Köln. Vielerorts sind die Mieten stark gestiegen. In manchen Großstädten gelten Quadratmeter-Preise von 10 Euro kalt fast schon als Schnäppchen... Betroffenen mit wenig Geld hilft oft unser Sozialstaat – mit einer speziellen Leistung: dem Wohngeld.

„Es hat das Ziel, dass auch Menschen mit niedrigem Lohn nicht mehr als etwa ein Drittel ihres Einkommens für die Miete ausgeben müssen“, sagt Professor Michael Voigtländer, Immobilienexperte am Institut der deutschen Wirtschaft. Nach Daten des Statistischen Bundesamts werden an betroffene Haushalte im Schnitt immerhin rund 150 Euro im Monat ausgezahlt.

Auch Eigentümer können Wohngeld bekommen – als „Lastenzuschuss“

Wohngeld gibt es übrigens nicht nur für Mieter, sondern auch für Eigentümer. Das heißt dann „Lastenzuschuss“. Häuslebauer, die finanziell in der Klemme stecken, können also ebenfalls einen Antrag stellen.

Einen ersten groben Anhaltspunkt dafür, ob man einen Anspruch aufs Wohngeld haben könnte, geben amtliche Wohngeldrechner im Internet (zum Beispiel einer aus Berlin, der auch für andere Bundesländer brauchbar ist). Ob und wie viel am Ende tatsächlich gezahlt wird, wird in jedem Einzelfall nach einem komplizierten Verfahren berechnet. Es kommt unter anderem darauf an, wie viel man verdient, wie viele Personen zum Haushalt gehören, wie hoch die Miete ist und in welcher Stadt man wohnt.

Wohngeld-Grenzwerte hinken der Mietpreisentwicklung hinterher

Sowohl beim Einkommen als auch bei der Miete gibt es aber Höchstgrenzen – und genau das ist momentan das Problem: „Die Mietpreisentwicklung läuft den Grenzwerten davon“, kritisiert Voigtländer. Folge: Das insgesamt ausgezahlte Wohngeld sinkt, obwohl es wegen der steigenden Mieten ja eigentlich steigen müsste! „Das liegt aber auch an den Lohnzuwächsen der letzten Jahre, sodass einige inzwischen ,zu viel’ verdienen und deshalb keinen Anspruch mehr haben“, ergänzt der Wissenschaftler. Er plädiert schon lange dafür, die Grenzwerte regelmäßig an die Inflations- und Mietpreisentwicklung anzupassen.

Was bedeutet das nun für die Praxis? „Ein Antrag kann sich lohnen, wenn das Nettoeinkommen nicht wesentlich höher als der Grundsicherungsbedarf und die Miete relativ hoch ist“, so Voigtländer. Nach seinen Berechnungen kann eine Familie mit zwei Kindern in Großstädten bis zu einem Jahresbruttogehalt von um die 38.000 Euro noch Wohngeld bekommen, ein Single bis zu einem Einkommen bis etwa 18.000 Euro.

Auszubildende mit eigener Wohnung können Wohngeld beantragen

Damit kann diese Sozialleistung zum Beispiel auch Teilzeitkräften, Alleinerziehenden oder Senioren mit mickriger Rente helfen. Azubis mit eigener Wohnung können ebenfalls Wohngeld bekommen. Studenten mit eigenem Haushalt dagegen haben normalerweise keinen Anspruch: Die Kosten ihrer Unterkunft sind bei der Bafög-Förderung beziehungsweise beim elterlichen Unterhalt einkalkuliert.

Wohngeld wird in der Regel generell nur für ein Jahr bewilligt, man muss also regelmäßig einen neuen Antrag stellen. „Das ist zwar lästig“, räumt der Experte ein, „aber dafür wird so sichergestellt, dass Wohngeld tatsächlich nur an Bedürftige gezahlt wird.“

Noch ein wichtiger Hinweis: Wer mit seinem Einkommen unterhalb der Grundsicherung liegt, sollte prüfen, ob ein Antrag auf ergänzende Sozialhilfe nicht sinnvoller wäre als einer auf Wohngeld. Aber: „Beim Wohngeld gibt es keine Sanktionen, wie man das von der Grundsicherung her kennt“, erklärt Voigtländer. Zwar muss man auch beim Antrag auf Wohngeld seine gesamten laufenden Einnahmen offenlegen. Anders als bei der Grundsicherung wird aber das Vermögen (von Riesensummen mal abgesehen) nicht berücksichtigt: Man muss also nicht erst sein Erspartes für die Miete aufbrauchen, bevor es Wohngeld gibt. Auch das Einkommen von unterhaltspflichtigen Familienangehörigen spielt beim Wohngeld, anders als bei der Grundsicherung, keine Rolle.