Der Einzelhandel stellt sich auf die alternde Kundschaft ein

Seniorengerechte Läden für die kaufkräftigen Oldies

Die Zukunft hat schon begonnen: Einkaufswagen in einem süddeutschen Edeka-Markt. Foto: dpa

Berlin. Der Altersdurchschnitt der Bundesbürger steigt ständig. Und unsere Senioren sind im Schnitt finanziell prima aufgestellt – also eine interessante Zielgruppe für den Handel. Herkömmliche Supermärkte und Kaufhäuser sind aber für ältere Menschen nicht sonderlich attraktiv. Immer mehr Geschäfte versuchen darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem die Oldies gerne einkaufen.

Der Einzelhandelsverband HDE hat sogar schon eine Zertifizierung für „generationenfreundliches Einkaufen“ herausgebracht: Wer sich damit schmücken will, muss mehr als 60 Kriterien erfüllen. Die Gänge des Geschäfts müssen beispielsweise breit genug für einen Rollstuhl sein, die Preisetiketten gut lesbar und der Boden rutschfest. Rund 7.000 Läden sind schon zertifiziert.

Das könne aber nur ein Anfang sein, mahnt Professor Guido Quelle, Geschäftsführer der Mandat Managementberatung. „Will der Handel seine älteren Kunden binden, muss er mehr leisten.“

So wie die Supermarktkette Real, die in manchen Städten einen kostenlosen Shuttle-Bus anbietet: Der bringt Senioren etwa in Bitterfeld nach Voranmeldung zum Supermarkt und später wieder nach Hause.

In der Douglas-Holding wiederum achtet man auf einen „gesunden Altersmix“ der Mitarbeiter in den Filialen. Denn ältere Kunden ließen sich lieber von Verkäufern in ihrem Alter beraten, heißt es. Experte Quelle bestätigt: „Für ältere Leute ist Beratung auch ein Gespräch, es geht also um die soziale Komponente, nicht nur ums Verkaufen. Dafür müssen die Mitarbeiter aber speziell geschult sein.“

In den dm-Drogerien sind an den Einkaufswagen Leselupen angebracht, mit denen sich Kleingedrucktes besser lesen lässt.

Edeka hat Supermärkte, die sich „Markt der Generationen“ nennen. Dort gibt es zum Beispiel gemütliche Sitzecken neben der Fleischtheke oder auch Einkaufswagen, die wie ein Rollator ein Brett zum Sitzen eingebaut haben. Auch niedrigere Regale oder behindertengerechte Toiletten sind zu finden.

Viele Handelsketten sind allerdings dezentral aufgestellt, sodass es bisher oft nur einzelne Läden sind, die sich besonders zukunftsträchtig engagieren.

So kooperiert etwa der Real-Markt in Alzey mit der Rheinhessen-Fachklinik, wie eine Firmensprecherin erklärt: „An einem Informationstag spielten Mitarbeiter der Klinik Demenzkranke im Supermarkt nach, um die Mitarbeiter für das Problem zu sensibilisieren.“


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