Ingolstadt. Autodesign. Wie geht das eigentlich? Wie entsteht aus einer Idee und ersten Skizzen ein Modell? Und wie wird am Ende daraus ein echtes Fahrzeug, das in Serie geht und auf der Straße fährt?

Der Mittelständler MT Technologies spielt da eine entscheidende Rolle. Die traditionsreiche Firma aus Oberbayern gibt Automobilen ihre Form, innen wie außen. Das Unternehmen ist Partner aller großen deutschen Autohersteller, seit Jahrzehnten schon. Im firmeneigenen Design-Center am Hauptsitz Ingolstadt werden die Ideen für die Mobilität von morgen lebendig.

Alles ist natürlich streng geheim, findet hinter sorgsam verschlossenen Türen statt. Keine der kühnen Ideen darf vor der Präsentation eines neuen Fahrzeugs nach draußen dringen. Darauf vertrauen die Kunden. Ein klein wenig durfte sich aktiv dennoch am Standort umsehen – und traf dazu Michael Mißlbeck. Er führt das Familienunternehmen mit 400 Mitarbeitenden in vierter Generation.

Im modernen Maschinenpark ist alles mit „Touch“ und vernetzt

Mißlbeck trat zur Jahrtausendwende mit damals Anfang 30 ins elterliche Unternehmen ein. Er trägt denselben Vornamen wie der Firmengründer, Urgroßvater Michael. Der startete vor mehr als 150 Jahren mit einer Drechslerei (man fertigte unter anderem Treppengeländer!). Doch diese Zeiten sind längst vorbei. In den 1950ern folgte der Schwenk zum Automobil.

Heute ist das Unternehmen spezialisiert auf Design- und Modellbau sowie den Formen- und Werkzeugbau. Zudem fertigt es etwa Innenverkleidungen, Mittelkonsolen sowie Türverkleidungen in Serie. „Wir haben hier alles unter einem Dach“, erklärt Mißlbeck.

Nicht jammern, sondern machen: Das ist seine Devise. Denn MT Technologies steckt – wie viele Unternehmen – mitten in der Transformation. Für Mißlbeck geht es nicht um den Wechsel der Antriebstechnologie. „Wir stellen hier ja keine Zulieferteile für den Verbrenner her“, so der Firmenchef. Dennoch ändert sich gerade viel, vor allem im Modell- und Formenbau, die vom Volumen her die größten Geschäftsbereiche des Unternehmens sind.

Mit welchem Tempo und in welchen Dimensionen das vonstattengeht, zeigt er beim Rundgang durch das Werk. Im Werkzeugbau kann einem fast schwindelig werden. Riesenmaschinen stehen da, manche wurden gerade erst ausgepackt. Senk-Erodiermaschine, 5-Achs-Fräsmaschine – alles mit Touchscreen, vernetzt, automatisiert. 15 Millionen Euro nahm die Firma in die Hand. Mit dem Investment machte Mißlbeck den Maschinenpark fit für die Zukunft. Er denkt dabei an Standortsicherung. Das sieht auch MT-Mutter Ayala so. Seit fünf Jahren gehört die bayerische Firma zu dem philippinischen Konzern.

„Es geht um Effizienz, Schnelligkeit, Qualität“, so CEO Mißlbeck. Preisdruck und Wettbewerb in der Branche seien hart. „Doch mit unserem Maschinenpark bewegen wir uns jetzt auf ganz hohem Niveau.“

„Ein Fahrzeug muss man einfach fühlen“

Und im Modellbau? Auch da tut sich viel, Stichwort Digitalisierung. „Man muss heutzutage sowohl physische Verfahren als auch das Design am Computer beherrschen“, so Mißlbeck. Seine Werkstätten decken beides ab.

Trotz neuer Möglichkeiten durch virtuelle Realität: Der Modellbau, der handwerkliches Können, Kreativität und Präzision vereint, wird aus seiner Sicht nie ganz verschwinden. Aus dem einfachen Grund, so Mißlbeck, „weil man ein Auto einfach anfassen muss“. Noch immer stehe Haptik vorn, wenn Automobilvorstände über eine neue Serie entscheiden. Nur wer am „echten“ Modell mit der Hand über die Motorhaube und die Chromteile im Innenraum streicht, kann fühlen, ob alles stimmig ist.

„Nichts ersetzt das Gefühl, in der Realität vor einem Modell zu stehen“, betont Mißlbeck. Das gilt bereits in den frühen Stadien des Designs. So helfen bei der Suche nach der perfekten Form nach wie vor die braunen Clay-Modelle aus Industrie-Plastilin. Schicht für Schicht und mit Gefühl wird das formbare Material auf- und abgetragen, bis alles passt.

Allerdings, eines ändert sich. Durch E-Mobilität definiere sich ein Auto heute anders, so Mißlbeck. „Während man früher auf PS und Hubraum schaute, zählen heute eher Software-Ausstattung und Interieur.“ Das spielt ihm in die Hände: „Interieur ist unser Steckenpferd.“