Emmerich. Von A nach B und zurück: Gebäudepläne mit zig Pfeilen in verschiedenen Richtungen hängen am Büro von „Botschafter“ Christoph Derksen. Dieser „Botschafter“ sitzt mitten in der Produktionshalle der Firma Probat und tut nichts anderes, als seinen Kollegen und Kolleginnen die Erweiterung und Modernisierung des Stammsitzes Emmerich zu erklären. „Probat Go“, wie das Vorhaben heißt, ist ein Mammutprojekt. Folglich hat Derksen viel zu tun.

Probat ist Weltmarktführer für Kaffeeröster und -mühlen mit 900 Mitarbeitern weltweit, davon 500 in Emmerich. Derzeit verputzen hier Bauarbeiter Wände, verlegen Kabel und Heizungsrohre; Zulieferer installieren Maschinen. Während die neuen Produktionsräume nach und nach in Betrieb gehen, werden die alten Nachkriegsgebäude Schritt für Schritt saniert. Und so wandern ganze Arbeitsbereiche hin und her wie in einem Einpark-Spiel. Dadurch kann die Produktion ohne Unterbrechung weiterlaufen.

Dafür da, den Mitarbeitern in der Produktion Sorgen zu nehmen

„Wer ein Haus gebaut hat, weiß, dass es immer ein Problem gibt“, sagt Derksen. Er ist dafür da, den 140 Mitarbeitern in der Fertigung die Sorgen zu nehmen und zu helfen, mit den Veränderungen und Einschränkungen klarzukommen. „Unsere Leute sind teils sehr lange im Unternehmen und werden nervös, wenn man ihnen den lieb gewonnenen Arbeitsplatz quasi wegnimmt“, meint der freigestellte Betriebsrat. Der Probat-Go-Botschafter postet Fotos von dem Fortschritt des Projekts und prüft, ob die Ideen, die die Mitarbeiter beisteuern, umgesetzt werden. Ja, es ist laut, es zieht, es ist lästig: Wenn aber alles fertig ist, soll jeder Arbeitsplatz lichter und ergonomischer sein.

Die Fabrik war in die Jahre gekommen: Es gab kein natürliches Licht, kein lückenloses WLAN, durch die ungedämmte Fassade entwich viel Energie. Nun kann man von jedem Arbeitsplatz aus ins Freie gucken. Die Büros und Besprechungsräume öffnen sich zur Produktionshalle hin. Angenehme Arbeitsbedingungen sind wichtig, um Fachkräfte in die Randlage kurz vor der niederländischen Grenze zu locken.

40 Millionen Euro nimmt das Familienunternehmen für die Erweiterung in die Hand

Ende 2022 soll der Ausbau beendet sein. Gestartet hat „Probat Go“ im Sommer 2020. Das Familienunternehmen wollte gerade in schwierigen Zeiten ein Zeichen setzen. Es investiert 40 Millionen Euro. „Wir haben schon 2017 angefangen, unsere Arbeitsprozesse zu analysieren und die Erweiterungen zu planen“, erzählt Rainer Rinke, in der Geschäftsführung für Engineering und Produktion zuständig. Als Corona kam, waren die Pläne schon weit gediehen. Es gab zwar einen kurzen Schock, „wir dachten aber, irgendwann geht die Pandemie vorbei, und wir sind dann gut aufgestellt“.

Wer ein Haus gebaut hat, weiß, dass es immer ein Problem gibt

Christoph Derksen, „Botschafter“ des Bauprojekts

Die Bohnen für zwei von drei Tassen weltweit werden auf Probat-Maschinen bereitet. Im Lockdown tranken die Deutschen noch mehr Kaffee, auch in anderen Ländern zog der Konsum an. „Wir haben seit Mitte 2020 einen sehr hohen Auftragseingang und -bestand!“, staunt Rinke. International tätige Großkunden hätten die Krise genutzt, um ihre Anlagen zu erweitern und zu erneuern.

In Asien kommen Teetrinker zunehmend auf den (Kaffee)-Geschmack

Auch die Cafés, die ihre Spezialitäten in den kleineren Röstern, den „Probatinos“, selbst zubereiten, haben offensichtlich überlebt. Zudem ist Asien ein heißer Markt. Die Aufträge aus Fernost nehmen stark zu: Die einstigen Teetrinker kommen auf den Geschmack.

Um weiter wachsen zu können, hat Probat ein Nachbargrundstück gekauft. Die Zukunft sichern soll auch die energetische Modernisierung mit Wärmepumpen, Ladesäulen und Photovoltaik. Ein neues Blockheizkraftwerk liefert Strom und Wärme: Betrieben wird es mit Gas. Es lässt sich später auf Wasserstoff umstellen.

Kaffee muss sein

  • 88 Prozent der Deutschen trinken laut Tchibo Kaffeereport 2021 den Muntermacher, durchschnittlich 3,2 Tassen am Tag.
  • 45 Prozent der Menschen gönnen sich im Homeoffice mehr Kaffee.
  • 53 Prozent der Deutschen halten Kaffee für unverzichtbarer als ihr Smartphone (43 Prozent) oder das Auto (36 Prozent).