Ludwigshafen. Was für einen ökologischen Fußabdruck haben Produkte? Das Chemie-Unternehmen BASF aus Ludwigshafen ermittelte die Emissionsdaten für das gesamte Portfolio aus rund 45.000 Produkten. Dafür sowie für Klimaprojekte anderer Chemiefirmen gab’s jetzt eine Auszeichnung im Wettbewerb „Responsible Care“ (Verantwortliches Handeln) vom Verband der Chemischen Industrie (vci).

Die Anerkennung wird jährlich an Unternehmen vergeben, die etwas für den Schutz von Gesundheit, Umwelt und Menschen tun – weit über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. aktiv stellt einige der zukunftsweisenden Projekte – auch aus Nordrhein-Westfalen – vor.

CO2-Fußabdruck für Produkte

Kunden der BASF können künftig die Gesamtwerte der CO2-Emissionen für alle Produkte abrufen. Der CO2-Fußabdruck umfasst sämtliche Treibhausgas-Emissionen von der Produktion bis zu dem Moment, in dem das Produkt das Werktor Richtung Kunde verlässt, inklusive eingekauftem Rohstoff und dem Einsatz von Energie in den Produktionsprozessen. „Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind Kernelemente unserer Unternehmensstrategie“, versichert BASF-Chef Martin Brudermüller. Die Daten helfen den Kunden dabei, den eigenen CO2-Fußabdruck ihrer Aktivitäten und Endprodukte besser messen und reduzieren zu können. BASF bietet bereits Produkte mit einem reduzierten CO2-Fußabdruck auf Basis nachwachsender oder recycelter Rohstoffe an.

CO2 – ab in den Softdrink

Treibhausgas hat durchaus einen Nutzen: In der Industrie nimmt man es zum Beispiel zur Abwasserreinigung oder für die Säuberung von Bauelementen vor dem Lackieren. Bekannter ist es aber als „Sprudel“ in Softdrinks oder Bier. Bei stillen Getränken oder bei Wein wählt man die Kohlensäure, um Haltbarkeit und Frischeeindruck zu verbessern. Gasehersteller Air Liquide Deutschland nutzt am Standort Oberhausen die CO2-Gewinnung für die Lebensmittel-Industrie. Mithilfe einer neuen Anlage lassen sich Reststoffströme aus der Produktion, die sonst emittiert werden, wieder rückführen und einsetzen – nach strengsten Reinheitsvorgaben. Das geht so: In chemischen Prozessen, etwa der Herstellung von Ammoniak für Dünger, fällt CO2 als Nebenprodukt an. Die Moleküle werden recycelt und in der Getränke-Industrie verwertet.

Treibhausgase aktiv reduzieren

Ab 2050 kein Ausstoß an Klimagasen mehr, das hat sich auch der DSM-Konzern, Spezialist für Nahrungsergänzungsmittel, vorgenommen. An seinem größten Standort im baden-württembergischen Grenzach haben Experten aus allen Fachbereichen nun eine „Roadmap“ erstellt. Dafür analysierten sie alle Prozesse und Anlagen: 60 Ideen kamen zusammen, um Treibhausgas im werkeigenen Kraftwerk und der Vitamin-B2-Produktion einzusparen. „Damit konnten wir ein CO2-Einsparvolumen von etwa 20 Prozent der Gesamtemission des Standorts pro Jahr identifizieren“, verkündet Karel Kuijvenhoven, der dieses Projekt vor Ort leitet.

Sabine Latorre
Leiterin aktiv-Redaktion Rhein-Main

Dr. Sabine Latorre ist spezialisiert auf Themen aus der Chemie- und Pharma-Industrie. Sie liebt es, komplizierte Zusammenhänge einfach darzustellen – so schon vor ihrer Zeit bei aktiv als Lehrerin sowie als Redakteurin für die Uniklinik Heidelberg und bei „BILD“. Nebenbei schreibt sie naturwissenschaftliche Sachbücher für Kitas und Schulen. Privat reizen sie Reisen sowie handwerkliche und sportliche Herausforderungen.

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