Wir stehen aufrecht und entspannt da, die Füße schulterbreit auseinander. Die Knie leicht gebeugt, um die Gelenke zu entlasten. „Wir strecken den linken Arm seitlich nach oben – Handflächen zeigen zur Decke – und jetzt neigen wir den Oberkörper sanft zur rechten Seite …“

So gibt Liesa Benner von der Firma Physio Terstappen klare Anweisungen. Und den Teilnehmern, die ihre Arbeit für diese „bewegte Pause“ eine halbe Stunde unterbrochen haben, macht die Sache Spaß.

Gleich wird auch noch „das Gefieder geputzt“: So stimmt Benner auf eine Übung ein, bei der durch Kopfnicken nach links und nach rechts die Nackenmuskulatur entspannt – und der Kopf wieder frei wird. aktiv darf dabei zusehen, als Gast bei der Firma Sihl in Düren. Hier arbeiten 260 Beschäftigte, und hier gibt es seit Herbst vergangenen Jahres die bewegte Pause.

Sihl ist ein Spezialist für hochwertige Beschichtungen für Papier. Die innovativen Lösungen aus Düren sind in einer Vielzahl von Branchen und weltweit im Einsatz: von Automobil und Tourismus über Verpackung und Etiketten bis hin zu Druck und Logistik.

Schneller Weg zu besserer Fitness

Zum neuen Bewegungsangebot sagt die kaufmännische Angestellte Kornelia Holzportz: „Ein wenig Sport während der Arbeitszeit, und das mit professioneller Anleitung, das ist einfach klasse.“ Kollegin Bettina Hoppe pflichtet ihr bei: „Mehr Bewegung zwischendurch tut mir einfach gut!“

Beide Frauen treiben auch in ihrer Freizeit Sport. „Nach einer OP mit Reha vor einigen Jahren habe ich den ärztlichen Rat ‚Bleiben Sie in Bewegung‘ befolgt“, erzählt Holzportz offen, „und ich werde seitdem mit mehr Fitness und Mobilität belohnt. Natürlich bin ich da im Betrieb auch gerne dabei.“ Auf genau solche Bereitschaft setzt Personalchefin Ivonne Braun mit ihrem Konzept, die Sihl-Belegschaft beim Weg zu einer gesünderen Lebensweise direkt zu unterstützen.

„Mir fällt es selbst ja auch schwer, mich für etwas Sport aufzuraffen“, gibt Braun unumwunden zu. „Aber wenn der Aufwand gering ist und mich vielleicht noch Kollegen motivieren, doch mitzukommen, klappt es viel leichter. Man merkt dann schnell, wie leicht eine einfache, regelmäßig durchgeführte Übung Verspannungen lösen und sogar Schmerzen lindern kann.“

Und daher bietet der Betrieb nicht mehr nur Infoveranstaltungen an, etwa über gute Ernährung, gesunden Schlaf oder Augengesundheit. Sondern will nun mithilfe der Aachener Firma Physio Terstappen mehr Schwung direkt ins Arbeitsleben bringen.

Für Braun ist das auch ein Zeichen der Wertschätzung für den täglichen Einsatz der Belegschaft. Das soll natürlich möglichst auch in der Fertigung gelten. Aber während man in den Büros relativ leicht an einer bewegten Pause teilnehmen kann, ist das in der Produktion deutlich schwieriger: Der Schichtplan und die Prozesse bestimmen hier den Zeitplan, eine fixierte Sportpause für alle passt da nicht so gut rein.

Liesa Benner geht daher in die Fertigung und überlegt dann vor Ort, wie sie die Menschen jeweils gut unterstützen kann. Und wenn es gerade passt, motiviert sie zu einer kurzen Übungseinheit.

Kooperation mit den Krankenkassen

Christoph Savelsberg etwa, der als Koordinator in der Fertigung arbeitet, ist begeistert von diesem Angebot. „Es ist toll, hier unkompliziert unter vier Augen Rückenschmerzen oder andere Probleme ansprechen zu können – und dann gute Tipps zu bekommen, wie man selbst mit etwas Einsatz solche Beschwerden lindern kann.“

Die Personalleiterin freut sich über die gute Resonanz. Im neuen Jahr 2024 soll es mit der bewegten Pause und anderen Gesundheitsaktionen in Kooperation mit verschiedenen Krankenkassen weitergehen. „Der Anfang ist gemacht“, sagt Braun, „und das ist ja bekanntlich immer das Schwierigste, wenn es um die Umsetzung guter Vorsätze geht.“

Maja Becker-Mohr
Autorin

Maja Becker-Mohr ist für aktiv in den Unternehmen der hessischen Metall-, Elektro- und IT-Industrie sowie der papier- und kunststoffverarbeitenden Industrie unterwegs. Die Diplom-Meteorologin entdeckte ihr Herz für Wirtschaftsthemen als Redakteurin bei den VDI-Nachrichten in Düsseldorf, was sich bei ihr als Kommunikationschefin beim Arbeitgeberverband Hessenchemie noch vertiefte. In der Freizeit streift sie am liebsten durch Wald, Feld und Flur.

 

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