Berlin. Manche Verkehrsregeln für Radler sind ganz anders, als viele denken. Das kann teuer werden, wenn man beispielsweise bei einem Unfall eine Teilschuld zugesprochen bekommt. Stephanie Krone vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club in Berlin erklärt Vorschriften, bei denen sowohl Radler als auch Autofahrer erfahrungsgemäß oft falsch liegen.

Welche besonderen Regeln jeder Radfahrer kennen muss, lesen Sie im Folgenden:

Wer hat Vorfahrt am Zebrastreifen?

Klar, Fußgänger auf dem Zebrastreifen haben Vorrang, Autos müssen also halten und die Leute über die Straße lassen. Das gilt aber nicht für Radler, die den Zebrastreifen überqueren – jedenfalls nicht, solange sie fahren. Radfahrer müssen also warten, bis die Autos vorbei sind. Alternative: Absteigen. Wer den Drahtesel nämlich über den Zebrastreifen schiebt, gilt als Fußgänger und hat deshalb Vorrang. 

Ist Alkohol am Lenker erlaubt?

Dass Alkohol und Autofahren nicht zusammenpassen, ist bekannt. Viele wissen jedoch nicht, dass das auch beim Radfahren gilt. Nach einer exzessiven Party mit dem Bike nach Hause fahren, ist also absolut nicht angesagt. Ab 0,3 Promille machen sich Radler nämlich strafbar, wenn sie den Drahtesel ganz offensichtlich nicht mehr unter Kontrolle haben oder sogar einen Unfall bauen. Ab 1,6 Promille kassieren sie sogar zwei Punkte in Flensburg und eine deftige Geldstrafe. Außerdem muss man zur medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU), im Volksmund Idiotentest genannt. Mit Pech ist sogar der Lappen weg. 

Darf man Musik per Kopfhörer lauschen?

Auf der Radtour Musik zu hören, ist an sich nicht verboten, genauso wenig wie das Tragen von Kopfhörern. Man darf sie aber nicht so laut aufdrehen, dass man Umgebungsgeräusche nicht mehr wahrnimmt, beispielsweise Motorgeräusche, Klingeln oder Zurufe. Wer wegen der Kopfhörer zu wenig hört, kann bei einem Unfall eine Teilschuld zugesprochen bekommen. Studien zeigen aber sowieso, dass Ablenkung aus dem Kopfhörer selbst bei moderater Lautstärke die Reaktionsgeschwindigkeit um bis zu 50 Prozent verringert. Ob es der Musikgenuss wert ist, dass man dadurch vielleicht zu spät reagiert und schwer verletzt im Krankenhaus landet, muss jeder selbst entscheiden. 

Im Sattel am Handy rumhantieren – ist das okay?

Das Handy am Ohr ist nicht nur im Auto, sondern auch auf dem Sattel verboten, ebenso wie „mal schnell“ eine Whatsapp schicken oder gar ein Selfie schießen. Wer erwischt wird, zahlt 25 Euro. Okay ist die Nutzung des Telefons aber, wenn es mit einer speziellen Halterung so befestigt ist, dass der Radler beide Hände frei hat. Dann ist es beispielsweise erlaubt, per Navi den Weg zu finden. Auch telefonieren ist dann in Ordnung, entweder laut schreiend über die Freisprechfunktion oder per Headset. Trotzdem muss man das Verkehrsgeschehen natürlich weiter voll im Blick behalten. Wer durch das Handy zu sehr abgelenkt ist, hat bei einem Unfall unter Umständen eine Teilschuld. 

Dürfen Radler nebeneinander fahren?

Auch wenn es manche Autofahrer in den Wahnsinn treibt: Radler müssen nicht unbedingt hintereinander, sondern dürfen auch nebeneinander fahren – auf normalen Straße maximal zu zweit, in ausgewiesenen Fahrradstraßen sind prinzipiell noch mehr parallel fahrende Radler erlaubt. Für Gruppen ab 16 Leuten sind Zweierreihen immer erlaubt, weil so ein Pulk leichter zu überholen ist als eine endlose Reihe von einzelnen Radfahrern.

Pärchen und kleinere Gruppen dürfen dagegen nur dann nebeneinander radeln, wenn sie den Verkehr nicht behindern und heranfahrende Autos problemlos überholen können. In der Praxis muss man also auf normalen Straßen meist hintereinander fahren. In verkehrsberuhigten Zonen und Fahrradstraßen geht es auch nebeneinander, weil Autofahrer hier sowieso nicht überholen dürfen. 

Muss man unbedingt den Radweg benutzen?

Nicht jeder Radweg muss benutzt werden, auch wenn sowohl Radler als auch Autofahrer das oft glauben. Pflicht ist das nämlich nur, wenn er durch das Radweg-Schild mit dem weißen Drahtesel auf blauem Grund gekennzeichnet ist (ein Fahrradsymbol auf der Straße reicht nicht).

Selbst bei dieser Beschilderung dürfen Radler trotzdem manchmal auf der Straße fahren: Immer dann nämlich, wenn der Radweg objektiv unbenutzbar ist. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn er durch Schlaglöcher und aufbrechende Wurzeln zum Hindernislauf wird, wenn er im Winter total vereist ist oder parkende Autos oder Baustellen das Durchkommen unmöglich machen.

In solchen Situationen kommt es aber immer auf den Einzelfall an. Dass man als sportlicher Rennradfahrer auf dem Radweg nicht schnell genug ist und sich deshalb die Trainingszeit versaut, ist dagegen kein Argument. 

Unfall beim Überholen: Wer hat Schuld?

Viele Radler ärgern sich über Autofahrer, die so eng überholen, dass die Hose fast die Autotür putzt. Zu Recht, denn das ist nicht nur gefährlich, sondern auch verboten. Nach diversen Gerichtsurteilen zum Thema ist nämlich ein Mindestabstand von 1,50 Metern angesagt. Sind Kindern dabei, gelten sogar 2 Meter als Minimum. In der Praxis muss der Autofahrer also die Spur wechseln. Geht das nicht, muss er eben so lange hinter den Fahrrädern herzuckeln, bis er gefahrlos vorbeikommt. Ansonsten ist der Autofahrer ohne wenn und aber schuld, wenn was passiert. Außerdem drohen bei einer Anzeige des wütenden Radlers bis zu 35 Euro Bußgeld.