Köln. Das Schloss der Haustür lässt sich aus der Ferne überwachen, die Wohnungsheizung springt schon während der Heimfahrt vom Büro wieder an: Die neue Welt des intelligenten Heims macht es möglich.

Die digitale Vernetzung und Steuerung von Geräten erfasst nun auch das Wohnen. „Das Smarthome wird unser Leben in den nächsten 15 Jahren massiv verändern“, sagt Chris Bertko, Experte für digitales Wohnen, Blogger und Buchautor („Home, Smart Home“). „Die neuen Techniken werden im Haushalt schon bald so selbstverständlich sein wie Strom, Licht und Wasser.“

6,1 Millionen Haushalte nutzen schon mindestens eine Smarthome-Anwendung

Schon heute nutzen immerhin 6,1 Millionen deutsche Haushalte mindestens ein Smarthome-System, steuern Lampen per Handy oder hören via Sprachassistent Musik. „Der Markt wächst um 20 Prozent pro Jahr“, schätzt Robert Spanheimer, Bitkom-Experte fürs intelligente Heim. Auch laut dem „Digital Market Outlook“, einer Erhebung der Firma Statista, wird der Umsatz mit den smarten Produkten hierzulande rasant wachsen: von 2,8 Milliarden Euro (2018) auf 7,2 Milliarden Euro (2023).

Für Schub sorgt dabei, dass die Technik zunehmend günstiger wird. Ein Starterset für die smarte Beleuchtung – etwa von Ikea, Philips, Osram oder Paulmann – kann der Anfänger schon für 100 bis 300 Euro erwerben. Für Heizungszubehör muss der Verbraucher bei fünf Thermostaten ungefähr 300 Euro auf den Ladentisch legen. „Das ist noch nicht billig, aber erschwinglich“, findet Experte Bertko. „Allerdings reichen die Startersets in der Regel nur für einen Teil der Wohnung.“ Man könne jedoch Stück für Stück zukaufen.

Schrittweiser Ausbau ist durchaus möglich

Der zweite Anschub-Faktor ist die zunehmende Verbreitung von Sprachassistenten wie Alexa, Google Home oder Siri in den Haushalten. Sie machen die Bedienung ganz einfach: „Alexa, dimme das Licht!“, „Siri, dreh die Heizung hoch!“

Experte Bertko rät, vor dem Kauf genau zu überlegen: Was will man mit Smarthome machen? Nur Licht und Heizung steuern oder mehr? „Wer sein Smarthome sukzessive ausbauen will, sollte darauf achten, dass es mit möglichst vielen Geräten kompatibel ist.“

Wenn das Smartphone die Heimfahrt vom Büro an die Heizung meldet

Heißt: Die Steuerzentrale, die sogenannte Bridge, über die alle Befehle zu den einzelnen Geräten laufen, sollte für diese Kommunikation einen möglichst weitverbreiteten Funkstandard nutzen. Dazu gehören Z-Wave, den global 700 Hersteller verwenden, Zigbee und Enocean. Noch besser, wenn die Bridge sogar mit zwei Standards arbeiten kann. Und wer via Sprachassistent steuern will, braucht eine Bridge, die das unterstützt.

Bertko gibt allerdings zu bedenken: „Richtig interessant wird Smarthome erst, wenn man man verschiedene Funktionen miteinander verbindet.“ Zum Beispiel: Das Smartphone meldet die Heimfahrt vom Büro an die Bridge – und die dreht schon mal die Heizung wieder hoch. „Das muss man aber alles selbst einstellen“, so Bertko. Technik-Freaks dürften es da leichter haben …

Haushalt

Im Haushalt 4.0 hören Backofen, Herd und Spülmaschine auf Smartphone oder Sprachassistent. Eine App teilt mit, dass der Braten aus dem Backofen genommen werden kann oder der Geschirrspüler fertig ist. Wer beim Einkauf nicht mehr weiß, wie viel Milch noch da ist, schaut via App im Kühlschrank nach. Geräte von Siemens, Bosch oder Miele machen bei jedem Schließen der Tür ein Foto vom Inhalt und senden es ans Handy.

Bei modernen Waschmaschinen gibt man per App nur ein, aus welchen Fasern und wie schmutzig die Wäsche ist, die Software der Maschine wählt dann die sparsamste Betriebsart. Dabei nimmt sie nur so viel Waschmittel (aus einem Tank) wie unbedingt nötig. Das spart auch Wasser, weil wenig Waschmittel schneller ausgespült ist.

Heizung

So peppt man die Heizung auf: Einfach die alten Regler durch vernetzte Thermostate ersetzen. Das macht vieles möglich. Die Steuerung dieser Thermostate kann zum Beispiel lernen, wie warm es die Bewohner gern haben und wann.

Oder man verknüpft die Heizkörper mit den (eigentlich für die Wohnungssicherheit gedachten) Öffnungssensoren an Fenstern: Wird gelüftet, wird die Heizung automatisch gedrosselt. Um 20 bis 30 Prozent können Haushalte so ihren Gasverbrauch absenken, ergab eine Studie der Technischen Hochschule Köln.

Sicherheit

Alles okay im verwaisten Eigenheim? Der Wunsch nach Sicherheit steht für viele Verbraucher weit vorne, wenn sie ihr Heim smart machen wollen. Ein Bewegungsmelder lässt sich heute dank moderner Technik mit Radio oder Fernseher koppeln. Nähert sich jemand dem Haus, springt der TV-Apparat an und täuscht vor, dass jemand daheim ist. Oder die Überwachungskamera, die die Person erfasst, fährt die Jalousien runter. Sensoren an Fenstern und Türen registrieren, wenn sie geöffnet werden, und senden eine Nachricht ans Handy. Dann kann man die Polizei informieren.

Zum Vorbeugen gegen Einbrüche kann man vorgeben, dass abends nach dem Zufallsprinzip Lampen im leeren Haus an- und ausgehen. Für die Bewohner selbst bringen per WLAN vernetzte Rauchmelder mehr Schutz: Springt einer an, geben auch die anderen sofort Alarm.

Licht

Grelles Licht am frühen Morgen ist nicht sehr angenehm. Da hilft smarte Lichttechnik, mit der man die Lichtfarbe dem Tagesverlauf anpassen kann. Morgens begrüßt einen sanftes Licht im Bad, tagsüber fördert blaues Licht die Konzentration der Kinder bei den Hausaufgaben und abends hilft warmes Licht entspannen. Solche Systeme gibt es von Ikea, Osram oder Philips. Mit smarten LED-Birnen kann man jede alte Lampe nachrüsten.

Man kann das Licht sogar mit der Musik aus der Stereoanlage synchronisieren! Zur Musik gibt es dann passende Licht- und Farbimpulse.

Wer es nüchterner mag und Strom sparen möchte, koppelt das Licht im Flur an einen Bewegungsmelder. Damit es automatisch an- und wieder ausgeht. Und fürs Zu-Bett-Gehen gibt es einen Funkwandschalter, mit dem man alle Lampen auf einmal ausknipst.

Garten

Im Sommer abends immer Blumen gießen? Wem das zu lästig ist, der kann seine Beete mit Hightech ausstatten. Bewässerungssensoren im Boden messen die Feuchtigkeit und funken die Messwerte an eine Steuerzentrale. Die regelt anhand dieser Werte über einen elektronischen Adapter zwischen Wasserhahn und Schlauch, ob und wie lange die Sprinkleranlage sprüht. Auch per App kann der Hobbygärtner das steuern. Solche Systeme gibt es zum Beispiel von Herstellern wie Gardena und Miyo.

Der Gartenliebhaber kann einen Schlauch auch über ein funkfähiges Ventil an den Wasserhahn anschließen. Dann kann er die Sprinkleranlage per Smartphone oder Sprachbefehl dirigieren. Über einen Zwischenstecker holt man selbst den alten Gartenbrunnen in die smarte Moderne.