Was für Autofans die Messe IAA ist, ist für die Eisenbahner die Berliner Innotrans. Hier treffen sich alle zwei Jahre die Branchenvertreter aus aller Welt, um die neuesten Entwicklungen in ihrem Bereich zu bestaunen.

Im Herbst 2022 wurde dort ein vierachsiges Schwergewicht aus Kiel präsentiert, das für großes Aufsehen sorgte: Modula, eine neue Hybrid-Lokomotive von Vossloh Rolling Stock (VR), die mit vier verschiedenen Antriebsarten ausgestattet und künftig unter anderem mit Wasserstoff gefahren werden kann.

Video: Moderne Lokomotiven aus Kiel – Vossloh Rolling Stock

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Maximale Flexibilität für die Kunden

Fertigungsleiter Tim Göbel: „Die Modula ist ein echter Gamechanger.Unsere Ingenieure haben sie als modulare Plattform entwickelt, die dem Kunden maximale Flexibilität für den individuellen Anwendungsfall bietet, unabhängig davon, welche Form der Energiespeicherung sich künftig durchsetzt – Diesel, Batterie oder Wasserstoff.“

Ein weiterer Pluspunkt ist das „prädiktive“ Wartungskonzept. Im Gegensatz zu den bisher üblichen Regelinstandhaltungen ist bei dem Modula-Modell eine weitgehend flexible Instandhaltung der Lok vorgesehen, abhängig von ihrem aktuellen Zustand und ihrer jeweiligen Kilometerleistung.

Detaillierte Zustands- und Standortinformationen

Möglich wird dieses Konzept der „smarten Lokomotive“ dadurch, dass die wesentlichen Komponenten des Fahrzeugs regelmäßig ausgewertet werden. Die Lok erfasst die Daten mithilfe von Sensoren und GPS-Modulen und kann so kontinuierlich detaillierte Zustands- und Standortinformationen senden.

Kein Wunder also, dass die rund 90 Tonnen schwere Lokomotive schon ein Jahr nach der Premiere in Berlin viele Abnehmer gefunden hat. So hat beispielsweise die Deutsche Bahn 50 Stück geordert und eine Option für 200 weitere Exemplare unterzeichnet.

Die Ursprünge der Firma reichen zurück bis 1870

Für das Management von Vossloh Rolling Stock eine schöne Bestätigung dafür, dass das neue Modell die ideale Ergänzung zum bisherigen Bestseller DE 18 ist. Geschäftsführer Bernd Hoppe: „Der Vertrag mit der Deutschen Bahn untermauert das fortwährende Vertrauen des größten deutschen Logistikanbieters im Schienengüterverkehr in unser Traditionsunternehmen und den Kieler Produktionsstandort.“

In der Tat gehört der Lokbauer zu den ältesten Betrieben der Region. Die Ursprünge reichen zurück bis 1870, als die Firma an der Förde noch Torpedos für die Kaiserliche Marine baute. Nach einigen Eignerwechseln und Umfirmierungen ist die ehemalige Tochter des Vossloh-Konzerns nun seit Juni 2020 ein Teil des chinesischen Unternehmens CRRC Zhuzhou Locomotive (CRRC ZELC), der als weltgrößter Hersteller von Schienenfahrzeugen gilt.

Das modernste Lok-Werk Europas

Zwei Jahre zuvor hatte das Unternehmen den angestammten Standort Kiel-Friedrichsort verlassen und im Stadtteil Suchsdorf eine komplett neue Fabrik errichtet, die als modernstes Lok-Werk Europas gilt.

Hier soll die Produktion nun kräftig ausgebaut werden. Mit dem Umzug in das neue Werk reduzierte sich die Gebäudegrundfläche von 45.000 auf 18.000 Quadratmeter. Gepaart mit neuen, optimierten Produktions- und Logistikprozessen, führte dies zu einer effizienteren Flächennutzung, kürzeren Wegen sowie schnelleren Reaktions- und Materialbereitstellungszeiten. Von der Materialanlieferung bis zum Versand einer fertiggestellten DE 18 vergehen so nur noch etwa zwölf Wochen.

Mehr Effizienz, weniger Energieverbrauch

Außerdem gibt es zur Entlastung der Serienfertigung nun separate Produktionslinien für Umbauten und den Prototypenbau, Einspareffekte durch eine optimierte Lagerhaltung und eine deutliche Senkung der Energiekosten durch Abluft-Wärmetauscher und andere Maßnahmen. Fertigungsleiter Göbel: „Durch kontinuierliche Investitionen in Equipment und Personal stellt Vossloh auch künftig sicher, dass ein hoher Qualitätsstandard und eine schlanke Produktion miteinander kompatibel sind.“

Die höhere Effizienz soll dazu beitragen, die Produktionszahlen nachhaltig zu steigern. „Früher haben wir in guten Zeiten jährlich 30 bis 40 Lokomotiven gebaut“, sagt Göbel, „nun sind mittelfristig 130 bis 120 Fahrzeuge pro Jahr möglich. Der Bedarf ist auf jeden Fall da, wir haben eine hohe Nachfrage und eine solide Auftragslage.“

450 Mitarbeiter am Hauptstandort Kiel

Gute Nachrichten für die rund 630 Mitarbeiter, die Vossloh Rolling Stock momentan beschäftigt. Etwa 450 von ihnen arbeiten am Hauptstandort Kiel, 100 weitere im Zweigwerk Moers (NRW), dem Servicezentrum für Wartung und Instandsetzung, und rund 80 in Italien und Frankreich.

Naturgemäß spielt auch die Ausbildung eine große Rolle für den Lokomotivenbauer. „Wir haben nicht nur klassische Azubis, sondern auch duale Studenten“, so Personalleiterin Anja von Hofen. „Insgesamt liegt die Zahl unserer Nachwuchskräfte derzeit bei rund 20, aber wir wollen die Ausbildung weiter ausbauen.“

Auch Einsätze in Italien und Frankreich möglich

Aktuell hat das Unternehmen einige freie Lehrstellen im Angebot, unter anderem für die Ausbildungsberufe Elektroniker Betriebstechnik, Konstruktionsmechaniker, Mechatroniker, Fahrzeuglackierer und Fachlagerist. Weitere Informationen dazu gibt es auf der Website von der Vossloh Rolling Stock GmbH: vl-rs.com.

Anja von Hofen: „Wir kooperieren in der Grundausbildung mit der Technischen Akademie Nord und bieten den jungen Leuten sehr gute Bedingungen für ihren Eintritt ins Berufsleben. Auch Einsätze an unseren Standorten in Moers, Italien und/oder Frankreich sind möglich.“

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Clemens von Frentz
Leiter aktiv-Redaktion Nord

Der gebürtige Westfale ist seit über 35 Jahren im Medienbereich tätig. Er studierte Geschichte und Holzwirtschaft und volontierte nach dem Diplom bei der „Hamburger Morgenpost“. Danach arbeitete er unter anderem bei n-tv und „manager magazin online“. Vor dem Wechsel zu aktiv leitete er die Redaktion des Fachmagazins „Druck & Medien“. Wenn er nicht in den fünf norddeutschen Bundesländern unterwegs ist, trainiert er für seinen nächsten Marathon.

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