Der Titel Industriemeister ist eine der höchsten Qualifikationen, die im gewerblich-technischen Bereich ohne Hochschulabschluss möglich sind. Der Titel ist gleichwertig mit einem Bachelor-Abschluss. Für viele verlockend. Doch für die Weiterbildung braucht man mehr als nur Lust auf eine neue Herausforderung.

Was macht ein Industriemeister?

Industriemeister arbeiten als Führungskräfte im unteren bis mittleren Management. Dort sind sie für produktionsnahe Organisations- und Verwaltungsaufgaben zuständig. Sie stimmen zum Beispiel Produktionsabläufe ab. Sie sind Mittler zwischen Betriebsleitung und Beschäftigten. Außerdem koordinieren sie die Mitarbeiter und kümmern sich um deren Weiterbildung. Auch als Ausbilder können sie arbeiten.

Den Abschluss kann man in knapp über 30 Fachrichtungen machen, etwa Elektrotechnik, Metall, Chemie, Pharmazie, Lack, Informatik, Mechatronik, Papier oder Kunststoff. Am weitesten verbreitet ist die Fachrichtung Metall.

Wer kann Industriemeister werden?

Voraussetzungen für die Teilnahme an den Prüfungen sind eine abgeschlossene Berufsausbildung und Berufserfahrung. Wer sich für die Weiterbildung interessiert, sollte zunächst aber auch überlegen, ob er die Eigenschaften mitbringt, die Industriemeister im Alltag brauchen: vor allem Organisationstalent und Kommunikationsfähigkeit sowie die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Kann mein Arbeitgeber mich unterstützen?

Es ist auf jeden Fall sinnvoll, mit seinem Arbeitgeber über die Weiterbildungspläne zu sprechen. So erfährt man, ob und wo man im Betrieb als Industriemeister Aufstiegsmöglichkeiten hat.

Außerdem sind viele Arbeitgeber bereit, die Weiterbildung zu fördern. Dafür wiederum gibt es verschiedene Varianten. Das Unternehmen kann zum Beispiel einen Teil der Kosten übernehmen oder auch eine Freistellung für den Lehrgang ermöglichen.

Auf welchen Wegen kann man die Weiterbildung machen?

Um Industriemeister zu werden, muss man eine Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer ablegen. Die Meisterprüfung ist bundesweit einheitlich geregelt und besteht aus mehreren Teilen.

Zur Vorbereitung gibt es bei vielen Anbietern Kurse in Vollzeit oder in Teilzeit, sowie in zahlreichen weiteren Varianten, etwa als Samstagslehrgang – oder als Fernlehrgang. Je nach Modell dauern die Vorbereitungskurse zwischen sechs Monate und vier Jahre. Die Durchfallquote der Prüflinge, die es ohne Lehrgang versuchen, ist übrigens sehr hoch.

Was kostet es mich?

Man muss mit Kosten von rund 3.000 bis 6.000 Euro rechnen. Häufig unterstützt die Firma das Vorankommen. Und auch sonst muss man in aller Regel diese Ausgaben nicht alleine tragen, denn es gibt Fördermöglichkeiten. Vor allem das Aufstiegs-Bafög (früher: „Meister-Bafög“). Wie das Aufstiegs-Bafög funktioniert, lesen Sie auf aktiv-online.de

Weiterbildungswillige können auch einen Bildungskredit beim Bundesverwaltungsamt beantragen. Dort bekommt man unter bestimmten Voraussetzungen zinsgünstig Geld zur Finanzierung seines Vorhabens.

Lohnt sich der Aufwand?

In einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer sagen 73 Prozent der Absolventen, dass die Weiterbildung sich im Beruf vorteilhaft ausgewirkt hat. Und: Knapp 80 Prozent würden sich wieder dafür entscheiden.

„Eine qualifizierte Weiterbildung lohnt sich in jedem Fall“, sagt Andrea Bosch, Leiterin der Abteilung Berufliche Bildung und Fachkräfte bei der IHK Region Stuttgart. „Nicht nur für die eigene Persönlichkeitsentfaltung, sondern auch in Bezug auf die Verdienstmöglichkeiten. Eine Studie des BWIHK zeigt, dass jemand, der nach der Ausbildung eine qualifizierte Weiterbildung macht, im Laufe seines Berufslebens etwa so viel verdient wie Akademikerinnen und Akademiker.“