München. Die Sommermonate kommen - und damit auch wieder zahlreiche Touristen, die in Bayern Urlaub machen. Das stärkt einerseits die heimische Wirtschaft, bringt andererseits aber auch Herausforderungen mit sich.

Bayern ist unter allen deutschen Bundesländern mit weitem Abstand das beliebteste Ziel von Touristen, sowohl aus dem In- als auch dem Ausland. Zwar hat die Corona-Pandemie auch hier zu einem Rückgang der Besucherzahlen geführt, die mehr als 34 Millionen Gäste im vergangenen Jahr entsprachen zahlenmäßig etwa dem Niveau von 2015. Im Vor-Corona-Jahr 2019 kamen rund 40 Millionen Gäste.

Rund 600.000 Jobs hängen direkt oder indirekt am Tourismus

Jährlich erwirtschaftet die Tourismusbranche etwa 34 Milliarden Euro Umsatz, das entspricht etwa einem Drittel des Umsatzes der Auto-Industrie. Rund 600.000 Jobs entstehen im und um die Tourismusbranche herum. Denn sie zählt zu den Querschnittsbranchen. Nicht nur Hotelier, Kellnerin oder Reiseführer verdienen, sondern viele angegliederte Dienstleistungen ebenfalls: vom Schreiner, der die Hotelzimmer ausstattet, über Konzertveranstalter bis zur Boutiquebesitzerin, die in Touristen ihre Hauptkundschaft findet.

Insgesamt gibt es nachweislich in Regionen mit mehr Tourismus auch mehr Angebote für Freizeit, Kultur, Handel oder Gastronomie. Davon profitieren auch die Einheimischen, die diese ebenfalls nutzen. Eine Umfrage des Bayerischen Zentrums für Tourismus im vergangenen Sommer ergab, dass die Lebenszufriedenheit der bayerischen Bevölkerung in den Regionen besonders hoch ist, die stärker vom Tourismus geprägt sind.

Allerdings gibt es auch Schattenseiten: Einheimische fühlen sich etwa durch erhöhtes Verkehrsaufkommen gestört, beklagen höhere Mieten und Immobilienpreise. Zudem muss die Branche auch selber einige Herausforderungen meistern. Nicht zuletzt durch die Lockdowns während der Pandemie hat sich der Fachkräftemangel in Gastronomie und Hotellerie massiv verschärft. Von höheren Preisen bei Energie und Lebensmitteln sind Betriebe besonders stark betroffen.

Imagekampagne wirbt für die positiven Seiten des Tourismus

Um Bedenken auszuräumen und positive Effekte zu stärken, hat das bayerische Wirtschaftsministerium die Imagekampagne „Wir machen Urlaub“ mit mehreren Partnern gestartet, darunter die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt nennt Handlungsbedarf: „Die Betriebe brauchen dringend Entlastungen, einen Sprung bei der Digitalisierung sowie vereinfachte Verwaltungsanforderungen.“ Gerade digitale Lösungen können helfen: Mit Apps lassen sich etwa Besucherströme lenken. Aber auch Fachkräfte kommen lieber, wenn sie in ihrem Arbeitsort in abgelegener Bergregion stabiles Mobilfunknetz haben.

Insgesamt sehen die Partner die Transformation hin zu nachhaltigem Tourismus als wesentliches Ziel, die Attraktivität Bayerns für Gäste und Einheimische zu erhalten.

Alix Sauer
Leiterin aktiv-Redaktion Bayern

Alix Sauer hat als Leiterin der aktiv-Redaktion München ihr Ohr an den Herausforderungen der bayerischen Wirtschaft, insbesondere der Metall- und Elektro-Industrie. Die Politologin und Kommunikationsmanagerin volontierte bei der Zeitungsgruppe Münsterland. Auf Agenturseite unterstützte sie Unternehmenskunden bei Publikationen für Energie-, Technologie- und Mitarbeiterthemen, bevor sie zu aktiv wechselte. Beim Kochen und Gärtnern schöpft sie privat Energie.

 

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