Der Unternehmer Klaus Murmann war ein echter Macher. 1969 erwarb er von seinem Vater die Lizenzrechte und den Namen der Firma Sauer & Sohn Getriebe, kaufte ein 172.000 Quadratmeter großes Grundstück in Neumünster und ließ dort ein Werk errichten, um Mobilhydraulik für Landwirtschafts-, Gelände- und Baufahrzeuge zu produzieren. Das Konzept ging auf, der Betrieb wuchs stetig und zählt heute – 50 Jahre nach dem Baustart – zu den Weltmarktführern in seinem Bereich.

Dass die geplante Jubiläumsfeier 2020 ausfallen musste, war der Corona-Pandemie geschuldet, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben – in absehbarer Zeit soll es einen Nachholtermin geben, sobald die Situation es zulässt.

Größte Einzelinvestition seit der Werkgründung

Und zu feiern gibt es in der Tat einiges, denn das Unternehmen, das heute Danfoss Power Solutions heißt, steht besser da denn je. Es gehört mit rund 850 Beschäftigten am Standort zu den größten Arbeitgebern der Region und ist im Hydrostatik-Bereich des Danfoss-Konzerns eines der Kompetenzzentren für „High-Power-Produkte“.

Damit das auch so bleibt, wird kräftig investiert. Geschäftsführer Thomas Beeker: „Stillstand ist nicht das, was wir wollen. Wir haben den Standort Neumünster in den vergangenen Jahren konsequent ausgebaut und werden das auch weiter tun. Derzeit arbeiten wir an einer neuen Lackieranlage, die rund 7,5 Millionen Euro kosten wird – die größte Einzelinvestition am Standort seit Gründung des Werks.“

Projektleitung für 25-jährigen Wirtschaftsingenieur

Eine mutige Entscheidung in Zeiten wie diesen, und auch die personelle Entscheidung hinsichtlich der Projektleitung ist erst mal überraschend: Sie ging an einen jungen Wirtschaftsingenieur, der geboren wurde, als Geschäftsführer Thomas Beeker nach seinem Maschinenbaustudium bei Danfoss anfing: vor rund 25 Jahren.

Danfoss Power Solutions zählt mit rund 850 Beschäftigten zu den wichtigsten Arbeitgebern in Neumünster

Jacco Hansen lacht, wenn man ihn darauf anspricht, aber es ist ein sehr sympathisches Lachen. Und die Dinge relativieren sich schnell, wenn man erfährt, dass Hansen den Betrieb schon ziemlich lange kennt. Er war bereits als Schüler-Praktikant im Unternehmen und ging nach dem Abitur sofort zu Danfoss, um dort ein duales Studium zu absolvieren. Möglich machte das eine Kooperation mit der Nordakademie in Elmshorn, mit der Danfoss seit langer Zeit zusammenarbeitet.

Proaktiv gegen den Fachkräftemangel

Das Thema Ausbildung hat ohnehin einen hohen Stellenwert bei Danfoss. Standortleiter Dirk Mettjes: „Wir agieren proaktiv gegen den Fachkräftemangel und setzen dabei auf eine gesunde Mischung – eigene Azubis und gute Leute von außerhalb. Das hat sich bewährt.“

Und offenbar macht die Ausbildungsabteilung einen guten Job, denn die Bilanz der vergangenen Jahre ist beeindruckend. Jan Widderich, einer der Ausbildungsleiter: „Seit 1976 haben wir mehr als 400 junge Fachkräfte ausgebildet, und 70 davon konnten ihre Ausbildung wegen guter Leistungen vorzeitig beenden. Außerdem gab es zahlreiche Azubis, die nach der Abschlussprüfung als Beste ihres Jahrgangs ausgezeichnet wurden. Viele sind bei uns geblieben.“

Austausch mit Werken im Ausland

Ein großer Vorteil bei der Ausbildung ist die hohe Internationalisierung von Danfoss Power Solutions, die auch mit der dänischen Mutter zu tun hat. Die Danfoss-Gruppe, die annähernd 28.000 Mitarbeiter beschäftigt, hat über 72 Standorte in aller Welt und Kunden in mehr als 100 Ländern.

Für die Beschäftigten aus Neumünster bringt der Austausch mit den internationalen Standorten viele Vorteile. Dirk Mettjes: „Internationalisierung ist bei uns nicht auf die oberen Hierarchie-Ebenen beschränkt. Die meisten unserer Mitarbeiter sprechen Englisch, und viele sind bereits in unserem Schwesterwerk in den USA gewesen.“

Eine Pumpe hat 250 bis 300 Bauteile

Umgekehrt gilt das Gleiche; in regelmäßigen Abständen sind Kollegen aus Amerika zu Besuch, um sich die Produktion in Neumünster anzuschauen. Beeker: „Unsere hydraulischen Produkte sind äußerst komplexe Konstruktionen. Eine Pumpe hat 250 bis 300 Bauteile, auch wenn man es ihr von außen nicht unbedingt ansieht.“

Sein Kollege Mettjes ergänzt: „Die meisten unserer Antriebs-, Arbeits- und Steuerungssysteme sind in Nutzfahrzeugen wie Forstmaschinen, Geländestaplern und Traktoren verbaut, die oft tonnenschwere Lasten heben und bei Wind und Wetter eingesetzt werden. Es geht also darum, eine maximale Zuverlässigkeit zu gewährleisten. Daher wird jedes einzelne Produkt, bevor es unsere Hallen verlässt, eingehend geprüft.“

Hohe Flexibilität, kurze Einarbeitungszeiten

Das geschieht auf großen Prüfständen, die alle maßgeschneiderte Spezialanfertigungen aus dem benachbarten Unternehmen Feldmann sind. Auch die Montagelinien sind eigens für Danfoss gebaut; sie unterstützen die Beschäftigten beim Zusammenbau der einzelnen Teile und leiten sie Schritt für Schritt durch den Prozess.

Das erleichtert die Produktion und verschafft dem Unternehmen eine erhebliche Flexibilität, da lange Einarbeitungszeiten nicht mehr erforderlich sind. Zugleich hilft es dabei, die Ausschussquote weiterhin extrem niedrig zu halten.

Hydrostatische Antriebe werden nicht überflüssig

Und wie schätzen die Danfoss-Manager die Effekte durch den allgemeinen Trend zur Elektromobilität ein? Wird das Auswirkungen aufs eigene Geschäft haben?

„Ja“, sagt Dirk Mettjes, „der Trend geht in Richtung E-Mobilität und energieeffiziente Off-Highway-Lösungen. In der Elektrohydraulik – hydraulisch und elektrisch – werden hydrostatische Antriebe weiterhin eine wichtige Rolle spielen, denn dort, wo sie Einsatz finden, sind sie genau die richtige Lösung.“