Wer eine Ausbildung im gewerblich-technischen Bereich gemacht hat, den packt vielleicht nach einigen Jahren im Beruf die Lust sich weiterzubilden. In über 60 Fachrichtungen kann die Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker absolviert werden. Doch Lust allein reicht nicht aus. Um sich der Herausforderung zu stellen, sollte man zunächst einige wichtige Fragen für sich beantworten.

Was macht ein staatlich geprüfter Techniker?

Es gibt nicht „den“ einen Techniker. Ein Techniker kann viele Einsatzgebiete haben. Die Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker oder Technikerin kann deshalb in mehr als 60 Fachrichtungen absolviert werden. Je nach gewähltem Schwerpunkt ergeben sich rund 140 verschiedene Spezialisierungen. Staatlich geprüfte Techniker sind qualifizierte Fachkräfte im gewerblich-technischen Bereich. Schwerpunkte liegen etwa im Maschinenbau, der Elektrotechnik, Chemie- und Biotechnik, Bautechnik oder aber auch im Bereich Qualitätsmanagement und Rechnungswesen. Der Abschluss qualifiziert einen Techniker dazu, eine leitende Rolle im Unternehmen zu übernehmen. Er ist beispielsweise dafür verantwortlich, Arbeitsabläufe zu koordinieren und für einen reibungslosen Ablauf in der Produktion und Fertigung zu sorgen.

Je nach Größe des Unternehmens übernehmen Techniker auch oft Personalverantwortung als Team- oder Abteilungsleiter. So verbinden sich im Aufgabenbereich eines Technikers technische und betriebswirtschaftliche Aspekte miteinander.

Wo liegt der Unterschied zwischen „staatlich geprüft“ und „staatlich anerkannt“?

Bei der Weiterbildung zum „staatlich geprüften“ Techniker liegt eine Ausbildungs- und Prüfungsordnung vor, die vom Staat konzipiert ist. Danach wird der Teilnehmende ausgebildet und geprüft. Für den „staatlich anerkannten“ Techniker wurde die Ausbildungs- und Prüfungsordnung vom jeweiligen Anbieter, wie zum Beispiel einer Fachschule, erstellt. Die ist von der zuständigen Schulaufsichtsbehörde genehmigt. Damit ist der Abschluss anerkannt, nicht aber staatlich geprüft. Die Abschlüsse sind grundsätzlich gleichwertig, jedoch haben staatlich geprüfte Techniker oft bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Wer kann staatlich geprüfter Techniker werden?

Jeder, der eine abgeschlossene Ausbildung in einem anerkannten (technischen) Ausbildungsberuf wie zum Beispiel Elektroniker, Mechatroniker, Chemielaborant und so weiter gemacht hat, kann eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker machen. Zusätzlich muss man mindestens ein Jahr Berufspraxis mitbringen.

Kann mich mein Arbeitgeber unterstützen?

Der Arbeitgeber kann seine Mitarbeitenden bei ihrer Weiterbildung durchaus unterstützen. Eine Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) von Juni 2023 zeigt, dass eine höhere Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viele Vorteile für das Unternehmen mitbringt: „Sie können aus der eigenen Belegschaft auf Top-Niveau weitergebildete Fach- und Führungskräfte entwickeln, die mehr Verantwortung übernehmen können und wollen“, sagt DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks.

Es ist also ratsam, mit seinem Arbeitgeber über die Weiterbildungspläne zu sprechen. So kann man nicht nur erfahren, ob man nach der Weiterbildung Aufstiegschancen im Betrieb hat, sondern auch, ob der Arbeitgeber die Weiterbildung finanziell unterstützen kann. Neben der Übernahme von anfallenden Kosten kann der Arbeitergeber auch weiterhelfen, indem er beispielsweise eine Freistellung für eine anstehende Prüfung oder einen Lehrgang ermöglicht.

Auf welchen Weg kann man die Weiterbildung machen?

Die Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker oder Technikerin kann an einer staatlich anerkannten Technikerschule absolviert werden. Je nach Modell kann die Weiterbildung in Vollzeit zwei Jahre dauern, in Teilzeit vier Jahre. Zusätzlich kann zwischen einer Präsenz- und Online-Variante gewählt werden.

Entsprechend der Ausrichtung der Weiterbildung unterscheidet sich das Angebot der Bundesländer. Statt insgesamt rund 60 Fachrichtungen bieten die meisten Bundesländer nur eine Handvoll an. Deshalb kann sich die Ausrichtung der Technikerschule ebenfalls auf einige wenige Fachrichtungen beschränken.

Was kostet die Weiterbildung?

Die Kosten der Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker unterscheiden sich je nach Fachrichtung und Anbieter. Man kann mit circa 7.000 bis 10.000 Euro rechnen. Ein Beispiel: Beim Fernstudium-Anbieter Institut für Lernsysteme (ILS) kostet die Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker in der Fachrichtung Fahrzeugtechnik circa 7.500 Euro. Zum staatlich geprüften Chemietechniker sind es circa 8.100 Euro. Bei der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK) belaufen sich die Kosten für die Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker in der Fachrichtung Maschinentechnik auf circa 7.100 Euro. Aber keine Panik: In aller Regel muss man die Weiterbildungskosten nicht allein tragen. Es gibt einige Fördermöglichkeiten wie beispielsweise das Aufstiegs-Bafög. Wie das funktioniert, lesen Sie auf aktiv-online.de.

Lohnt sich der Aufwand?

Aber klar! Für die DIHK-Studie wurden 20.000 Absolventinnen und Absolventen von Weiterbildungen der Industrie- und Handelskammer (IHK) befragt, es zeigt sich: Rund 81 Prozent berichten von positiven Auswirkungen auf ihre berufliche Entwicklung. 58 Prozent verdienen mehr Geld als vorher. Und rund 57 Prozent übernehmen nach ihrer Weiterbildung mehr Verantwortung in ihrem Job.

Laut Dercks, dem DIHK-Hauptgeschäftsführer, fallen die positiven Auswirkungen einer Weiterbildung nicht nur in den beruflichen Bereich: „93 Prozent der Absolventinnen und Absolventen sagen, dass sich die Weiterbildung positiv auf ihre persönliche Entwicklung ausgewirkt hat – sei es, dass sie ihren Blickwinkel erweitert oder sie mehr Souveränität gewonnen haben. Diese persönlichen Benefits nach einer solchen Weiterbildung fallen noch stärker aus als die rein beruflichen Auswirkungen.“