Trainer im Smartphone, Beifall aus dem Kopfhörer

Fitness-Apps helfen beim Joggen, beim Yoga – oder beim Abnehmen

Köln. Vielleicht sucht sich der Jogger im Bild oben ja nur einen neuen Song für den nächsten Kilometer. Genauso gut möglich aber, dass er sich gerade Applaus für seine Leistung in den Kopfhörer holt – Beifall von einem Kumpel, der in einer anderen Stadt im Büro hockt!

Das ist die verblüffende Nebenwirkung eines Trends, der wie so oft aus den USA kommt: „quantified self“. Dabei geht es um die Vermessung des Selbst, das „zählbare Ich“: Wie viele Schritte bist du heute gegangen? Wie viel Wasser hast du getrunken? Wie viele Stunden in der Tiefschlafphase verbracht?

Jeder Schritt wird gezählt

Das alles und noch viel mehr können Smartphone-Besitzer ratzfatz mithilfe von speziellen Fitness-Apps erfassen.

Bei manchen funktioniert das Zählen automatisch – beispielsweise, wenn es darum geht, wie viele Schritte man pro Tag läuft. Bei anderen muss man selbst die Daten eingeben – zum Beispiel, was man gegessen hat.

Belohnt wird man mit Tabellen und grafischen Übersichten der Leistung oder des Gesundheitszustands. Und das ist nicht nur eine Spielerei für Freunde von Zahlen und Statistiken – die Sache hat auch einen tieferen Sinn.

„Die kleinen Programme können motivieren“, betont Professor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Und sie können helfen, richtig zu trainieren: Wer beispielsweise die beliebte App „Runtastic“ nutzt, kann sie so einstellen, dass ein virtueller Trainer die Intervalle ankündigt.

Läuft man zu langsam, macht die digitale Stimme darauf aufmerksam: „Versuche, schneller zu laufen.“ Nutzt man außerdem einen Pulsmessgurt, lässt sich so auch aufzeichnen, wann man in welchem Pulsbereich läuft. Überdies werden die Laufstrecke sowie Steigungen und Geschwindigkeiten erfasst. Wer will, kann die Daten ins Internet hochladen und sich dort mit anderen Sportlern austauschen. Oder in sozialen Netzwerken auf seine aktuelle Aktivität aufmerksam machen: Bekommt man dafür Zuspruch von seinen Kontakten, hört man das im Kopfhörer als Applaus oder als motivierenden Zuruf.

Andere Apps wie zum Beispiel „Lose it“ verbinden sich mit entsprechenden, vernetzten Waagen, um so mehr Ergebnisse an einem Ort zu speichern.

Anfänger müssen vorsichtig sein

Auch die Krankenkassen beginnen, in diesem Markt mitzumischen. Die DAK beispielsweise bietet eine „Fit-Check-App“ an, mit der Mitglieder ihre Fitness belegen können. Dafür gibt’s Bonuspunkte und für diese dann Prämien.

Aber Achtung! „Viele stürzen sich unvorbereitet in ein heftiges Trainingsprogramm“, sagt Froböse. „Damit riskiert man Verletzungen. Darum sollten sich Menschen über 35 zuerst von einem Arzt beraten lassen, welche Sportart sinnvoll sein könnte.“

Probleme kann es aber auch geben, wenn ein Yoga- oder Pilates-Einsteiger Übungen nach der Anleitung in einer App macht und nie von einem aufmerksamen Beobachter korrigiert wird. Eine falsche Haltung kann da aber schnell schmerzhaft werden. Darum ist es sinnvoll, solche Apps erst dann einzusetzen, wenn man bereits erste Erfahrungen mit der gewählten Sportart gesammelt hat – ganz klassisch, in einem Kurs oder im Fitnessstudio.


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Es gibt viele gute Gründe, Sport zu machen. Und viele mehr oder weniger gute Ausreden, erst gar damit anzufangen. Doch diese zehn Apps bringen Einsteiger leichter in Form – kostengünstig bis gratis, immer und überall verfügbar.

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