„Gesünder essen“ ist einer der häufigsten Vorsätze der Menschen zum neuen Jahr. Pfiffige Produkte und Maschinen aus Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie helfen bei der Herstellung von Nahrungsmitteln und diversen Verpackungen. Im Freistaat Bayern finden sich mehr als 1.000 Lebensmittelbetriebe mit mehr als 20 Beschäftigten, aktivstellt ausgewählte Beispiele vor.

Milchhaltiges: Molkereiprodukte und andere Köstlichkeiten

Bayern ist Milchland, mit einer Vielfalt an Erzeugnissen: Nicht nur Joghurt, Butter und Dickmilch werden hier produziert, sondern auch reichlich Käse. Vom Allgäuer Emmentaler bis zum „Weißlacker“ (ein Bierkäse) werden über 400 Sorten in den Molkereien hergestellt. Der Freistaat deckt damit rund 40 Prozent des Gesamtbedarfs der Deutschen an Käse und ist zudem einer der größten Käseproduzenten und -exporteure der Welt.

Das Unternehmen Alpma Alpenland Maschinenbau aus Rott am Inn in Oberbayern ist Spezialist für Maschinen und Produktionslinien für die Käserei- und Lebensmittel-Industrie. Es bietet Produkte für die komplette Produktionskette von der Aufbereitung von Milch und Molke bis zum Formen sowie Anlagen zu deren Reinigung. Dazu kommt Technik zu Portionierung, Schnitt und Verpackung der Käsesorten.

Alpma ist eine wichtige Größe in der Branche, 80 Prozent des weltweit hergestellten Brie und Camemberts werden mit Maschinen von Alpma umhüllt. Die Firma entwickelt mit Kunden auch Technologien zur Herstellung pflanzlicher Lebensmittel, etwa Tofu – ein Quark aus Sojabohnen. Ein Portioniergerät schneidet das eiweißreiche Lebensmittel in gleich große Stücke. Der Alpma-Kuvertierroboter legt die Stücke automatisch in die Verpackungsmaschine ein. 

Käsereianlagen sind einer der beiden Geschäftsbereiche der Franz Müller GmbH in Pfaffenhausen. Das mittelständische Unternehmen aus dem Allgäu hat sich neben Blechbearbeitung auf den Bau und die Projektierung von Sondermaschinen, vor allem für die Käserei- und Molkerei-Industrie, spezialisiert. Es stellt unter anderem Salzbadanlagen, Pressen, Wende- sowie Schwingtischsysteme her – sie lösen verkantete Käsestücke aus der Form, sodass sie richtig reifen können. Dazu kommen Großblock-Käseformen und Etagenpressen mit bis zu fünf übereinander gebauten Ebenen.

Innovative Maschinen- und Anlagentechnik für Lebensmittel kommt auch vom inhabergeführten Unternehmen Netzsch in Selb, seit 150 Jahren! Pumpen zum Fördern, Mischen und Emulgieren stehen im Zentrum. Sie sorgen etwa dafür, dass Joghurt cremig wird. Lecker: Analysegeräte liefern die nötigen Messdaten, damit Gummibärchen in der Tüte nicht verkleben, Kekse nicht zerbröseln. Mahlen und Mischen (genauer: Dispergieren) sind ebenso wichtige Verfahren. Zum Beispiel in Zukunftsfeldern wie der Nanotechnologie – oder damit Milchschokolade auf der Zunge zergeht.

Gebackenes: Semmeln, Brezn und alles aus Teig

Brot gehört in Deutschland zur Kultur. Mehr als 3.000 unterschiedliche Sorten listet das Deutsche Brotregister. Und es ist buchstäblich in aller Munde: Knapp 98 Prozent aller Deutschen kauften 2022 zumindest einmal Brot. Zählt man Brot, Semmeln und anderes Kleingebäck zusammen, verzehrt jeder Deutsche im Schnitt weit über 80 Kilo im Jahr. Großbetriebe backen etwa zwei Drittel der Brotmenge, traditionelle Handwerksbetriebe liefern etwa ein Drittel. In Bayern gibt es davon noch etwa 2.100 Stück.

Dass zum Sonntagsfrühstück frische Brötchen auf den Tisch kommen, dafür sorgt etwa der Bäckereimaschinenhersteller Fortuna aus dem oberfränkischen Bad Staffelstein. Die leistungsstarken Maschinen produzieren bis zu 30.000 Teiglinge pro Stunde – etwa für Semmeln, aber auch für kleine Pizzaböden, Mini-Baguettes oder Hamburger. Weitere Anlagen der Firma formen die Brötchen und gären sie vor. Sowohl kleine Handwerksbetriebe als auch Großbäckereien setzen Anlagen von Fortuna ein.

Perfekt gerundete Croissants oder Brezn mit echten Knoten: Diesen Knick haben die Anlagen des unterfränkischen Bäckereimaschinenherstellers Fritsch raus. Für beinahe jedes erdenkliche Gebäckstück findet sich bei Fritsch die passende, auch automatisierte, Lösung: Brotlaibe, Hefeschnecken, Plunderteilchen, Semmeln, Brezn, aber auch Pitabrote, indisches Naan und Wraps.

Backen, kochen, grillen: Bei der Lebensmittelverarbeitung kommt es oft auf die richtige Temperatur an. Dabei kommt auch Porenbrenntechnologie der Nürnberger Firma Promeos zum Einsatz. Das Besondere: Die Brenner heizen ohne sichtbare Gasflammen, verbrauchen dadurch weniger Energie. Eingesetzt wird die Brenntechnik etwa bei Babynahrung, Tierfutter oder Gebäck der Firma Bahlsen. Aber auch andere Industriezweige wie Gießereien, Papier- oder Glashersteller nutzen sie.

Mehl und Zucker sind die wichtigsten Zutaten bei feinem Gebäck. Mehr als acht Millionen Tonnen Getreide stecken in unseren Nahrungsmitteln. Sowohl Zucker als auch Getreide lagern in großen Silos. Wie viel noch drin ist, erfassen spezielle Füllstandsmesser etwa vom Messgerätehersteller UWTaus Betzigau.

Flüssiges: Biere, Säfte und andere Durstlöscher

Der Freistaat hat mit 631  Braustätten die meisten Sudhäuser der Repu­blik, so der Bayerische Brauerbund. Auf 20.700 Einwohner kommt eine „Braustätte“ (der statistische Begriff für den Ort der Bierproduktion). Aus Wasser, Hopfen, Malz und Hefe wurden 2022 dort rund 24   Millionen Hektoliter Bier hergestellt. Dazu kommen 2,1  Millionen Hektoliter „Alkoholfreies“ – ein Zuwachs von fast 10 Prozent. Da ist viel Brauereitechnik im Einsatz. Auch für Schorlen, Mineralwasser oder Fruchtsäfte braucht es Anlagen zum Aufbereiten, Mixen, Abfüllen et cetera.

Brau-, Mälz- und Destillieranlagen stellt etwa Kaspar Schulz in Bamberg her, nach eigenen Angaben älteste Brauereimaschinenfabrik der Welt (gegründet 1677). Sie fertigt vollautomatisierte Anlagen, rüstet auch kleine Craft-Bier-Brauereien mit den polierten Kupfer- und Edelstahlkesseln aus. Zudem wurde eine eigene Anlage entwickelt, die mit vakuumbasierter Verdampfung alkoholfreies Bier produziert. Die Systeme zur Vermälzung von Getreide nutzen zudem Müller, Bäcker sowie Whisky-Destillerien.

Zum Befüllen und Entleeren von Tanks, Behältern und Fässern dienen die Komponenten und Systeme von Samoa Flowtech in Marktheidenfeld. Das Unternehmen stellt unter anderem Pumpen zum Dosieren, Sprühen, Um- und Abpumpen sowie Verteilen einer Vielzahl von Flüssigkeiten her. Die Kunden des Unternehmens kommen auch aus anderen Branchen wie Chemie, Druck oder Metallverarbeitung.

Ob beim Brauen, der Herstellung von Tierfutter, Babynahrung, Teigwaren oder Zucker: Pumpen- und Armaturen von KSBmit Werk im fränkischen Pegnitz kommen ebenfalls in der Lebensmittel- und Getränke-Industrie zum Einsatz. Heißt es „Plopp, zisch – aaaah“, hat die „Etachrom“ mitgemischt. Die Pumpe sorgt an mehreren Stellen im Brauprozess für Kühlung. Noch mehr KSB-Technik findet sich im Sudhaus, Gär- und Filterkeller sowie in Abfüllanlagen oder der Reinigung.

Sensoren und Messtechnik für die Getränke-Industrie kommen von Anderson-Negele in Egg an der Günz: Sie ermitteln Füllstand, Trübung und Durchfluss, etwa in der Produktion von Saft und Wein.

Leckerer Apfelsaft entsteht in großem Stil mit Trenntechnik von Flottweg aus Vilsbiburg. Die Bandpressen zur Entsaftung haben einen hohen Durchsatz und können so große Mengen problemlos verarbeiten.

Fertiges: Aus dem Regal in die Einkaufstasche

Alles sauber und gut verpackt. So kauft man Lebensmittel gerne ein. Auch dafür braucht es Technik, auf die sich M+E-Unternehmen in Bayern spezialisiert haben.

Frische Eier müssen in der Europäischen Union einen Stempel tragen. Das garantiert verlässliche Rückverfolgbarkeit. MFG Technik und Service in Kranzberg stellt Codiermaschinen her, die Eiertinte wird direkt auf die Schale aufgebracht. Dazu kommen Codierlösungen für Brottüten, Kuchenkartons und Tiefkühlprodukte. Avocados und Walnüsse lassen sich ebenfalls mit Lasertechnologie bedrucken, ebenso Glas, Folien, Holz oder Metall. Selbst Orangen kennzeichnet man mit Tinte, natürlich lebensmittelecht!

Was wir im Laden an Essen kaufen, muss stabil, geruchs- sowie keimfrei verpackt sein. Eine Möglichkeit sind Weißblech-Dosen, wie sie das Familienunternehmen Julius Kleemann in Karlstein am Main herstellt. Highlight im Portfolio der Firma ist allerdings ein Behältnis für Flüssiges, das form- und druckstabile Fünf-Liter-Partyfass, ein Zapfhahn ist integriert.

Fremdkörper in Nudeln? So was will niemand haben. Genau dafür sind die Systeme von Sesotec in Schönberg gemacht. Die Firma ist Spezialistin für Fremdkörperdetektion. Denn was man isst, darf die Gesundheit nicht gefährden. Niemand will schließlich auf Metallteilen herumkauen, wenn er morgens sein Müsli löffelt.

Tun sich Ingenieure und Gourmets zusammen, kommt ein „New-Meat Printer“ heraus. Der Fleischdrucker arbeitet mit Dosiertechnologie von Viscotec in Töging am Inn, um Fleisch nachzubilden, das sich in Biss und Geschmack kaum von Rindfleisch unterscheidet: Steak ohne Tier. Die Firma stellt Systeme zum Dosieren, Abfüllen und zur Entnahme von vielerlei Lebensmitteln her, etwa Ketchup, Marmelade oder Brotaufstrich. Die Dosiertechnik wird zudem in Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik oder in der Elektronikfertigung eingesetzt.

Friederike Storz
aktiv-Redakteurin

Friederike Storz berichtet für aktiv aus München über Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie. Die ausgebildete Redakteurin hat nach dem Volontariat Wirtschaftsgeografie studiert und kam vom „Berliner Tagesspiegel“ und „Handelsblatt“ zu aktiv. Sie begeistert sich für Natur und Technik, Nachhaltigkeit sowie gesellschaftspolitische Themen. Privat liebt sie Veggie-Küche und Outdoor-Abenteuer in Bergstiefeln, Kletterschuhen oder auf Tourenski.

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