München. Die Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Metall- und Elektro-Industrie (M+E) haben sich auch in Bayern auf einen neuen Tarifvertrag verständigt. Der Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (vbm) und die IG Metall orientierten sich dabei an dem M+E-Pilotabschluss, der kurz vor Ostern in Nordrhein-Westfalen erzielt worden war.

Demnach gibt es über die Laufzeit keine Tabellenerhöhungen. Die Beschäftigten erhalten jedoch im Juni eine Einmalzahlung von 500  Euro. Zusätzlich wurde für die Mitarbeiter eine jährlich wiederkehrende Sonderzahlung vereinbart, die jeweils im Februar gezahlt wird. 2022 beträgt sie 18,4 Prozent eines Monatsentgelts, ab 2023 steigt sie auf 27,6  Prozent. Das Tarifergebnis gilt rückwirkend zum 1. Januar 2021 und läuft 21  Monate bis zum 30. September 2022.

Arbeitszeitsenkung mit Teilentgeltausgleich

Der Tarifabschluss ermöglicht viele Differenzierungen: Unternehmen in schwieriger wirtschaftlicher Lage etwa werden automatisch entlastet, wenn ihre Nettoumsatzrendite bei 2,3  Prozent oder niedriger liegt. Zudem wurde ein neues optionales Modell für eine Arbeitszeitsenkung mit Teilentgelt­ausgleich vereinbart, sobald die Absenkung länger als zwölf Monate besteht. Die neue jährliche Sonderzahlung kann zur Finanzierung genutzt werden.

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Zusätzlich haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft auf einen tariflichen Rahmen für die Gestaltung der Transformation durch Zukunftstarifverträge geeinigt. Er gibt vor, unter welchen Bedingungen Transformationsprozesse auf betrieblicher Ebene von den Arbeitnehmern begleitet werden können. Voraussetzung dafür ist das beiderseitige Einverständnis. IG Metall und vbm einigten sich hier auf bayerische Sonderregeln.

Weitere bayerische Sonderregeln gibt es beim dualen Studium, von denen junge Menschen wie Betriebe profitieren sollen. Die bestehende Regel zur bedarfsorientierten Übernahme von Auszubildenden tritt wieder in Kraft.

Interview

Wie die Arbeitgeber den Abschluss der Tarifverhandlungen einschätzen, erklärt Angelique Renkhoff-Mücke, Verhandlungsführerin des bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeberverbands vbm.

Inwiefern sind Sie mit dem Abschluss zufrieden?

Der Abschluss trägt der außergewöhnlichen Situation der Corona-Krise Rechnung. Das ist wichtig und richtig. Die Laufzeit von 21 Monaten schafft zudem Planungssicherheit für unsere Unternehmen. Mit diesem Abschluss sind wir unserem gemeinsamen Ziel in der Krise, Beschäftigung zu sichern und den Unternehmen die nötige Luft zum Überwinden der Krise zu lassen, ein gutes Stück näher gekommen.

Welche Punkte im Vertrag sind besonders zukunftsweisend?

Es gibt erstmals die Möglichkeit zur automatischen Differenzierung des Tariflichen Zusatzgelds (T-ZUG B) für krisenbetroffene Unternehmen. Das berücksichtigt die große Heterogenität der wirtschaftlichen Lage der Unternehmen und ist eine zukunftsgerichtete tarifpolitische Weichenstellung. Außerdem haben wir in Bayern einen eigenen tariflichen Rahmen für Zukunftstarifverträge abgeschlossen. Wir halten dies für eine gute Option, die Zukunft der Betriebe gemeinsam zu gestalten.

Worum geht es konkret?

Die Betriebsparteien können über ein betriebliches Zukunftskonzept verhandeln. Wichtigster Punkt: Die Zukunftstarifverträge sind absolut freiwillig und starten immer auf Ebene des Betriebs ohne Eingriff der Gewerkschaft in die unternehmerische Leistung. Selbstredend können die Tarifvertragsparteien zu diesen Verhandlungen angerufen werden.