München. Zwar ist die Lage zum Jahresausklang bei der überwiegenden Zahl der bayerischen Metall- und Elektro-Unternehmen (M+E) stabil. Doch ihre Erwartungen für das erste Halbjahr 2023 sind pessimistisch. Denn die Unsicherheiten bleiben groß. Das ergab die Konjunktur-Umfrage der bayerischen M+E-Arbeitgeberverbände bayme vbm Mitte Dezember.

Daraus geht hervor: Der Krisen-Cocktail der letzten Monate aus hohen Energiekosten, Materialmangel, Lieferkettenproblemen und möglicher Gasmangellage hat sich negativ auf den Industriestandort Bayern ausgewirkt. Entsprechend gehen die Firmen von einer negativen Geschäftslage aus. Denn viele der Unsicherheiten bleiben bestehen, zudem kühlt die Weltkonjunktur ab. Zeitgleich wird ein weiterer Faktor immer stärker zur Bremse für die Konjunktur, sagt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer von bayme vbm: „Der Arbeits- und Fachkräftemangel entwickelt sich zur Belastungsprobe und zum Wachstumshemmnis für unsere Industrie.“

Mit einem schnellen Ende des Materialmangels rechnet kaum einer

Ein Blick auf die Lage der Betriebe zeigt, wieso sie eher pessimistisch in die Zukunft schauen. Zwar freuen sich viele über einen noch hohen Auftragsbestand. Aber die Auftragseingänge sind zuletzt zurückgegangen. Gut 43 Prozent der Betriebe berichten, dass weniger Aufträge als gewöhnlich eingehen. Stornierungen nehmen zu, zudem kürzen oder verschieben Kunden ihre Aufträge.

Der Materialmangel bleibt weiter Thema. Zwar entspannt sich die Lage, doch nur eine von 20 Firmen rechnet damit, dass er noch im ersten Halbjahr 2023 ein Ende findet.

Die negative Erwartungshaltung überwiegt bei allen Branchen der M+E-Industrie, also bei Herstellern von Metallerzeugnissen sowie von elektrischen Ausrüstungen, bei Maschinenbau, Automotive und IT. Nur in der Elektronik-Industrie überwiegen noch leicht die Firmen, die positiv nach vorn blicken.

Bayerische Metall- und Elektro-Industrie will trotz Wirtschaftsflaute Personal aufbauen

Trotz der getrübten Aussichten halten die meisten Firmen daran fest, Personal aufzubauen. Etwa 10.000 neue Jobs sollen bis Jahresende entstehen. „Ob die Beschäftigungspläne wie geplant realisiert werden können, ist fraglich“, so Brossardt. Denn der Arbeitskräftemangel verschärft sich. Fast die Hälfte (47 Prozent) der Unternehmen sehen ihre Produktions- und Geschäftstätigkeit durch fehlende Arbeitskräfte als erheblich beeinträchtigt. Das ist auch einer der Gründe, warum die Unternehmen bereits im Krisenjahr 2022 in Summe mehr Personal auf- als abgebaut haben: Rund 15.000 Stellen haben sie bis Jahresende geschaffen.

Für Brossardt ist klar, dass auch die Politik helfen muss, um die Betriebe in der Krise zu stützen, etwa mit den richtigen Rahmenbedingungen. Auf gutem Weg seien neue Zuwanderungsregeln für Fachkräfte, aber auch Entlastungen: „Wir hoffen, dass die Strom- und Gaspreisbremsen wirken.“