Die Welt wird immer mobiler – dafür benötigt sie Reifen! Michelin, einer der größten Hersteller weltweit, will ab 2050 nur noch nachhaltige Pneus produzieren. Der Weg dorthin ist mühsam, aber am Ende soll die gesamte Produktion klimaneutral sein.

Schon lange messen alle 68 Produktionswerke der Michelin-Gruppe rund um den Globus ihren ökologischen Fußabdruck. Am Standort Karlsruhe haben zum Beispiel zahlreiche Energie- und Umweltprojekte schon heute zu einer Reduktion des Kohlendioxid-Ausstoßes um 82 Prozent im Vergleich zum Jahr 2010 geführt. „Die Michelin-Gruppe und unser Werk verfolgen eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie“, bekräftigt Werkdirektor Christian Metzger.

2025 soll der Standort klimaneutral sein

Eine der Maßnahmen ist die Elektrovulkanisation: Seit zwei Jahren werden die Pneus über energieeffiziente elektrische Pressen vulkanisiert. Dieser Prozess benötigt sechsmal weniger Energie als die frühere Methode mit Dampf und heißem Wasser. 2025 soll der Herstellungsprozess des Werks sogar CO2-neutral sein. Zudem spart das Werk kräftig Wasser, jährlich rund 100.000 Kubikmeter gegenüber 2021. Möglich macht’s ein geschlossener Wasserkreislauf, der das luftrückgekühlte Wasser wieder in den Produktionsprozess einspeist.

53.600 Quadratmeter Photovoltaik auf den Dächern

Den Strom für die Produktion der 1,1 Millionen Pneus, die in Karlsruhe jährlich vom Band laufen, liefert die Sonne: Fast alle Dächer am Standort sind mit Photovoltaik-Anlagen bedeckt, selbst die Carports auf dem Mitarbeiterparkplatz. Zusammen haben die Flächen (53.600 Quadratmeter) rund 2,3 Megawatt-Peak.

143 Joghurtbecher stecken in einem Reifen

Auch bei den Materialien tut sich viel. Allein in Karlsruhe entstehen pro Jahr 82.000 Tonnen Kautschukmischungen. Die Masse enthält immer häufiger biologisch hergestellte oder recycelte Materialien wie Naturkautschuk, Harze auf biologischer Basis oder recycelten Kunststoff. Dank eines Hightech-Recyclingverfahrens stecken zum Beispiel in manchen Pneus bis zu 143 Joghurtbecher und rund 12,5 PET-Flaschen. Und im Reifengürtel? Steckt recycelter Stahl!

Zudem sollen die Pneus noch länger halten: Laut ADAC erzeugen die Michelin-Reifen auf 40.000 zurückgelegten Kilometern pro Satz 3,8 Kilo Abrieb. Der Durchschnitt liegt bisher bei 4,8 Kilo. Erreichen Reifen das Ende ihrer Lebensdauer, will das Unternehmen daraus neuen Rohstoff gewinnen.

Wozu macht sich der Konzern die Mühe? „Nachhaltigkeit ist kein Selbstzweck, sondern Business-relevant“, sagt Maria Röttger, Präsidentin und CEO Michelin Europe North. „Ökonomie und Ökologie müssen im Einklang stehen – das erwarten auch unsere Kunden von uns. Wir gestalten die Mobilität nachhaltiger und richten sie an den Bedürfnissen der Zukunft und unserer Kunden aus: mit umweltfreundlicheren und vernetzten Reifen. Der zu 100 Prozent nachhaltige Reifen ist eine große Herausforderung für die Michelin-Gruppe. Das spornt uns an, neue Technologien zu entwickeln und auch unsere Arbeitsweise zu ändern.“

Sabine Latorre
Leiterin aktiv-Redaktion Rhein-Main

Dr. Sabine Latorre ist spezialisiert auf Themen aus der Chemie- und Pharma-Industrie. Sie liebt es, komplizierte Zusammenhänge einfach darzustellen – so schon vor ihrer Zeit bei aktiv als Lehrerin sowie als Redakteurin für die Uniklinik Heidelberg und bei „BILD“. Nebenbei schreibt sie naturwissenschaftliche Sachbücher für Kitas und Schulen. Privat reizen sie Reisen sowie handwerkliche und sportliche Herausforderungen.

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