Berlin. Ein Wechsel der Krankenkasse kann sich lohnen. Und der ganz persönliche finanzielle Vorteil lässt sich recht einfach berechnen.

Mal angenommen, der Unterschied zwischen der alten und der neuen gesetzlichen Krankenversicherung beträgt 1 Prozent vom Brutto – dann sparen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die sich die Sozialbeiträge an die Kassen ja hälftig teilen, durch einen Wechsel jeweils 0,5 Prozent. Bei einem Bruttoeinkommen von 3.500 Euro sind das jeweils 17,50 Euro im Monat, also immerhin 210 Euro im Jahr.

Dazu muss man wissen: Der „allgemeine Beitragssatz“ ist gesetzlich festgeschrieben und damit bei allen Krankenkassen derselbe, er liegt für Versicherte mit Anspruch auf Krankengeld bei 14,6 Prozent. Sehr unterschiedlich hoch ist aber der Zusatzbeitrag, den jede Kasse für sich festlegen kann. Welche Kasse derzeit welchen Zusatzbeitrag nimmt, zeigt eine offizielle Übersicht im Internet.

Nur die „Zusatzleistungen“ sind unterschiedlich

Aber Achtung: Auch wenn praktisch alle Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung eben gesetzlich vorgeschrieben sind, gibt es bei den sogenannten Zusatzleistungen durchaus Unterschiede. Zum Beispiel bei den Reiseimpfungen, die für manche Urlaubsländer nötig sind. Zahlt die Kasse etwa die Impfung gegen Hepatitis A und B, spart man allein dadurch nach Angabe der Stiftung Warentest rund 240 Euro. Wie immer sollte man also nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Leistungen achten. Dabei hilft die Stiftung mit ihrem „Krankenkassenvergleich 2019“ (der Online-Zugang kostet einmalig 3,50 Euro).

Hat man sich entschieden, ist die praktische Umsetzung ganz einfach! Einzige Voraussetzung für den Wechsel ist nämlich, dass man schon mindestens 18 Monate lang Mitglied der bisherigen Krankenkasse war. Wer allerdings einen sogenannten Wahltarif abgeschlossen hat, ist verpflichtet, bis zum Ende der Bindungsfrist zu bleiben. Erhöht eine Kasse ihren Zusatzbeitrag, hat man immer ein Sonderkündigungsrecht und kann schneller wechseln.

Ein formloses Schreiben genügt für die Kündigung bei der bisherigen Kasse

Die Kündigung greift normalerweise zum Ende des übernächsten Monats. Dafür genügt ein formloses Schreiben; Musterbriefe zum Download gibt’s etwa bei den Verbraucherzentralen, aber auch bei vielen Kassen. Die bisherige Kasse schickt innerhalb von 14 Tagen eine Kündigungsbestätigung, die man an die neue Kasse weiterleiten muss.

Den Mitgliedsantrag für die neue Krankenkasse wiederum kann man bei den meisten bereits online ausfüllen. Nach dem Wechsel erhält man eine Mitgliedsbescheinigung der neuen Kasse, die legt man dann beim Arbeitgeber und bei der alten Kasse vor.

Wer chronisch krank oder behindert ist, muss besonders aufpassen

Für Versicherte, die gerade keine Leistungen beanspruchen, ist der Wechsel in der Regel völlig unproblematisch. Aber: „Vor allem bei Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen kann ein Kassenwechsel zu Problemen führen“, warnt Cornelia Jurrmann vom Sozialverband VdK. Grundsätzlich müssen nämlich genehmigungspflichtige Leistungen bei der neuen Krankenkasse erneut beantragt werden. „Und es ist eben nicht bei allen Leistungen garantiert, dass die neue Kasse genau so entscheidet wie die bisherige.“

Denn die Kassen haben bei einigen Punkten, die speziell genehmigt werden müssen, durchaus Ermessensspielraum. Etwa, wenn es um Vorsorgekuren oder bestimmte Reha-Maßnahmen geht. Es ist durchaus möglich, dass die neue Kasse Leistungen ablehnt, die früher anstandslos bewilligt worden sind. Zudem sind Hilfsmittel wie beispielsweise Rollstühle oder Spezialbetten in der Regel nur geliehen: Mit dem Austritt darf die alte Kasse die Hilfsmittel laut Jurrmann zurückverlangen.

Und schließlich muss auch aufpassen, wer Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nimmt, beispielsweise für einen pflegebedürftigen Familienangehörigen. „Mit dem Kassenwechsel ist auch eine andere Pflegekasse zuständig“, erklärt die Expertin. Alle Leistungen der Pflegekasse müssen also ebenfalls neu beantragt werden. „Dabei kann die neue Pflegekasse anders entscheiden, sogar eine Herabstufung beim Pflegegrad ist möglich.“