Berlin. Fahranfänger haben bekanntlich ein erhöhtes Unfallrisiko und werden daher von der Kfz-Versicherung zunächst in eine besonders teure Schadensfreiheitsklasse eingestuft. Mit den Telematik-Tarifen können junge Leute daher oft viel Geld sparen. Auch ältere Fahrer profitieren davon – wenn sie vorsichtig unterwegs sind.

„Statt nur auf statistische Unfallwahrscheinlichkeiten wird die jährliche Prämie bei den Telematik-Tarifen auch auf das individuelle Risiko zugeschnitten“, erklärt Beate-Kathrin Bextermöller von der unabhängigen Stiftung Warentest. Heißt übersetzt: Wer sich im Straßenverkehr ordentlich verhält, zahlt mit so einem Tarif weniger.

Das persönliche Fahrverhalten wird bei einem Telematik-Tarif vom Versicherer getrackt und benotet

Dafür ermitteln die Versicherer das tatsächliche individuelle Fahrprofil mithilfe von GPS-Daten des Kunden-Smartphones oder im Auto installierten Telematik-Sensoren. Das persönliche Verhalten etwa beim Beschleunigen, beim Bremsen, in Kurven oder auch beim Einhalten von Tempolimits fließt in einen Punktestand ein. Je besser dieser Score ausfällt, desto größer ist der Rabatt am Jahresende.

Laut Stiftung Warentest reduziert sich der Beitrag so um maximal 30 bis 40 Prozent. Zwar werde die denkbare Bestbewertung meistens nicht erreicht, sagt Expertin Bextermöller. Eine jährliche Ersparnis von 100 bis 150 Euro im Vergleich zu Tarifen ohne Telematik sei aber durchaus realistisch, bei besonders vorsichtigem Fahrstil auch mehr. Und Strafzahlungen für besonders rüdes Fahren müsse kein Kunde befürchten.

Nur elf Versicherungen bieten derzeit Telematik-Policen an.

Quelle: Stiftung Warentest

Die Sache mit der Telematik stehe generell jedem Fahrer offen, erklärt Karin Benning, Sprecherin des Versicherers Huk-Coburg. Das Angebot richte sich aber besonders an Jüngere: „Das ist ein bisschen wie begleitetes Fahren, der Verkehr wird damit einfach sicherer.“ Insofern würden Fahrer und Versicherer gleichermaßen profitieren. Und das Angebot wird laut Benning gut angenommen: Allein bei diesem Versicherer nutzen rund 450.000 Kunden den Telematik-Tarif.

Was freilich auch daran liegen mag, dass längst nicht alle Versicherer diese Variante im Programm haben. Laut Stiftung Warentest bieten derzeit elf Unternehmen Telematik-Produkte für ihre Haftpflicht- und Kaskotarife an.

Vor Vertragsabschluss sollte man die Bewertungskriterien des Telematik-Tarifs prüfen

Die Stiftung rät, beim Vergleich der Anbieter auch die Bewertungskriterien zu prüfen. Je nach Versicherer beeinflusst nicht nur der Fahrstil den Score, es zählen auch häufig genutzte Straßentypen oder Fahrtzeiten: Wer oft auf Autobahnen fährt, verbessert seinen Punktestand – Fahrten in der Nacht hingegen bringen Abzug.

Übrigens: Wenn der Versicherer die GPS-Daten vom Smartphone nutzt und die App nicht ausgeschaltet ist, kann es passieren, dass auch Mitfahrten in fremden Autos den Score negativ beeinflussen – etwa der flotte Fahrstil eines Taxifahrers …

Tobias Christ
Autor

Nach seinem Germanistik-Studium in Siegen und Köln arbeitete Tobias Christ als Redakteur und Pauschalist bei Tageszeitungen wie der „Siegener Zeitung“ oder dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Derzeit schreibt er als freier Journalist Beiträge für Print- oder Onlinemedien. Für aktiv recherchiert er vor allem Ratgeberartikel, etwa rund um die Themen Mobilität und Arbeitsrecht. Privat wandert der Kölner gern oder treibt sich auf Oldtimermessen herum.  

 

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