteuer? „Oft zeigt sich, dass im Lauf der Jahre doch einiges zusammengekommen ist und die finanzielle Situation im Alter gar nicht so schlecht ist wie befürchtet“, so Braubach.

Weil man in den letzten Abschnitten des Berufslebens oft relativ gut verdient, kann man auch mit Anfang 50 noch einiges tun, um die Rente aufzubessern. Wer dann beispielsweise 15 Jahre lang konsequent 200 Euro pro Monat zurücklegt, hat beim Renteneintritt  – trotz derzeitiger Niedrigzinsen – rund 36.000 Euro extra auf der hohen Kante, bei einer Sparrate von 500 Euro pro Monat sogar 90.000 Euro.

Das bedeutet nun aber gerade nicht, dass man in jungen Jahren überhaupt nichts tun sollte!

„Je früher man mit der privaten Altersvorsorge beginnt, desto besser“, betont Braubach. Auch kleine Beträge summieren sich nämlich im Lauf der Jahre. Und wer beschwert sich schon, wenn bei Rentenbeginn deutlich mehr Geld zur Verfügung steht, als man in jungen Jahren jemals erwartet hätte?