Arbeiten in der Nachtschicht: Was Beschäftigte über Nachtzuschläge und gesunden Schlaf wissen sollten
Nachtschicht bringt mehr Geld – aber welche Nachtzuschläge stehen Beschäftigten zu? Und wie schaffen es Nachtschichtler, tagsüber für gesunden Schlaf zu sorgen, ohne das Privatleben zu opfern?
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Nachtzuschläge: Verbreitet sind 25 Prozent – bei Dauernachtarbeit gegebenenfalls mehr. Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen können spezielle Regelungen treffen.
- Erholsamer Schlaf: Er ist wichtig für Gesundheit, Konzentration und Arbeitssicherheit. Sich darum zu kümmern, ist eine Frage der Verantwortung.
- Dies hilft: Beschäftigte können Nachtarbeit besser bewältigen durch feste Schlafroutinen, eine gute Schlafumgebung und gesundheitsfreundliche Schichtpläne.
Antreten, wenn die Sterne funkeln und andere im Reich der Träume sind: So leben rund 9 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland – 4 Millionen Menschen. Das heißt, sie arbeiten zumindest gelegentlich zwischen 23 und 6 Uhr.
Wie das Statistische Bundesamt berichtet, ist der Anteil der nachts arbeitenden Erwerbstätigen unter Männern mit rund 12 Prozent fast doppelt so hoch wie bei Frauen (6,5 Prozent).
Mehr Geld für Nachtschichten: So sind die Nachtzuschläge geregelt
Die gesetzliche Nachtzeit dauert grundsätzlich von 23 bis 6 Uhr, in Bäckereien und Konditoreien von 22 bis 5 Uhr. Nachtarbeit liegt nach dem Arbeitszeitgesetz vor, wenn mehr als zwei Arbeitsstunden in diesem Zeitraum liegen. Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen oder Arbeitsverträge können die Höhe und teilweise auch die zuschlagsberechtigten Zeiten anders regeln.
Nachtschichten bringen mehr Geld. Zwar gibt es keinen gesetzlich festgelegten Anspruch auf eine bestimmte Höhe der Nachtzuschläge. Im Arbeitszeitgesetz heißt es lediglich: Der Arbeitgeber muss „für die während der Nachtzeit geleisteten Arbeitsstunden eine angemessene Zahl bezahlter freier Tage oder einen angemessenen Zuschlag“ gewähren. 25 Prozent sind verbreitet.
Schicht- und Nachtzuschläge können durch die Tarifpartner geregelt sein
Die Tarifpartner können die Nachtzuschläge miteinander regeln. Dabei gibt es Unterschiede je nach Branche und Tarifgebiet. Auch zu welcher Uhrzeit und wie oft die Nachtarbeit stattfindet, hat Einfluss auf die tariflichen Nachtzuschläge.
Wie die Zuschläge für bestimmte Schichten ausfallen, das kann auch Gegenstand von Betriebsvereinbarungen sein.
Nachtschichten machen tagsüber manches einfacher
Wer in Nachtschicht arbeitet, ist tagsüber oft flexibler. Das betrifft zum Beispiel
- Behördengänge
- Arztbesuche
- Erledigungen.
Auch so manche Freizeiteinrichtung lässt sich entspannter nutzen, wenn während der üblichen Arbeitszeiten der Andrang geringer ist.
Gesunder Schlaf spielt eine große Rolle – für die eigene Fitness und für die Arbeitssicherheit
Indes: Nachtschichtler müssen ihren versäumten Schlaf nachholen, und zwar am besten möglichst bald. Denn ein Schlafdefizit kostet Kraft und schadet auf Dauer der Gesundheit, warnt die Pronova BKK.
Nora Johanna Schüth vom Fachbereich Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) betont: „Schlaf ist kein passiver Leerlauf, sondern ein aktiver Regenerationsprozess. Wenn ich schlecht oder nicht erholsam schlafe, wirkt sich das direkt auf Konzentration, Reaktionsgeschwindigkeit und Aufmerksamkeit aus – und damit auch auf ein erhöhtes Fehlerrisiko.“
In Schlafgesundheit zu investieren, ist für sie daher eine Frage der Verantwortung: „„Für die Metall- und Elektroindustrie ist das besonders relevant, weil es häufig Tätigkeiten mit Maschinen, Steuerungs- und Überwachungsaufgaben oder innerbetrieblichem Transport gibt. Schon kurze Konzentrationsabbrüche können größere Folgen haben.“
Tagschlaf, Nachtschicht, Privatleben: Das erfordert Organisationstalent
Nachtschichtarbeitende brauchen einen Teil des Tages für ihre Regeneration. Somit ist gute Planung erforderlich. Denn die üblichen To-dos müssen genau getaktet sein. Dazu zählen:
- Care-Arbeit, etwa für Kinder und Pflegebedürftige,
- Weiterbildung,
- Sport und Gesundheit,
- die Pflege sozialer Kontakte.
Gesunder Schlaf am Tag: So geht es
Wer nachts arbeitet, muss Außergewöhnliches leisten:
- zu Zeiten, in denen der Körper auf den Ruhemodus umschaltet, konzentriert und produktiv arbeiten und
- tagsüber die eigene Erholung und private Verpflichtungen unter einen Hut bringen.
Dazu ist gesunder Schlaf der Schlüssel. Damit dies tagsüber gelingt, helfen die folgenden Maßnahmen:
- regelmäßige Schlafzeiten einhalten;
- für echte Ruhe sorgen und gegebenenfalls das Schlafzimmer schalldämmen;
- den Schlafraum abdunkeln und/oder eine Schlafmaske nutzen;
- vor der Bettzeit auf schwere Mahlzeiten (belasten den Verdauungstrakt), Koffein (stört das Einschlafen bzw. den Schlaf) und erst recht auf Alkohol verzichten (sorgt für schlechte Schlafqualität);
- die Schlafzeit gut vorbereiten: das Schlafzimmer lüften, für eine Schlaftemperatur von ca. 18 Grad sorgen, das Telefon stummschalten, entspannen.
Extra-Tipp: Um auf die nötigen 7 Stunden Schlaf zu kommen und rechtzeitig fit zu sein, kann das Schlafen in zwei Phasen vorteilhaft sein: nach der Nachtschicht etwa 4 Stunden und vor der nächsten Schicht 2 bis 3 Stunden am späten Nachmittag.
Ergonomische Schichtpläne sind besser für die Gesundheit
Schichtarbeit lässt sich so organisieren, dass sie besser zur inneren Uhr des Menschen passt. Dies wirkt sich positiv auf Leistungsfähigkeit und Ausfälle aus. Ergonomische (gesundheitsfreundliche) Schichtpläne haben laut Pronova BKK die folgenden Merkmale:
- Auf eine Frühschicht folgt eine Spät- und dann die Nachtschicht. Diese Vorwärtsrotation ist an den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus angepasst.
- Freie Tage zwischen den Schichtwechseln fördern die Leistungsfähigkeit.
- Tageslichtähnliche Beleuchtung am Arbeitsplatz hat einen starken Effekt.
Expertin Schüth rät außerdem: „Bei Überwachungs-, Fahr- oder Maschinentätigkeiten kann Müdigkeit besonders sicherheitskritisch sein.“ Pausen sollten „echte“ Pausen sein, hebt sie hervor. Die Pause sollte als Ausgleich zur Tätigkeit genutzt werden, zum Beispiel Bewegung, wenn man ansonsten still sitzt, oder Ruhe, wenn am Arbeitsplatz Lärm herrscht.
Wichtig für Nachtschicht-Beschäftigte: Die eigene Gesundheit im Blick behalten
Nachtarbeit ist bei Erwerbstätigen im jungen Alter (bis 34 Jahre: rund 11 Prozent) und im mittleren Alter (35 bis 54 Jahre: rund 10 Prozent) häufiger als bei denjenigen ab 55 Jahren (rund 7 Prozent). Kein Wunder, denn je älter man ist, umso belastender wirkt die Nachtschicht.
Darum haben Beschäftigte das Recht, sich vor Beginn der Arbeit im Nachtschichtbetrieb und danach mindestens alle drei Jahre arbeitsmedizinisch untersuchen zu lassen. Nach dem 50. Geburtstag gilt ein Mindestzeitabstand von einem Jahr.
Für die Kosten der Untersuchungen kommt der Arbeitgeber auf – falls er sie nicht ohnehin durch einen Betriebsarzt oder einen entsprechenden überbetrieblichen Dienst anbietet.
Engagierte Betriebe können noch mehr tun, berichtet Nora Johanna Schüth: „Sie können sensibilisieren, das Thema Schlafgesundheit in die Unterweisungen mit aufnehmen, Gesundheitsaktionstage organisieren und praktische Hilfsmittel wie Schlafmasken oder geeigneten Gehörschutz bereitstellen.“
Schlafgesundheit im Betrieblichen Gesundheitsmanagement zu berücksichtigen, lohne sich aus mehreren Gründen: Wer erholsam schläft, ist produktiver, psychisch stabiler und damit auch teamfähiger. „Das betriebliche Gesundheitsmanagement kann sinnvolle Impulse für die eigenverantwortliche Gestaltung des Schlafs setzen.“
Nachtarbeit ist in der Metallbranche weit verbreitet
Wie hoch der Anteil der Beschäftigten ist, die nachts arbeiten, hängt von der Branche ab. Die Metallerzeugung und -verarbeitung gehört zu den Top-3-Branchen mit dem höchsten Anteil derer, die zumindest gelegentlich zwischen 23 und 6 Uhr arbeiten. Wie das Statistische Bundesamt meldet, beträgt der Anteil der nachts Arbeitenden an den Erwerbstätigen insgesamt rund 9 Prozent. Das entspricht knapp 4 Millionen Menschen. Am stärksten verbreitet ist Nachtarbeit
- in der Luftfahrt mit 43 Prozent,
- bei Wach- und Sicherheitsdiensten sowie bei Detekteien mit 40 Prozent sowie
- in Metallerzeugung und -bearbeitung mit 31 Prozent.
In der Metallbranche sind unter anderem vollkontinuierliche Produktionsprozesse ein Grund für Schichtarbeit. Auch eng getaktete Lieferketten und die effiziente Auslastung teurer Anlagen spielen eine Rolle.
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