Wenn der Postmann zweimal klingelt … Schön wär’s. Angesichts der Flut an Paketen ist mancher Zusteller froh, wenn er die Sendung gleich beim ersten Anlauf loswird – und drückt sie dem Nachbarn in die Hand. Erlaubt? Ja, aber… Die meisten Zustelldienste behalten sich in den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) vor, die Sendungen auch beim Nachbarn abzuladen. Bedingung für diese „Ersatzzustellung“ ist allerdings, dass der Paketdienst den Empfänger darüber informiert, dass die Sendung woanders deponiert worden ist. Das hat das Oberlandesgericht Köln in einem Urteil 2011 klargestellt (OLG Köln, 2.3.2011, 6 U 165/10).

Das Benachrichtigungskärtchen muss in den Briefkasten, vorausgesetzt, es ist einer vorhanden und zugänglich. Den Zettel einfach an den Klingelknopf kleben, wo ihn jeder mitnehmen kann, darf der Bote nicht.

Ein weiteres Problem: Der Begriff „Nachbar“ ist im deutschen Sprachgebrauch mitunter weit gefasst. Was, wenn man in einem zehnstöckigen Mietshaus wohnt? Oder in einer weitläufigen Wohnanlage? Dann kann man am anderen Ende des Viertels nach seinem Päckchen fahnden. Noch schlimmer: Die Sendung landet bei einem Nachbarn, mit dem man gerade im Clinch liegt. Wer klingelt da schon gern?

Gut gegen Neugier: Packstation oder Vermerk bei der Bestellung

Die Rechtschutzversicherung Arag gibt den Tipp: „Wer nicht möchte, dass der Nachbar die Sendung empfangen darf, kann das bei der Bestellung angeben. Bei Ordern im Internet kann man sich oft schon im Online-Shop, zum Beispiel im Kommentarfeld auf der Bestellseite davor schützen. Der Vorteil: Der Händler muss den Kaufpreis erstatten, falls die Ware ihr Ziel nicht erreicht – und noch einmal liefern.

Das gilt allerdings nicht für private Absender. Geht Omas Weihnachtspäckchen unterwegs verloren, haftet zwar der Paketdienst. Sobald ein Nachbar jedoch den Empfang bestätigt hat, greift die Ersatzzustellungsklausel aus den AGB. Sprich: Der Auftrag gilt als ordnungsgemäß erledigt.

Lieferung an den Wunschnachbarn

Einige Zusteller bieten an, für künftige Sendungen vorab einen empfangsberechtigten Nachbarn zu benennen. Etwa der Paketdienst DHL: Hier kann man einen Wunschnachbarn bestimmen, bei dem die Pakete hinterlegt werden dürfen, sollte man selbst nicht zu Hause sein. Eine Alternative ist der Versand an eine Packstation oder an eine Abholstation des Paketdienstes Hermes, meist kleinere Läden oder der Kiosk um die Ecke: Da kann man das Päckchen dann selbst abholen.

Tipp der Rechtschutzversicherung: „Sollte es sich um eine besonders wertvolle Sendung handeln, sollten Sie einen „versicherten Versand“ in Auftrag geben. Hierbei haftet der Paketzusteller bis zu einem bestimmten Betrag (meist bis 500 Euro).

Vor der Tür ablegen ist nicht erlaubt

Die Sendung einfach vor der Tür abzulegen, ist nicht erlaubt. Darauf weisen die Juristen von Arag ebenfalls hin. Macht es sich der Bote dennoch bequem und verschwindet eine Bestellung, ist der Händler der Ansprechpartner. Er muss dann den Kaufpreis erstatten, auch wenn eine dritte Person das Paket gestohlen hat.

Ausnahme sind sogenannte Garagenverträge. Hier vereinbart der Zusteller mit dem Empfänger einen Ort, an dem der das Paket ausdrücklich ablegen darf – zum Beispiel einen Schuppen oder eine Garage. Der Haken an der Sache: Klaut jemand das Ding, haftet man selbst.

Ärger mit Päckchen vermeiden

Wird das Paket beim Nachbarn (aus Versehen) beschädigt oder geht es verloren, so kommt es auf den sogenannten Gefahrübergang an, erläutern die Arag-Experten. Versenden Privatleute Pakete, so geht die Gefahr, dass die Ware beschädigt oder verloren geht, zum Zeitpunkt der Übergabe an den Paketzusteller über.

Wird das Paket dagegen von einem Unternehmer im Rahmen der Erfüllung eines Kaufvertrags mit einem Verbraucher versendet, geht die Gefahr erst dann über, wenn der Privatkäufer die Ware erhalten hat. Ansonsten ist der Kaufvertrag nicht erfüllt und der Unternehmer hat Haftungsansprüche gegen den Zustelldienst. Der Käufer wiederum kann vom Unternehmer verlangen, den Kaufpreis zu erstatten.

Nachbar ist zur Annahme nicht verpflichtet

Übrigens muss man fremde Pakete nicht annehmen. Hier ist man als Nachbar zu nichts verpflichtet.

Doch wenn man dem Boten die Tür geöffnet hat und eine fremde Sendung annimmt, sollte man sie sorgfältig behandeln. Und nicht wochenlang im Flur horten, sondern abliefern, sobald der Nachbar wieder zu Hause ist.

Auch hierzu ein Tipp der Versicherung: Pakete mit eingerissenem Karton auf keinen Fall annehmen. Denn mit der Unterschrift bestätigt man, dass mit der Lieferung alles in Ordnung ist.