Wenn von Altersvorsorge die Rede ist, sprechen Experten gerne vom Drei-Säulen-Modell. Damit ist die Kombination aus gesetzlicher Rente, betrieblicher Altersvorsorge (kurz BAV) und privater Vorsorge gemeint. Eine besonders gängige Form der betrieblichen Altersvorsorge ist die Entgeltumwandlung.

Was genau ist die Entgeltumwandlung?

Seit 2002 hat jeder Arbeitnehmer das Recht, einen Teil seines Bruttolohns in Beiträge zu einer betrieblichen Altersvorsorge umzuwandeln. Bei dieser vom Staat geförderten Entgeltumwandlung wird über den Arbeitgeber Geld für die Rente aus dem Bruttolohn zurückgelegt – oft in eine Lebens- oder Rentenversicherung. Für die Sparleistung werden also weder Steuern noch Sozialbeiträge fällig (aktuell bis zu einem Betrag von 3.216 Euro im Jahr). Bietet der Arbeitgeber diese Altersvorsorge nicht von sich aus an, kann man sich an die Personalabteilung oder den Betriebsrat wenden, um sich zu informieren. 

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„Gerade kleine und mittelständische Unternehmen nutzen dabei häufig den Durchführungsweg der Direktversicherung“, erklärt Ilka Houben, Expertin für Alterssicherungspolitik beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Das heißt: Der Arbeitgeber überweist jeden Monat einen Teil des Bruttogehalts direkt an den Versicherer.

Welche Vorteile hat die Entgeltumwandlung?

Grundsätzlich kann man eine Renten- oder Lebensversicherung natürlich auch ohne den Arbeitgeber abschließen. „Die Betriebsrente und auch die Entgeltumwandlung sind jedoch nur im Betrieb möglich“, sagt Houben. Die Vorteile: Bei der Entgeltumwandlung spart man Steuern und Sozialabgaben, weil die Einzahlungen vom Bruttoverdienst abgehen. Häufig profitiert man außerdem von den günstigen Konditionen einer Gruppenversicherung im Betrieb oder in der Branche, sprich: Es gibt sozusagen Mengenrabatt.

Mit welchen Auszahlungen man beispielsweise beim Versorgungswerk MetallRente je nach Beitragsaufwendungen rechnen kann, lässt sich im Internet mit einem Schnellrechner durchspielen. Die MetallRente versichert nicht nur Metaller, sondern zum Beispiel auch Beschäftigte der Stahl-, Holz-, Kunststoff- und Textil-Industrie.

Legt der Betrieb vielleicht noch was drauf?

Tatsächlich gibt es viele Unternehmen, die die Sparbeiträge ihrer Beschäftigten freiwillig aufstocken und zum Beispiel die eingesparten Sozialversicherungsanteile drauflegen. Sie tun dies nicht zuletzt auch, um Mitarbeiter im Betrieb zu halten. In einigen Branchen gibt es sogar per Tarifvertrag vereinbarte Zulagen für die Altersvorsorge.

Wer überlegt, einen BAV-Vertrag zu unterschreiben, sollte wissen: Für ab 2019 neu abgeschlossene Verträge müssen Arbeitgeber im Prinzip die eingesparten Sozialversicherungsbeiträge zusätzlich in den BAV-Vertrag der Arbeitnehmer einzahlen, also immerhin bis zu 15 Prozent des Entgeltumwandlungsbetrags. Für schon früher abgeschlossene Verträge gilt diese Pflicht erst ab 2022. Allerdings kann von dieser gesetzlichen Vorgabe per Tarifvertrag abgewichen werden (was zum Beispiel in der Metall- und Elektro-Industrie schon geschehen ist).

Hat die Entgeltumwandlung auch Nachteile?

Ja, aber nur kleine. Es wird ein Teil des Bruttogehalts umgewandelt, das heißt: „Wegen der eingesparten Sozialversicherungsbeiträge wird weniger in die gesetzliche Rente eingezahlt. Deshalb fällt diese dann später etwas geringer aus“, sagt die Expertin. Hinzu kommt: Für die Betriebsrente fallen später in den meisten Fällen Sozialbeiträge an (wenn auch nur noch für die Kranken- und Pflegeversicherung). Und die aus dem Brutto, also auch steuerfrei angesparte Betriebsrente muss später, wenn sie ausbezahlt wird, versteuert werden (wobei der persönliche Steuersatz als Rentner im Regelfall deutlich niedriger ist als während des Arbeitslebens). Der Staat fördert die Entgeltumwandlung also kräftig während der Ansparphase und holt sich später seinen Teil von der Betriebsrente zurück. Das alles sollte man wissen – aber vor allem auch, dass sich die ganz Sache in aller Regel trotzdem lohnt!

Nutzen alle Arbeitnehmer ihr Recht auf Entgeltumwandlung?

Nein. Geringverdiener oder Teilzeitarbeitskräfte nutzen ihr Recht oft nicht, weil das Geld  knapp ist. Und jüngere Arbeitnehmer denken oft noch nicht so weit in die Zukunft: „Für sie ist manchmal ein Diensthandy wichtiger als eine Altersversorgung“, sagt Houben kritisch, „das  Rentenalter ist schließlich noch sehr weit weg…“

Ist die betriebliche Altersvorsorge für alle Arbeitnehmer sinnvoll?

Im Prinzip ja. Aber: Arbeitnehmer, die wissen, dass sie häufig den Arbeitgeber wechseln werden, sollten zunächst eher auf private Vorsorge setzen. Denn nicht immer kann man eine bereits geschlossene Versicherung zum neuen Betrieb mitnehmen. Das angesparte Geld verfällt dann zwar nicht, aber in diesem Fall kann der Arbeitnehmer den alten Vertrag nur ruhen lassen, ihn aus dem Nettogehalt weiter besparen (also ohne die staatliche Förderung) – oder über den neuen Arbeitgeber einen neuen Vertrag abschließen. Alle drei Varianten sind nicht optimal.

Wo finde ich weitere Informationen über die betriebliche Altersvorsorge?

Wer tiefer ins Thema einsteigen möchte, sollte sich zunächst diese Broschüre der deutschen Rentenversicherung durchlesen.