Deutschland steckt mitten in einer Rezession und braucht dringend mehr Wachstum. Doch durch welche Rahmenbedingungen kann das erreicht werden? Welche Risiken müssen beherrscht, welche Chancen genutzt werden, um die Wirtschaft wieder voranzubringen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Hessischen Unternehmertags, der am 31. Oktober stattfand.

Rund 1.000 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung konnte Wolf Matthias Mang, Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), im Wiesbadener Kurhaus begrüßen. Neben Mang sprachen auch der hessische Ministerpräsident Boris Rhein und Dr. Norbert Rollinger, Vorstandsvorsitzender der R+V Versicherung AG und Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Prinzipielles Misstrauen der Politik gegenüber der Wirtschaft kostet jede Menge Zeit und Geld

Gleich zu Beginn seiner Rede bezeichnete Mang die Überregulierung mit einer Flut an Vorschriften und allgegenwärtiger Bürokratie als größtes Manko für die Zukunft Deutschlands. Der Unternehmer: „Es besteht ein prinzipielles Misstrauen der Politik gegenüber der Wirtschaft, was uns jede Menge Zeit und Geld kostet.“

Dabei ermöglichten die Unternehmen den technischen und gesellschaftlichen Fortschritt, zahlten Steuern und schafften Arbeitsplätze. Sie müssten aber auch viele Herausforderungen wie die Überregulierung und den Strukturwandel meistern. Mang: „Trotz der unternehmerischen Risiken haben wir alle Chancen, durch nachhaltiges Wachstum unseren Spitzenplatz unter den Industrienationen neu zu erobern, aber dafür brauchen wir mehr Freiheit, weniger Misstrauen gegenüber der Wirtschaft und eine wachstumsfreundlichere Gesetzgebung und Verwaltung.“

Mit mehr Freiheit könne man die Klimaprobleme schneller und günstiger lösen, die vierte industrielle Revolution vollbringen und als Exportnation im globalen Wettbewerb standhalten. Unterstützung, insbesondere durch Bürokratieabbau, versprach Ministerpräsident Rhein: „Wenn wir nicht zügig Lösungen für die überbordende Bürokratie, den teuren Industriestrom und den Fachkräftemangel finden, schwächen wir die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Unternehmen nachhaltig und gefährden das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Handlungsfähigkeit des Staats.“

Er ist überzeugt: „Nur mit einer Agenda für Wirtschaft und Wohlstand wird Deutschland wieder attraktiv für neue Investitionen.“ Der Ministerpräsident: „Deutschland darf beim Wirtschaftswachstum nicht länger Schlusslicht in Europa sein.“

GDV-Präsident Dr. Norbert Rollinger sieht die Versicherungswirtschaft als wichtigen Begleiter und Unterstützer des Wandels, den die Wirtschaft in dieser technologischen und geopolitischen Zeitenwende bewältigen muss. Die enormen Herausforderungen könne man gemeinsam bewältigen, wenn man entschlossen die notwendige nachhaltige Transformation des Wirtschafts- und Gesellschaftssystems weiter vorantreibe.

Rollinger: „Versicherungen machen Wirtschaften erst möglich, indem wir Risiken durch passende Versicherungen absichern. Wir sind Kapitalgeber für Innovationen und helfen damit, sie für die Transformation nutzbar zu machen und treiben den Umbau des Industriestandorts und die Dekarbonisierung mit voran.“

Höhepunkt des Abends war auch diesmal wieder die Kür der Hessen-Champions: Mehr über die Preisträger 2023 lesen Sie auf aktiv-online.de: Das sind die Hessen-Champions 2023.

Mehr zum hessischen Unternehmertag im Internet unter: vhu.de.

Maja Becker-Mohr
Autorin

Maja Becker-Mohr ist für aktiv in den Unternehmen der hessischen Metall-, Elektro- und IT-Industrie sowie der papier- und kunststoffverarbeitenden Industrie unterwegs. Die Diplom-Meteorologin entdeckte ihr Herz für Wirtschaftsthemen als Redakteurin bei den VDI-Nachrichten in Düsseldorf, was sich bei ihr als Kommunikationschefin beim Arbeitgeberverband Hessenchemie noch vertiefte. In der Freizeit streift sie am liebsten durch Wald, Feld und Flur.

 

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