Berlin. Ein Unfall oder eine Krankheit können schnell das Ende der Karriere bedeuten. Statistisch wird jeder Vierte im Lauf des Arbeitslebens berufsunfähig! Wer dann auf eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit (BU) zurückgreifen kann, hat zumindest finanziell weniger Sorgen.

Diese wichtige Police zahlt eine Rente, wenn der bisherige Job nicht mehr ausgeübt werden kann, und das meistens bis zum 67. Lebensjahr. „Es geht um Existenzen, die dadurch abgesichert werden“, erklärt Hansjörg Müllerleile, Geschäftsführer beim Versorgungswerk MetallRente, das selbst entsprechende Verträge anbietet. „Bereits mit Beginn der Berufsausbildung sollten sich junge Menschen um die Absicherung ihrer Arbeitskraft kümmern.“

Ein Drittel der hierzulande von Berufsunfähigkeit Betroffenen fällt wegen psychischer Leiden aus

„Wenn man sich nur auf die staatliche Absicherung verlässt, ist es bei Berufsunfähigkeit oftmals schwierig, nicht in Sozialhilfe zu rutschen“, so Müllerleile weiter. Nach einer Umfrage von MetallRente ist dies vielen jungen Menschen aber gar nicht bewusst: Knapp 60 Prozent der 14- bis 29-Jährigen machen sich da Illusionen.

Als berufsunfähig gilt in der Regel, wer seinen bisherigen Beruf mindestens zu 50 Prozent nicht mehr ausüben kann und das länger als sechs Monate. Wichtigster Grund sind laut Versicherungsverband GDV psychische Leiden: 2021 waren rund 30 Prozent aller Fälle darauf zurückzuführen.

Die Risiko- und Gesundheitsfragen im Antrag auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung muss man absolut ehrlich beantworten

„Es sind also nicht nur Menschen mit körperlich anspruchsvollen Berufen von BU betroffen“, betont Müllerleile, „wer im Büro arbeitet, ist ebenfalls gefährdet.“ Körperlich arbeitende Menschen zahlen jedoch wegen des größeren Verletzungsrisikos deutlich mehr für den Versicherungsschutz. Der monatliche Beitrag einer Berufsunfähigkeitsversicherung für einen 30-jährigen Metallbauer beträgt bei der MetallRente zum Beispiel gut 160 Euro, um im Fall des Falles eine BU-Rente von 1.500 Euro zu bekommen. Ein gleich alter Bürokaufmann muss dafür weniger als 70 Euro monatlich zahlen.

Die Prämie einer Berufsunfähigkeitsversicherung richtet sich natürlich auch nach der Höhe der Rente, die im BU-Fall gezahlt werden würde. Dazu sollte man sich unbedingt individuell beraten lassen. Ein ungesunder oder riskanter Lebensstil treibt die Kosten der Police zusätzlich in die Höhe. Hier muss man aber gnadenlos ehrlich sein: „Sie müssen alle Risiko- und Gesundheitsfragen im Antrag vollständig und wahrheitsgemäß beantworten“, warnt der Bund der Versicherten – sonst zahle der Versicherer am Ende womöglich nicht. Empfohlen wird, sich von einem unabhängigen Versicherungsberater helfen zu lassen. Dieser könne über eine anonyme Risiko-Voranfrage helfen, einen möglichst guten Versicherungsschutz zu finden.

Achtung: Die Vertragsbedingungen der Berufsunfähigkeitsversicherung sind je nach Anbieter sehr verschieden

Generell sollte man sich bei der Suche nach dem passenden Vertrag sehr gründlich informieren, da sich die Bedingungen der einzelnen Anbieter von Berufsunfähigkeitsversicherungen zum Teil erheblich unterscheiden. Etwa, wenn es um die „konkrete Verweisung“ geht: Verzichtet ein Anbieter ausdrücklich darauf, bekommt der BU-Betroffene eine Rente selbst dann, wenn er freiwillig einen anderen Job ausübt. Sinnvoll kann es auch sein, die Rentenhöhe nachträglich verändern zu dürfen, etwa nach der Geburt eines Kindes (das Stichwort heißt hier „Nachversicherungsgarantie“).

Viele weitere praktische Tipps zu der existenziell wichtigen Police und vor allem auch zum Kleingedruckten gibt der Bund der Versicherten in einem ausführlichen Merkblatt zur Berufsunfähigkeitsversicherung, das sich gratis downloaden lässt.

Alternative Policen, die das BU-Risiko halbwegs eingrenzen

Nicht jeder kann einfach so eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit (BU) abschließen: Das mag einfach am nötigen Geld scheitern oder auch an Vorerkrankungen. Daher sollte man wissen, dass es drei moderne Ausweichmöglichkeiten gibt. Zum einen ist da die Grundfähigkeitsversicherung. Diese springt ein, wenn bestimmte körperliche oder geistige Fähigkeiten ausfallen, die für einen Beruf wichtig sind – beispielsweise Sehen, Sprechen, Autofahren oder Treppensteigen. So eine Police ist vor allem für Beschäftigte in körperlich anspruchsvollen Berufen günstiger zu haben als eine BU-Police. Eine „Dread-Disease-Versicherung“ wiederum zahlt nur bei ganz bestimmten schweren Krankheiten wie etwa Herzinfarkt, Krebs oder Schlaganfall – und das aber unabhängig davon, ob man dann noch in seinem Beruf arbeiten kann oder nicht. Und schließlich kann – ergänzend zur eher geringen staatlichen Erwerbsminderungsrente – auch eine private Police für den Fall der Erwerbsminderung abgeschlossen werden. Dann gibt es entsprechend mehr Geld pro Monat, wenn man nur noch wenige Stunden täglich oder überhaupt nicht mehr arbeiten kann. „Vor allem für Ältere und Beschäftigte in körperlichen Berufen kann dies bedarfsgerecht sein und deutlich günstiger als eine Berufsunfähigkeitsversicherung“, heißt es beim Versorgungswerk MetallRente.

Tobias Christ
Autor

Nach seinem Germanistik-Studium in Siegen und Köln arbeitete Tobias Christ als Redakteur und Pauschalist bei Tageszeitungen wie der „Siegener Zeitung“ oder dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Derzeit schreibt er als freier Journalist Beiträge für Print- oder Onlinemedien. Für aktiv recherchiert er vor allem Ratgeberartikel, etwa rund um die Themen Mobilität und Arbeitsrecht. Privat wandert der Kölner gern oder treibt sich auf Oldtimermessen herum.  

 

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