Ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) auf Honig oder Tee, Nudeln oder Reis? Das ist völlig sinnfrei, wie Bundesagrarminister Cem Özdemir bei einem Treffen mit seinen EU-Amtskollegen in Luxemburg betonte. Er forderte, was Verbraucherschützer schon lange anmahnen: das MHD für solche sehr lange haltbaren Lebensmittel abzuschaffen. 

Ob die EU sich da bald zu neuen Regelungen durchringt? Helfen würde es. Denn das von vielen überschätzte MHD trägt mit dazu bei, dass Lebensmittel im Abfall landen, obwohl sie noch genießbar sind. Etwa 78 Kilo pro Kopf und Jahr werfen die Bundesbürger weg, so die amtliche Statistik. Oft unnötigerweise! 86 Prozent der Haushalte entsorgen Lebensmittel, die bei besserer Planung noch verwertbar gewesen wären. 

 Erst Vorräte checken, dann einkaufen 

Weniger Verschwendung wäre besser. Und ist recht einfach zu erreichen. Die Veränderung im Kopf sollte vor dem Einkauf beginnen, wie Frank Waskow von der Verbraucherzentrale NRW klar macht. „Eine Hauptursache dafür, dass wir Lebensmittel wegschmeißen, ist der Kauf von Dingen, die wir eigentlich noch zu Hause haben! Besseres Haushaltsmanagement ist hier das Stichwort: Spontane Einkäufe führen oft zu Fehlkäufen.“ 

 86 Prozent der Haushalte entsorgen Lebensmittel, die bei besserer Planung noch verwertbar gewesen wären“ 

Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Ein anderer Grund fürs unnötige Wegwerfen ist, dass Lebensmittel nach dem Kauf verderben oder verschimmeln – oft wegen falscher Behandlung. Möhren zum Beispiel sollten vor der Lagerung im Kühlschrank nicht gewaschen werden, weil sie dann braun werden. Verpackungen sollte man direkt entfernen, etwa bei Radieschen und Kohlrabi. In einem modernen Kühlschrank kann man sich die unterschiedlichen Temperaturzonen zunutze machen. Ganz oben sind die wärmsten Fächer: Dort gehört etwa angebrochene Marmelade hin. In der Mitte sind Milch und Käse gut aufgehoben. Darunter, wo es am kühlsten ist, sollten Fleisch, Wurst und Fisch aufbewahrt werden. Salat und Co. gehören ins Gemüsefach.

Wichtig für die richtige Lagerung ist auch die „Nachbarschaft“: Manche Lebensmittel wie Birnen, Äpfel und Tomaten scheiden das Gas Ethylen aus, das anderes Obst und Gemüse schneller reifen lässt – Auberginen etwa sind da sehr empfindlich. Diese und viele weitere praktischen Tipps kann man kostenlos nachlesen: in der Broschüre „Lagerungs-ABC – Von A wie Apfel bis Z wie Zwiebel“ (Link zum direkten Download). 

Mit Essensresten clever umgehen 

Ein weiteres Problem sind die scheinbar unbrauchbaren Reste auf dem Teller und im Topf. Waskow bemängelt das oft fehlende Know-how über sinnvolle Resteverwertung: „Gerichte wie der Arme Ritter oder auch die Pizza sind so entstanden – aus Resten! Solche Gerichte lassen sich in allen europäischen Kulturen finden, auch in der deutschen, das ist aber ein Stück weit verloren gegangen. Auch, weil Kinder und Jugendliche nicht mehr so systematisch wie früher an das Kochen herangeführt werden. Weder in der Schule noch zu Hause, da entsteht eine riesige Wissenslücke.“ 

Bei einer besseren Resteverwertung kann auch die amtliche App „Zu gut für die Tonne“ helfen. Dort werden einfach die übrig geblieben Zutaten eingetragen, dann wird ein passendes Rezept vorgeschlagen. Bei ähnlichen Apps zum Beispiel von Supermarktketten mahnt Waskow zur Vorsicht, denn: „Dort werden auf der digitalen Einkaufsliste schnell auch Angebote platziert, die dann wieder zu überflüssigen Einkäufen verleiten.“ 

Übrigens: Wer auch außerhalb des eigenen Haushalts etwas gegen Lebensmittelverschwendung unternehmen möchte, kann bei Initiativen wie „Foodsharing“ mitmachen. Die ehrenamtlichen „Foodsaver“ (Lebensmittel-Retter) holen aussortierte oder übrig gebliebene Lebensmittel bei kooperierenden Unternehmen ab und verteilen sie gratis an gemeinnützige Einrichtungen oder örtliche Auslagestellen, sogenannte „Fair-Teiler“. 

„Es sind unsere Entscheidungen, die Verschwendung vermeiden können"

Das Thünen-Institut in Braunschweig untersucht laufend, was und vor allem wie viele Lebensmittel die Bundesbürger unnötigerweise wegschmeißen. „Wir sehen in vielen Studien, dass in den Industrienationen eine Hauptverantwortlichkeit bei den Verbrauchern selbst liegt“, betont Thomas Schmidt, Wissenschaftler am Institut. „Dabei geht es nicht nur darum, wie viel wir in unserer eigenen Küche wegwerfen.

Es geht um den Einfluss unserer Entscheidungen, die wir beim Einkaufen oder auch im Restaurant treffen. Wir entscheiden ja, ob wir nur die schönsten Möhren kaufen oder wie viel wir auf dem Teller zurückgehen lassen.“ Immerhin: „Dadurch, dass die Mülltrennung in Deutschland eine so große Rolle spielt, stehen wir im internationalen Vergleich mit anderen Industrienationen ganz gut da. Lebensmittelabfälle aus dem Bio-Müll erfüllen als Tierfutter oder durch die Kompostierung und Vergärung einen neuen Zweck.“