Freiburg. Im Norden Freiburgs tut sich was: Im Gewerbegebiet entsteht in Rekordzeit eine 142 Millionen Euro teure Produktionsanlage, unter anderem für das neue Corona-Medikament Paxlovid – ein Hoffnungsträger im Kampf gegen die Pandemie. Die Tabletten des US-Pharma-Unternehmens Pfizer können Corona-Kranke auch zu Hause einnehmen, um sich vor einem schweren Verlauf zu schützen.

Hohe Kosten, Löhne, Steuern

Pfizer (1.800 Mitarbeiter) ist der zweitgrößte Arbeitgeber in der Universitätsstadt. Die Produktionsstätte – das größte Abpackwerk für feste Arzneiformen des Konzerns – zählt zu den weltweit modernsten ihrer Art. So entstehen Tabletten und Kapseln in einer höchstautomatisierten Fertigung: Von der Wareneingangsprüfung über die Einwaage bis hin zur Dosierung der Wirkstoffe wird alles vollautomatisch abgewickelt. Bis Ende des Jahres sollen hier 120 Millionen Packungen des Mittels gegen Covid hergestellt werden.

Doch es ist nicht einfach: „Es wird viel diskutiert über Innovation, die Schaffung von Arbeitsplätzen und den Wirtschaftsstandort Deutschland“, sagt Axel Glatz, Leiter des Freiburger Pfizer-Werks. „Aber ich habe im Laufe meiner Karriere beobachtet, dass mehr und mehr Forschung, Entwicklung und Produktion abgewandert ist in Länder, in denen die Rahmenbedingungen vermeintlich besser sind.“

Deutschland darf nicht den Anschluss verlieren

Was ist nötig, um den Pharmastandort Deutschland zu stärken? Einmal ein gutes Netzwerk mit den Wissenschaftlern der Freiburger Universität, zahlreichen Ausgründungen, traditionellen Forschungsunternehmen und auch Start-ups. Entscheidende Faktoren sind zudem Infrastruktur, bürokratische Abläufe und der Stand der Digitalisierung. Glatz: „Hier darf Deutschland nicht den Anschluss verlieren. Die Politik muss gegenhalten, systematisch regulatorische Schwächen analysieren und konsequent abbauen. Deutschland ist ein Hochkostenland, ein Hochlohnland, ein Hochsteuerland. Wir sind höchstreguliert und haben lange bürokratische Verfahren.“

Kürzeste Arbeitszeiten weltweit

Wie überzeugt der Standort dennoch in einem globalen Konzern? „Es gelingt uns durch Automation, die ständige Optimierung von Abläufen und über das hohe Produktionsvolumen“, erklärt Glatz. Und die Qualität: In Freiburg arbeitet jeder fünfte Pfizer-Mitarbeiter in der Qualitätskontrolle.

Doch die Kosten entstehen nicht nur durch die Löhne. Glatz: „Deutschland hat mit den höchsten Steuersatz, nachdem die USA die Unternehmensteuern auf 20 Prozent gesenkt haben. Wir haben sehr hohe Umweltauflagen, einen hohen Dokumentationsaufwand und hohe Sicherheitsanforderungen.“

Zudem zähle Deutschland zu den Ländern mit den kürzesten Arbeitszeiten weltweit: „In amerikanischen Werken wird etwa 25 Prozent länger gearbeitet, in asiatischen Werken 35 Prozent.“

Sabine Latorre
Leiterin aktiv-Redaktion Rhein-Main

Dr. Sabine Latorre ist spezialisiert auf Themen aus der Chemie- und Pharma-Industrie. Sie liebt es, komplizierte Zusammenhänge einfach darzustellen – so schon vor ihrer Zeit bei aktiv als Lehrerin sowie als Redakteurin für die Uniklinik Heidelberg und bei „BILD“. Nebenbei schreibt sie naturwissenschaftliche Sachbücher für Kitas und Schulen. Privat reizen sie Reisen sowie handwerkliche und sportliche Herausforderungen.

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