Groß-Gerau. Ein letzter Termin im alten Jahr noch. Donnerstag, 23. Dezember: Tim Kamenzin trifft sich zum Fototermin mit aktiv. Der 19-Jährige blickt zurück auf ein ereignisreiches Jahr und nach vorn in eine vielversprechende Zukunft. Mit herausragendem Erfolg hat er die Facharbeiterprüfung bestanden – als Deutschlands bester Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik. 96 Prozent – niemand zwischen Flensburg und Füssen hat in der Sparte Halbzeuge eine bessere Prüfung hingelegt. Sein Ausbildungsbetrieb ist die Evonik Operations GmbH in Darmstadt.

Bei der „Nacht der Ausbildung“ war der Funke übergesprungen

Ein weiterer Bundessieger kommt auch aus Hessen: Jan Markwitz von ContiTech Schlauch (Korbach) in der Fachrichtung Mehrschichtkautschukteile. Knapp 300.000 Absolventen hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geprüft. 223 wurden Bundesbeste in 212 Ausbildungsberufen – von der Köchin, über den Baustoffprüfer bis zum Tierpfleger.

Es ist bitterkalt an diesem Dezembertag. Kamenzin, modischer Kurzhaarschnitt, sympathisches Lächeln, hat seine Urkunde mitgebracht. Dabei möchte er die Auszeichnung eigentlich gar nicht so hoch hängen. Er spricht lieber über den Alltag im Betrieb und die Arbeit an den Maschinen: „Mich reizt es total, so lange zu tüfteln, bis das gewünschte Ergebnis endlich vorliegt.“

Bei der „Nacht der Ausbildung“ war der Funke übergesprungen. Mit einigen Kumpels besuchte er die Ausbildungsräume bei Evonik in Darmstadt. „Das hat mich beeindruckt. Mir war ziemlich schnell klar, dass ich mir dort eine Ausbildung sehr gut vorstellen konnte.“ Es folgten die Bewerbung, der Test, der Ausbildungsvertrag – so weit, so normal. Niemand ahnte im Herbst 2018, dass Corona wenig später auch in Tim Kamenzins Ausbildungszeit einiges verändern würde. Wochenlang war mobiles Lernen mit dem Tablet angesagt.

Was anfangs Spaß macht, wurde ihm schnell öde. „Mir fehlte der Kontakt“, sagt er. Werkstattluft und Teamarbeit – all das hat er vermisst. Kein Wunder, dass er sich vor allem auf den praktischen Teil der Facharbeiterprüfung gefreut hat. „Bei der Theorie war ich etwas aufgeregter. Man weiß halt nie, was drankommt. Aber das lief auch ganz gut“, sagt er.

Der Branche möchte er weiterhin treu bleiben

Themen wie Digitalisierung oder Nachhaltigkeit sind sein Ding. Beides ist Teil der Ausbildung bei Evonik. Kamenzin hält Industrie 4.0 „für total spannend“. Er findet es gut, wie Evonik Nachhaltigkeit und Umweltschutz angeht: „Abfälle wiederzuverwerten oder Rohstoffe nicht verschwenderisch einzusetzen, das ist total wichtig.“

Ökonomie und Ökologie gehen zusammen. Darauf will Kamenzin aufsetzen, wenn er jetzt das Fachabitur macht. Anschließend soll ein Kunstofftechnik- oder Maschinenbau-Studium folgen. Der Branche möchte er treu bleiben. „Vielleicht gibt mir Evonik ja dann wieder eine Chance“, sagt er. „Die Ausbildung dort war total cool.“

Ausbildungsberufe der Kautschuk-Industrie

  • Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik: Ein guter Hauptschulabschluss, logisches Denken, Spaß an Teamarbeit sind Voraussetzungen.
  • Maschinen- und Anlagenführer sollten neben einem guten Hauptschulab- schluss und Teamfähigkeit handwerk- liches Geschick mitbringen.
  • Weitere Infos gibt es online beim Arbeitgeberverband ADK: adk-verband.de/ausbildungsberufe
Werner Fricke
Autor

Werner Fricke kennt die niedersächsische Metall- und Elektro-Industrie aus dem Effeff. Denn nach seiner Tätigkeit als Journalist in Hannover wechselte er als Leiter der Geschäftsstelle zum Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall. So schreibt er für aktiv über norddeutsche Betriebe und deren Mitarbeiter. Als Fan von Hannover 96 erlebt er in seiner Freizeit Höhen und Tiefen.

 

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