Arbeitsunfähigkeit

Was man während einer Krankschreibung tun darf

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Dem Chef am Telefon was vorhusten, sich krankmelden und dann raus in den Garten – um endlich die alte Tanne hinterm Haus zu stutzen. Besser nicht, denn „grob genesungswidriges Verhalten“ kann ein Kündigungsgrund sein.

„Ist ein Arbeitnehmer arbeitsunfähig krankgeschrieben, muss er alles tun, damit er möglichst schnell wieder gesund wird“, sagt Martin Eckstein, Referent in der Abteilung Arbeits- und Tarifrecht des Arbeitgeberverbands BDA. „Mit Bronchitis Bäume fällen gehört nicht dazu.“

Absolute Ruhe?

Was erlaubt ist, hängt von der Krankheit ab. „Nicht jede fesselt einen gleich ans Bett“, so Eckstein. „Krankschreibung heißt nicht, dass man sich nicht mit Lebensmitteln versorgen darf, wenn der Kühlschrank leer ist.“

Einkaufen, Hausarbeit, zwingende Behördengänge, Bewegung an der frischen Luft. Das ist aus Arbeitgebersicht ok. Sofern der Arzt nicht strenge Bettruhe verordnet hat, wie etwa bei einer schweren Grippe und hohem Fieber. Auch ungünstig: Wenn einen Kollegen oder Vorgesetzte dann abends mit Kippe und Bier vor der Kneipe antreffen.

Auf „angemessenes Verhalten“ kommt es an. Doch da ist der Arbeitnehmer, der in den Skiurlaub fährt, obwohl er aufgrund einer Hirnhautentzündung arbeitsunfähig ist (BAG, 2.3.2006, 2 AZR 53/05). Oder der „erkrankte“ Arbeitnehmer eines Bauhofs, der trotz bereits erfolgter Abmahnung während der Arbeitsunfähigkeit umfangreiche Garten- und Baumfällarbeiten vornimmt (LAG Nürnberg, 7.9.2004, 6 Sa 116/04). Negativbeispiele wie diese gibt es immer wieder: Eckstein: „Da ist die Grenze ganz klar überschritten.“

Paragraf 241, Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) verweist auf die Pflichten, die sich aus einem Vertrag, auch dem Arbeitsvertrag, ergeben: Nämlich die Rücksicht auf die Rechte des anderen (in diesem Fall des Arbeitgebers). „Danach ist der Arbeitnehmer verpflichtet, alles zu unterlassen, was ihn daran hindern würde, seinen Einsatz zu leisten“, so Eckstein. Ist er wegen Krankheit dazu nicht in der Lage, muss er das Seine dazu beitragen, das möglichst schnell wieder zu ändern.

Ärztlichen Rat befolgen

Eine gute Messlatte für das eigene Verhalten im Krankheitsfall ist der Rat des eigenen Arztes. „Darauf sollte man unbedingt hören“, so Eckstein. Empfehle der Mediziner Spaziergänge an der frischen Luft, spreche nichts dagegen.

Ein Arbeitnehmer muss seine Arbeitsunfähigkeit dem Arbeitgeber unverzüglich mitteilen. Will heißen, gleich morgens zum Hörer greifen. Dauert sie länger als drei Tage, muss er eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU-Bescheinigung) vorlegen. Eckstein: „Der Arbeitgeber kann aber auch verlangen, dass man schon am ersten Tag zum Arzt geht.“

Jeder kann den Doktor seiner Wahl aufsuchen. Kommen Zweifel an der Richtigkeit der Krankschreibung auf, wird unter Umständen eine Diagnose des medizinischen Dienstes angefordert: Ein zweiter Arzt untersucht dann den Kranken. Allerdings ist dies nur auf Wunsch der Krankenkasse möglich. Denn nur die kann das Gutachten verlangen. Sie trägt schließlich nicht nur die Arztkosten, sondern begleicht auch das Krankengeld, wenn nach sechs Wochen Krankheit die Entgeltfortzahlung des Arbeitgebers endet.

Ein Fall für Nachforschungen besteht, wenn der Versicherte auffällig häufig krank ist, die einzelnen Krankschreibungen nur von kurzer Dauer sind oder jeweils auf Beginn und Ende der Woche fallen, Stichwort „verlängertes Wochenende“. Die Drohung „dann melde ich mich eben krank“, beinhalte ein klares Indiz für einen Pflichtverstoß des Arbeitnehmers, der gegebenenfalls auch zur Kündigung führen könne, wenn die Krankheit nur vorgetäuscht sei, so BDA-Experte Eckstein.

Wird ein arbeitsunfähig krankgeschriebener Arbeitnehmer in der Öffentlichkeit angetroffen, darf die Firma sogar Beweisfotos von ihm machen, entschied das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz (LAG Rheinland-Pfalz, 11.7.2013, 10 SaGa 3/13): Ein Produktionshelfer ging seinem Vater in der Waschanlage bei der Reinigung des Autos zur Hand. Das beobachtete sein Chef zufällig. Er war über die körperliche Verfassung des krankgeschriebenen Mitarbeiters erstaunt und fotografierte ihn. Der Verdacht der Vortäuschung der Arbeitsunfähigkeit rechtfertigt den Eingriff in das Persönlichkeitsrecht, so das Gericht.


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Gelber Schein: Lesen Sie auf AKTIVonline, warum man die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung unbedingt auch bei der Kasse abgeben sollte.

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