Zeven. Sicherheit ist für das Unternehmen Mapa wichtig: Die Zufahrt für Lkws ist mit einer neuen Schranke versehen, Besucher und Mitarbeiter müssen durch eine Drehtür. Am Eingang begrüßt ein Fieber-Scanner die Ankommenden. Nur wer keine Krankheitssymptome und kein Fieber hat, darf ins Verwaltungsgebäude des Unternehmens. Und doch sind die Büros nur zum Teil besetzt, und viele Schreibtische stehen leer. „Ein Jahr Corona hat vieles geändert“, berichtet Geschäftsführer Ralf Holschumacher beim Besuch von aktiv.

Dem Hersteller von Baby- und Haushaltsprodukten im niedersächsischen Zeven geht es wie vielen Unternehmen der Kautschuk-Industrie. Die technische Infrastruktur für das Arbeiten von zu Hause aus läuft mittlerweile reibungslos, alte Prozesse sind ad acta gelegt, neue, digitale Kommunikationswege etabliert. Nun will so manches Unternehmen das früher argwöhnisch betrachtete Homeoffice auch zum Modell der Zukunft machen.

Homeoffice: Mapa-Chef hofft auf höhere Attraktivität für Fachkräfte

Der Mapa-Geschäftsführer sieht Homeoffice durchaus positiv. „Weil wir dadurch auch für Mitarbeiter interessanter werden, die sich früher nicht für eine Stelle hier in der ländlichen Region begeistert hätten“, sagt Holschumacher. „Die Möglichkeit, mehrere Tage in der Woche von zu Hause aus zu arbeiten, könnte uns als Arbeitgeber für Ingenieure oder Fachkräfte mit besonderer IT-Qualifikation attraktiver machen.“ Solche Fachkräfte waren bisher stark auf Stellen in der Großstadt fokussiert, werden dank Homeoffice nun auch auf Firmen außerhalb der Ballungszentren schauen, meint der Geschäftsführer. Das sei ein Pluspunkt für Mapa in Zeven, das zwischen Hamburg und Bremen liegt, im Herzen des Elbe-Weser-Dreiecks. Die Fluktuation ist in dieser Region gering.

Mehr Homeoffice und mobiles Arbeiten bringen aber auch andere Anforderungen an die Führungsmannschaft von Firmen, weiß der Mapa-Chef. „Statt den Fokus vorwiegend auf die Kontrolle der Ergebnisse der Arbeit zu legen, müssen wir jetzt viel stärker menschlich und vor allem individueller führen.“ Manche Mitarbeiter hätten Probleme, sich im Homeoffice zu organisieren, andere brauchten mehr persönlichen Kontakt oder hätten eine Doppelbelastung durch zusätzliche Kinderbetreuung.

Bei Vorgesetzten sind Empathie und Fürsorge stärker gefragt

Holschumacher: „Diese unterschiedlichen Bedürfnisse muss man als Vorgesetzter erkennen und darauf eingehen.“ Da sind sogenannte Softskills gefragt, Fähigkeiten wie Empathie, Fürsorge, Einfühlungsvermögen und nicht zuletzt Kommunikationskompetenz. „Ich achte immer darauf, dass Videositzungen nicht zu sachlich und ausschließlich fachbezogen ablaufen“, berichtet Holschumacher. „Small Talk ist wichtig, menschliche, persönliche Themen dürfen nicht zu kurz kommen!“ Wertschätzung ist der entscheidende Faktor für die Mitarbeitermotivation.

Beim Homeoffice bestehe aber auch eine Gefahr der Entfremdung, innerhalb der Teams wie zur Firmenkultur. Deshalb wird sich aus Sicht des Mapa-Chefs in der Arbeitswelt langfristig eine Mischung aus Homeoffice und Präsenzzeiten im Büro einstellen. Holschumacher: „Ziel muss es sein, das Beste aus beiden Welten zu vereinen – das Teamgefühl auf der einen Seite, mehr Flexibilität und Freiheit auf der anderen Seite.“

Zu den 600 Jobs bei Mapa kommen noch mal so viele bei Dienstleistern

Mapa vertreibt mit über 600 Mitarbeitern Babyartikel wie Schnuller und Flaschen („NUK-Produkte“), aber auch Kondome und Haushaltsartikel. Die NUK-Produkte werden in mehr als 120 Länder ausgeführt. Mapa gehört zu einem internationalen Konzern.

Holschumacher findet es schade, dass manche Menschen heute glauben, Industrie werde nicht mehr gebraucht. Sie sei aber mit anderen Wirtschaftszweigen verflochten. Zu den 600 direkten Jobs bei Mapa kommen weitere rund 600 Stellen bei Dienstleistern in Marketing, IT oder Gebäudereinigung hinzu. „Dieser Zusammenhang ist vielen Menschen nicht klar“, sagt Holschumacher. „Fällt die Industrie weg, sind auch Dienstleistungen für die Industrie überflüssig.“

So häufig wird das Homeoffice genutzt

Anteil der Beschäftigten in Heimarbeit im April 2021

  • 39,4 Prozent waren es in der Pharma-Industrie.
  • 27,6 Prozent waren es in der Auto-Industrie.
  • 20 Prozent arbeiteten in der Gummi- und Kunststoffbranche von zuhause aus.
Werner Fricke
Autor

Werner Fricke kennt die niedersächsische Metall- und Elektro-Industrie aus dem Effeff. Denn nach seiner Tätigkeit als Journalist in Hannover wechselte er als Leiter der Geschäftsstelle zum Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall. So schreibt er für aktiv über norddeutsche Betriebe und deren Mitarbeiter. Als Fan von Hannover 96 erlebt er in seiner Freizeit Höhen und Tiefen.

 

Alle Beiträge der Autorin