Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Eine Sozialwohnung darf nur an Personen mit Wohnberechtigungsschein (WBS) vermietet werden.
  • Anspruch und Einkommensgrenzen hängen vom Haushaltseinkommen und vom Bundesland ab. Die Berechnung erfolgt individuell durch die zuständige Behörde.
  • Ein WBS gilt meist ein Jahr. Beim Umzug in ein anderes Bundesland braucht man gegebenenfalls einen neuen WBS. 

Bezahlbare Wohnungen in Großstädten: oft Fehlanzeige. Wenn überhaupt etwas Günstiges angeboten wird, dann für Interessenten mit Wohnberechtigungsschein (WBS), auch §-5-Schein genannt. Doch wer bekommt den WBS – und wie kommt man da ran?

Was sind Sozialwohnungen?

Laut Wohnungsbaugesetz kann der Staat den Bau von Mietshäusern fördern, damit sozial schwache Bevölkerungsgruppen eine bezahlbare Bleibe finden. Diese Wohnungen werden als Sozialwohnungen bezeichnet. Im Gegenzug für diese Geldspritzen gilt:

  • Wer Sozialwohnungen vermietet, darf dafür nur eine relativ geringe Miete verlangen. Das heißt: Sie liegt deutlich unter dem marktüblichen Niveau. Diese Vorgabe nennt man Mietpreisbindung.
  • Außerdem darf der Vermieter nur an Personen mit einem WBS vermieten. Hält er sich nicht daran, kann ihn das bis zu 50.000 Euro Geldbuße kosten.

Was sagt ein Wohnberechtigungsschein überhaupt aus?

Wenn der Vermieter nur an Personen mit geringem Einkommen vermieten darf, muss das geprüft werden. Dafür ist die örtlich zuständige Behörde verantwortlich, etwa das Wohnungsamt oder das Bezirksamt. Der WBS stellt somit eine amtliche Bestätigung dar, dass alle Voraussetzungen für den Bezug einer Sozialwohnung erfüllt sind.

Fakten & Hintergründe

Wieviel darf man verdienen, um einen WBS zu bekommen?

Das zentrale Kriterium für einen WBS ist das Haushaltseinkommen. Die genauen Einkommensgrenzen sind allerdings sehr unterschiedlich, da jedes Bundesland die entsprechenden Werte selbst festlegen kann. Die genaue Berechnung ist kompliziert, denn

  • sie hängt von der Personenanzahl im Haushalt ab und
  • das Amt muss verschiedene Freibeträge berücksichtigen.

Dies bedeutet: Man muss individuell prüfen lassen, ob man einen Anspruch auf einen WBS hat. Immer mehr Gemeinden haben Rechner ins Internet gestellt, mit denen man unverbindlich ausrechnen kann, ob man den Schein voraussichtlich bekommt.

Die Einkommensgrenzen gelten für den sogenannten Typ-A-Wohnberechtigungsschein. Wer mehr verdient, kann unter Umständen noch den Typ-B-Schein bekommen. Damit darf man nur noch in bestimmte, in der Regel aber teurere Sozialwohnungen einziehen.

Was ist ein Dringlichkeitsschein (WBS mit besonderem Wohnbedarf)?

Einige Menschen sind ganz besonders auf eine günstige Wohnung angewiesen, beispielsweise Alleinerziehende, Schwangere oder Menschen mit Behinderung. In solchen Fällen kann man einen Dringlichkeitsschein (Wohnberechtigungsschein mit besonderem Wohnbedarf) bekommen.

Manche Sozialwohnungen bekommt man grundsätzlich nur mit einem solchen Dringlichkeitsschein. Auch wenn die Behörde selbst Wohnungen vermittelt, geht sie bei der Auswahl der Bewerber nach der Dringlichkeit.

Wo stellt man wie einen Antrag auf einen Wohnberechtigungsschein?

Über die Voraussetzungen informiert die zuständige Behörde des jeweiligen Wohnorts, etwa das Wohnungsamt oder das Bezirksamt. Dort kann man zudem den Antrag stellen und erfährt, welche Unterlagen man einreichen muss. Je nach Einzelfall sind das beispielsweise

  • Einkommensnachweis,
  • Geburtsurkunden,
  • Heiratsurkunde,
  • Mutterpass.

Inzwischen gibt es in den meisten Gemeinden entsprechende Informationen und Antragsformulare online. Man findet sie per Internetrecherche mit dem Suchwort „Wohnberechtigungsschein“ sowie dem Namen des eigenen Wohnorts. Bei sehr kleinen Orten nimmt man den Namen der nächstgrößeren Gemeinde, die auch sonst für die Belange der Bürger zuständig ist.

Wie viel kostet der Wohnberechtigungsschein?

Das ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Meist liegen die Gebühren zwischen 0 und 30 Euro.

Wie lange gilt der Wohnberechtigungsschein?

In der Regel gilt der Wohnberechtigungsschein für ein Jahr, und zwar in dem Bundesland, in dem er ausgestellt wurde. Beim Umzug in ein anderes Bundesland sollte man nachfragen, ob der bisherige WBS dort anerkannt wird oder ob man einen neuen beantragen muss.

Kommt man auch ohne Wohnberechtigungsschein in eine Sozialwohnung?

In der Regel ist das nicht möglich. Es gibt laut Gesetz aber Ausnahmen, etwa wenn die Gemeinde ein Interesse daran hat, bestimmte Stadtteile sozial zu durchmischen. Dann können manchmal Besserverdienende ohne Wohnberechtigungsschein in Sozialwohnungen einziehen. Dies entscheidet die Behörde, nicht der Vermieter.

Wie groß darf die Sozialwohnung sein?

Das hängt von der Personenanzahl im Haushalt ab.

  • Bei Singles gelten in der Regel bis zu 50 Quadratmeter als angemessen.
  • Bei Mehrpersonenhaushalten gilt die Faustregel: Pro Person ein Wohnraum oder – je nach Bundesland – etwa 10 bis 15 Quadratmeter mehr.

Eine vierköpfige Familie hätte also Anspruch auf eine Vierzimmerwohnung oder rund 85 bis 95 Quadratmeter. Küche, Bad und Flur gelten nicht als Zimmer.

Wie kommt man zu einer Sozialwohnung?

Manche Sozialwohnungen darf der Vermieter nur an Personen vermieten, die ihm die Gemeinde direkt vermittelt hat. Meist benennt die Behörde dann mehrere Berechtigte zur Auswahl, unter denen der Vermieter wählen kann.

Indes: Es gibt Sozialwohnungen, bei denen das Amt kein Mitspracherecht hat. Der Vermieter kann in diesen Fällen frei entscheiden, an welchen WBS-Inhaber er vermietet.

Manche Gemeinden haben eine eigene Wohnraumvermittlung oder ein Internetportal, in dem man gezielt nach Sozialwohnungen suchen kann. Viele Sozialwohnungen gehören örtlichen Wohnungsbaugenossenschaften, hier kann man direkt nachfragen. Ansonsten werden Sozialwohnungen wie reguläre Wohnungen in Immobilienportalen sowie in der Presse angeboten.

Die Vergabe der Wohnung funktioniert wie üblich: Man bewirbt sich bei einer Besichtigung um die Wohnung. Dann entscheidet der Vermieter, an wen er vermietet.

Wie lange bleibt die Miete so günstig?

Einmal Sozialwohnung, immer Sozialwohnung – das stimmt leider nicht. Die Vorgaben für den Vermieter gelten nur eine bestimmte Zeit. Oft sind das mehrere Jahrzehnte.

Ist die Mietpreisbindung ausgelaufen, entfallen die bisherigen Beschränkungen. Es ist somit kein WBS mehr nötig. Die ehemalige Sozialwohnung wird dann wie eine normale Wohnung auf dem freien Markt behandelt, entsprechende Mieterhöhungen inbegriffen.

Wie lange die Mietpreisbindung bei einer Wohnung noch läuft, erfährt man bei der zuständigen Behörde. Auf diese Information hat man laut Gesetz einen Rechtsanspruch.

Wie lange darf man in einer WBS-Wohnung bleiben?

Mieter dürfen weiter in der Sozialwohnung wohnen bleiben, sogar wenn ihr Einkommen nach einiger Zeit die vorgegebenen Grenzwerte übersteigt. In manchen Bundesländern wird jedoch eine sogenannte Fehlbelegungsabgabe erhoben. In diesem Fall müssen Betroffene einen Aufschlag auf die Miete bezahlen, weil sie in einer Sozialwohnung leben, die ihnen eigentlich nicht mehr zusteht.

Silke Becker
Autorin

Silke Becker studierte Soziologie, BWL, Pädagogik und Philosophie. Seit ihrem Abschluss arbeitet sie als Redakteurin und freie Journalistin. Außerdem hat sie mehrere Bücher veröffentlicht. Am liebsten beschäftigt sie sich mit den Themen Geld, Recht, Immobilien, Rente und Pflege.

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