Acht Prozent der weltweiten CO2-Emissionen sollen auf den Tourismus zurückfallen, hat die Universität im australischen Sydney schon 2018 herausgefunden. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass wir oft weite Strecken zurücklegen, wenn wir in den Urlaub fahren – egal, ob wir dazu das Auto nehmen, den Flieger oder ein Kreuzfahrtschiff.

Klimaschutz: Beim Reisen ein gesundes Maß finden

Wer lieber klimafreundlich Urlaub macht, bleibt darum in der Nähe und macht eventuell eine Wander- oder Fahrradreise. Soll es unbedingt die unbekannte Region in der Ferne sein, sucht man eben nach anderen Möglichkeiten, um trotz der Fernreise das Klima zu schonen.

„Letztendlich geht es immer darum, ein gesundes Maß zu finden“, sagt Michael Bilharz, Fachgebiet nachhaltige Konsumstrukturen im Umweltbundesamt. „Das kann beispielsweise bedeuten, dass man in einem voll besetzten Auto möglichst spritsparend in Urlaub fährt. Oder auch einmal den Zug nach Spanien oder Italien nimmt.“ Dann allerdings braucht man natürlich mehr Zeit für die An- und Abreise. 

Fliegen oder mit dem Auto reisen: Was ist sinnvoll für den Klimaschutz?

Ob das Auto oder der Flieger die Umwelt mehr belastet, lässt sich mit einem CO2-Rechner herausfinden, wie ihn beispielsweise die TV-Sendung Quarks auf ihrer Internetseite veröffentlicht hat. Dabei spielt beim Auto auch eine Rolle, ob es ein Benziner, ein Diesel oder ein Elektroauto ist, wie groß und wie alt das Auto ist und auch wie viele Personen mitfahren.

Ein Beispiel: Würde eine Person allein 800 Kilometer mit einem mittelalten und mittelgroßen Benziner nach Frankreich fahren, läge der CO2-Ausstoß gar nicht so weit entfernt von dem des Flugreisenden. Im Flugzeug würden 169 Kilogramm ausgestoßen, mit dem Auto 151,2 Kilogramm. Fahren aber im Auto drei weitere Personen mit, liegt der Ausstoß pro Person dort nur noch bei 37,8 Kilogramm, im Flieger bleiben es 169 Kilogramm – pro Person.

Aber auch beim Fliegen gibt es Unterschiede: Kürzere Flüge setzen weniger CO2 frei als Langstrecken: Warum also nicht einmal nach Griechenland oder Marokko statt nach Südafrika oder San Francisco fliegen? Bleibt es bei der Langstrecke, sollte man allerdings keinen Kurzurlaub machen. Denn ein langer Urlaub mit einem Hin- und Rückflug setzt weniger CO2 frei als drei kurze Aufenthalte mit langer Anreise.

Klimafreundlicheres Verhalten vor Ort: Auch Kleinigkeiten helfen, CO2-Emissionen zu kompensieren

Unabhängig davon, ob man mit dem Flugzeug oder dem Auto angereist ist, kann man sich als Tourist auch am Reiseziel klimafreundlicher verhalten und damit die schon verursachten Emissionen kompensieren.

Bei der Wahl des Hotels könnte man Unterkünfte mit Bio-Zertifikat bevorzugen. Außerdem sollten sich Reisende die Frage stellen, ob ein Hotel in der Wüste zwingend einen Swimmingpool und angeschlossenen Golfplatz braucht. Eine weitere Frage ist, ob das Zimmer im Hotel jeden Tag gereinigt werden muss.

Klimaschutz am Reiseziel: Bahn und Busse nutzen, auf Leihräder umsteigen

Noch klimafreundlicher ist es allerdings, ganz auf das Hotel zu verzichten: Camping soll deutlich umweltfreundlicher sein. Laut der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online spart man dabei 115 Kilogramm CO2 pro Woche im Vergleich zum Hotelurlaub. Außerdem können Urlauber vor Ort den ÖPNV nutzen, falls es diesen gibt. Das spart auch die lästige Parkplatzsuche. In vielen Orten auch im Ausland gibt es außerdem Leihräder. Und wer einen Roadtrip plant, könnte einmal über Züge und Fernbusse nachdenken – und dafür auf den Mietwagen verzichten.

Reisen mit dem Kreuzfahrtschiff: Neue Techniken machen Schiffe klimafreundlicher

Wer das Klima schützen möchte, sollte keine Kreuzfahrt buchen. Denn Reisen auf den großen Schiffen sind eine Belastung fürs Klima. Allerdings gibt es aus der Branche gute Nachrichten: Die Kreuzfahrtschiffe werden zunehmend klimafreundlicher, auch wenn sie noch lange nicht gut fürs Klima sind.

Die ersten Schiffe werden mit dem Flüssiggas LNG betrieben, in Zukunft wird es auch Brennstoffzellen an Bord geben, um Energie zu sparen. Und zunehmend werden Schiffe mit Landstromanschluss ausgerüstet, um zumindest im Hafen weniger Schadstoffe auszustoßen. Auch Katalysatoren oder ein optimierter Rumpf helfen dabei, dass weniger Energie verbraucht beziehungsweise weniger Emissionen ausgeschieden werden. Der Naturschutzbund NABU hat ein Kreuzfahrt-Ranking im Netz, das zeigt, welche Schiffe umweltunfreundlicher sind als andere.

CO2-Ausstoß kompensieren: Für Umweltprojekte spenden

Wer also etwa wegen seiner Schiffstour ein schlechtes Gewissen hat, kann den CO2-Ausstoß kompensieren. Entscheidet man sich dafür, spendet man die Summe, die Portale wie Atmosfair oder MyClimate aufgrund der Reisedaten berechnen. Das sind beispielsweise bei einem Flug nach Jersey im Ärmelkanal und zurück gerade einmal 10 Euro bei Atmosfair.

Dieses Geld geht dann in ein Klimaschutzprojekt. Möglicherweise werden mit den Spenden effiziente Öfen in Nigeria, Ruanda oder Lesotho gebaut, in Nicaragua ein Windpark errichtet oder in Honduras ein Kleinwasserkraftwerk. So wird also mit dem Geld anderswo in der Welt dafür gesorgt, dass dort weniger Emissionen entstehen. Die Spendenquittung von beiden Portalen kann man übrigens in der Steuererklärung geltend machen.

Beim Reiseveranstalter Kompensation mit buchen

Kritiker bezeichnen diese Kompensation gerne als Ablasshandel. Das hört Klimaexperte Bilharz jedoch nicht gerne: „Es ist eine Spende für eine messbare Dienstleistung für mehr Klimaschutz. Natürlich beruhigt sie auch das Gewissen. Aber dementsprechend müsste jede Spende als Gewissensberuhigung gesehen werden“, sagt er. Andere sind unsicher, ob die Spende wirklich sinnvoll eingesetzt wird.

Doch auch darauf hat Michael Bilharz eine Antwort: „Im Umweltbereich geht es immer um Vertrauen: Ist der Bio-Apfel ungespritzt? Wird der Kaffee wirklich fair hergestellt? Wurde unsere Kleidung tatsächlich nicht von Kindern hergestellt? So ist es letztlich auch bei der CO2-Kompensation.“ Außerdem, so sagt der Fachmann, dürfe man nicht vergessen, dass „viele Entwicklungs- und Schwellenländer eine dynamische Konsumentwicklung haben. Das heißt: Die CO2-Emissionen steigen dort deutlich an. Ohne die Kompensation und die entsprechenden Projekte würden sie noch viel mehr ansteigen.“

Übrigens: Bei MyClimate kann man auch Kreuzfahrten kompensieren. Und im Forum „anders reisen“, aber auch bei anderen Anbietern, können Reisen gebucht werden, bei denen die Klimakompensation für den gesamten Urlaub bereits im Preis enthalten ist.