Früher nannte man ihn „Drahtzieher“. Nein, hier geht es nicht um jemanden, der bei dubiosen Geschäften die Fäden im Hintergrund zieht. Sondern um die Fachkraft für Metalltechnik, wie der Beruf heute heißt. Mit einem neuen Namen verändern sich auch die Anforderungen und Aufgaben von Traditionsberufen, die seit jeher einem hohen Anpassungsdruck unterliegen. Denn neue Technologien beeinflussen ständig unsere Arbeitsweise und Arbeitswelt, man denke nur an die Einführung des Internets. Oder an den Siegeszug von Computern davor oder die Elektrifizierung von Fabriken Anfang des letzten Jahrhunderts. Dieser ständige Umbau betrifft alle Branchen – von Banken über die Chemie bis hin bis zum Bergbau.

Gefragt: Empathie, Interaktion und Spezialisierung

Da die Digitalisierung alle Bereiche durchdringt, sollten Nachwuchskräfte etwas mit IT oder digitalen Skills lernen, raten Experten. Wer damit kompetent umgehen kann, ist klar im Vorteil. Künftig wird aber auch Kreativität gefragt sein, denn das kriegen Roboter-Algorithmen nicht hin. Zu diesem Schluss kommt auch eine Studie der Strategieberatung Deloitte zur „Berufswelt bis 2035“: Jobs werden „wissensintensiv und erfordern Spezialisierung, Kreativität und analytische Fähigkeiten“. Was die Studie noch sagt: Es werden mehr Jobs entstehen, als durch den Einsatz neuer Technologie wegfallen. Die komplette Studie gibt es hier.

Es war einmal: Berufe verschwinden

Durch die rasante Entwicklung unserer Arbeitswelt sind Tausende von Berufen ausgestorben und vergessen. Wer kennt schon noch den Ameisler, Lampenanzünder oder Zeidler? In den Tätigkeiten vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte spiegelt sich der Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft.

So sammelten die Ameisler fleißig Ameisenpuppen als Vogelfutter oder als Medizin. In den späten 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde der Beruf von den Forstbehörden verboten, da er zu sehr in das ökologische Gleichgewicht eingriff. Mit der Erfindung der Gaslaterne um 1812 entstand der Beruf des Lampenanzünders. Doch mit Einzug des elektrischen Lichts wurde die Zunft überflüssig. Und der Zeidler? Der sammelte gewerbsmäßig Honig wilder Bienenvölker.

Eher unbekannt dürfte die Tätigkeit des Urinwäschers sein: Der stellte im römischen Kaiserreich sogenannte Urin-Amphoren vor den Wirtshäusern auf und bat die Besucher, sich hier zu erleichtern. Man wusste bereits um die reinigende Wirkung des menschlichen Wassers: Aus diesem „Roh-Ammoniak“ ließ sich Waschmittel herstellen. Zudem behandelte man rohe Wollstoffe mit der Urinmischung, um auf das Wollfett einzuwirken. Dieser Beruf ist verschwunden …

… genau wie der des Alchimisten: Der war wissenschaftlich tätig und Wegbereiter unserer heutigen Chemiker und Pharmazeuten. Beim Experimentieren erfand er Verfahren zum Haltbarmachen von Lebensmitteln, oder er kreierte neue Färbemittel und Metallveredelungen. Nur die Formel zur Goldherstellung fanden Alchimisten nie.

Interessant auch der Beruf des Sesselträgers: Im 17. Jahrhundert wurden Sänften oder tragbare Stühle (Portechaisen) eingesetzt wie heute die Taxis. Sie eigneten sich für kurze Strecken innerhalb des Stadtgebiets, vor allem dort, wo Kutschen in dem engen Straßenverkehr nicht fahren konnten. Für diese Berufsgruppe wurde 1688 die erste deutsche gesetzliche Regelung des ÖPNV formuliert.

Es tut sich was: Berufe verändern sich

Berufe unterliegen seit jeher einem Anpassungsdruck. Daher ändern sich gelegentlich Berufsbezeichnungen – vor allem dann, wenn Anforderungen verschiedener Berufe miteinander verschmelzen. So basiert zum Beispiel der Ausbildungsberuf Mechatronik auf den Aufgaben, die früher entweder den Mechanikern oder den Elektrikern vorbehalten waren.

Ähnlich ist es beim Ausbildungsberuf Chemikant. Den gibt es nämlich noch nicht so lange: Bis Mitte der 1980er Jahre lautete die Bezeichnung auf den Gebieten der alten Bundesländer noch „Chemiefacharbeiter“. Heute sind sie Allrounder und steuern als Chemikanten und Chemikantinnen die Herstellung chemischer Erzeugnisse. Sie schaffen aus Rohstoffen neue Materialien für Lacke, Cremes, Klebstoffe, Medikamente, Elektronik oder Gummireifen. Unter modernen Bedingungen justieren sie Geräte und reinigen, filtrieren und zentrifugieren Stoffe. Während des gesamten Produktionsprozesses überwachen sie die Vorgänge und steuern Parameter wie Druck und Temperatur mithilfe von Computertechnik.

Für den Beruf werden moderne Computertechniken immer wichtiger. Darum ist die Ausbildung topmodern: Als eine der ersten Branchen in Deutschland hat die Chemie hier die Wahlqualifikation „Digitalisierung und vernetzte Produktion“ für den Ausbildungsberuf eingeführt.

Denn die Vernetzung von IT-Systemen und Produktionsanlagen, der Einsatz mobiler Endgeräte, intelligenter Software und Apps, die Nutzung umfangreicher Datenanalysen (Big Data) und Simulationen, aber auch der Einsatz künstlicher Intelligenz schaffen neue Möglichkeiten der Automatisierung und Prozessoptimierung. Gleichzeitig bilden diese Technologien die Grundlage für ganz neue, digitale Geschäftsmodelle. Jedes Jahr werden bundesweit rund 6.000 junge Leute in diesem Beruf ausgebildet.

So wird es sein: Berufe der Zukunft

Was genau auf uns zukommt, weiß keiner: 65 Prozent der heutigen Schulkinder werden später in Berufen arbeiten, die es jetzt noch gar nicht gibt, so eine Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Yougov im Auftrag der Stiftung der Deutschen Wirtschaft für den Studienkompass. Wir spüren aber alle, wohin die Reise geht: ins Digitale. So könnten etwa autonome Fahrzeuge eines Tages Triebwagenführer oder Lkw-Fahrer überflüssig machen. Mit der Blockchain-Technologie lassen sich Jobs im Verkauf und Vertrieb oder der Finanz- und Versicherungswirtschaft automatisieren. Kaufleute stehen im Fokus, da sich der Handel zunehmend ins Internet verlagert – Bürotätigkeiten werden immer stärker von künstlicher Intelligenz übernommen.

Viele Schritte in der Chemieproduktion sind ebenfalls heute schon digital möglich – von der Rohstoffbeschaffung über den Produktionsprozess bis hin zum Endkundenservice. Aber keine Panik: „Das kann auch erhebliche Chancen bieten, da man sich in diesen Berufen zum Teil gut weiterentwickeln kann“, meint Katharina Dengler vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Daher lernt man nicht mehr nur einen Beruf und übt ihn bis zum Rentenalter aus. Sondern lernt lebenslang, um fit für den Job zu sein.

Auch ganz neue Berufe tauchen auf, so Dengler. Wie das „Feelgood-Management für mehr gute Vibes“: Hier sorgen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Unternehmen für eine gute Arbeitsatmosphäre im Team und organisieren dafür gemeinsame Events wie Yogatreffen oder Feiern. Sie entwickeln auch gemeinsam mit den Kollegen und Kolleginnen Arbeitszeitmodelle, die über den regulären Nine-to-five-Job hinausgehen.

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