Berlin. In den ersten Lebensjahren ihrer Kinder bleiben viele Eltern ganz oder teilweise zu Hause – womit niedrigere Zahlungen an die gesetzliche Rentenkasse verbunden sind. Damit sich das nicht allzu negativ auf die spätere Rente auswirkt, hilft der Sozialstaat mit den Kindererziehungszeiten.

Das Prinzip: Jenes Elternteil, das sich hauptsächlich um den Nachwuchs kümmert, erhält für drei Jahre pro Kind Rentenbeiträge gutgeschrieben. In der Höhe, wie sie bei einem Durchschnittseinkommen fällig gewesen wären. Die monatliche Rente erhöht sich so pro Kind um derzeit rund 100 Euro!

Die Erziehungszeiten werden vom Bund finanziert – mit fast 20 Milliarden Euro pro Jahr aus Steuermitteln

Die Zahlung der entsprechenden Beiträge an die Rentenkasse leistet der Bund aus Steuermitteln, wie Gundula Sennewald von der Deutschen Rentenversicherung erklärt: insgesamt rund 19 Milliarden Euro pro Jahr.

Die Erziehungszeit beträgt 36 Monate pro Kind. „Bei zwei Kindern werden also 72 Monate berücksichtigt, egal, wie weit die beiden Geburten auseinanderliegen“, erklärt die Expertin.

Die Erziehungszeit beginnt mit dem Monat nach der Geburt, von der die Rentenkasse durch das Austauschverfahren mit den Meldeämtern erfährt. „Dann bekommt die Mutter ein Schreiben, in dem sie über die Ansprüche auf Kindererziehungs- und Berücksichtigungszeiten informiert wird“, so Sennewald. Aber Achtung: Damit man die Zeiten dann tatsächlich angerechnet bekommt, müssen sie formal beantragt werden – und immer für vergangene Zeiträume.

Junge Väter müssen aufpassen: Kindererziehung ist für die Rentenkasse erst mal nur Sache der Mütter...

Zwar kann es genügen, das im Rahmen einer Kontenklärung oder sogar erst beim Rentenantrag zu erledigen. Oft ist es aber besser, nicht zu warten! Denn die Rentenversicherung geht im Prinzip nach wie vor einfach davon aus, dass die Mutter sich ums Kind kümmert. Soll die Erziehungszeit aber ganz oder teilweise dem Vater zugutekommen, müssen die Eltern das der Rentenkasse mitteilen. „Das sollte dann möglichst zeitnah geschehen, weil eine solche Erklärung höchstens für zwei Monate rückwirkend abgegeben werden kann“, sagt Sennewald. Macht der Vater eine Erziehungszeit erst später geltend, kann es kompliziert werden.

Grundregel: 36 Monate pro Kind werden sehr großzügig für die Rente berücksichtigt.

Auch wer einen Vertrag über eine Riester-Rente hat, sollte jede Erziehungszeit schnell bei der Rentenversicherung anmelden: Denn in dieser Zeit bleibt der betreuende Elternteil unmittelbar zulagenberechtigt. Die ganz Sache zahlt sich übrigens auch dann aus, wenn Vater oder Mutter während der ersten Lebensjahre des Nachwuchses zum Beispiel in Teilzeit arbeiten und daher selbst Rentenbeiträge einzahlen. „Die Kindererziehungszeiten gibt es dann obendrauf“, sagt die Expertin.

Insgesamt werden jedoch nur Beiträge berücksichtigt, die einem Einkommen in Höhe der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung entsprechen. Diese liegt ab Januar 2021 bei 7.100 Euro in den alten Bundesländern, in den neuen Bundesländern sind es 6.700 Euro.

Erziehungszeiten: Einfache Regeln für spezielle Fälle

36 Monate Erziehungszeit pro Kind: Diese Grundregel gilt natürlich auch bei Zwillingen, Drillingen und anderen Mehrlingsgeburten. Bei Zwillingen bekommen die Eltern also insgesamt sechs Jahre mit Durchschnittsverdienst auf dem Rentenkonto gutgeschrieben – wie auch immer sich Mutter und Vater diese Zeit aufteilen.

Auch Stiefeltern sind erziehungszeitberechtigt. Und sogar die Großeltern oder andere Verwandte eines Kindes können Erziehungszeiten anmelden, wenn sie ein Kind dauerhaft in Obhut nehmen.

Wer ein Kind adoptiert, kann ebenfalls Kindererziehungszeit geltend machen. Allerdings nur, wenn das Kind zum Zeitpunk der Adoption noch keine drei Jahre alt war – und auch dann nur mit den bis zum dritten Geburtstag noch verbleibenden Monaten.