Die Reaktion des Fahrers ist verlangsamt, Geschwindigkeiten und Entfernungen können nicht mehr richtig eingeschätzt werden, das Sichtfeld ist eingeengt. Alkoholgenuss und Straßenverkehr ist sicher keine gute Kombination. Aber nicht nur die Gesundheit steht auf dem Spiel, sondern auch die Fahrerlaubnis. Und das gilt nicht nur für Autofahrer. Je nach Promillegrad und Verhalten drohen auch Radlern und E-Bike-Piloten Bußgelder, Punkte in der Flensburger Verkehrssünder-Datei und die zeitweilige Trennung vom Führerschein. Alfred Ossendorf, Verbraucherschutzberater und Fahrlehrer beim ADAC Nordrhein, erklärt, was droht, wenn der Pegel steigt.

Autofahrer machen sich ab 1,1 Promille am Steuer strafbar

Eine wichtige Grenze liegt bei 0,5 Promille. Ab diesem Blutalkoholwert kann es für Autofahrer bei einer Polizeikontrolle unangenehm werden – egal, ob der Fahrer auffällig gefahren ist oder nicht. Ein Pegel zwischen 0,5 und 1,09 Promille wird als Ordnungswidrigkeit behandelt, die in der Regel einen Bußgeldbescheid von 500 Euro nach sich zieht, ein einmonatiges Fahrverbot sowie zwei Punkte in Flensburg.

Aber es reicht schon ein Pegel von 0,3 Promille, um richtig Ärger zu bekommen. Denn wer „nur“ leicht alkoholisiert am Steuer Ausfallerscheinungen zeigt, bei Rot über die Ampel fährt zum Beispiel, in Schlangenlinien unterwegs ist oder einen Unfall baut, kann als Straftäter eingestuft werden. „Wenn die Polizei unterstellt, dass der Unfall wegen des Alkohols entstanden ist, kann die Fahrerlaubnis entzogen werden“, sagt Alfred Ossendorf vom ADAC Nordrhein. Im besten Fall müsse der Fahrer sechs Monate auf den „Lappen“ verzichten, möglich seien aber auch zwölf Monate und mehr. Sind die Voraussetzungen für diese Strafbarkeit nicht erfüllt – ist der leicht angetrunkene Fahrer während der Fahrt also nicht auffällig geworden –, so droht bei einem Alkoholgehalt von 0,3 Promille in aller Regel auch kein Bußgeld. (Tipp: Praktische Informationen rund ums Knöllchen hat aktiv in diesem Artikel gesammelt.)

Promillewerte ab 1,1 gelten ausnahmslos als Straftatbestand. „Dann ist es auch egal, ob man auffällig gefahren ist oder nicht“, sagt Ossendorf. Es drohen drei Punkte in Flensburg, eine Geldstrafe sowie ein Führerscheinentzug von meistens neun bis zwölf Monaten, möglicherweise aber auch länger. „In diesem Fall wird immer ein Alkoholproblem unterstellt“, so der gelernte Fahrlehrer: „Denn wer mit 1,1 Promille noch Autofahren kann, ist sozusagen im Training.“

Neuer Führerschein – hoher Verwaltungsaufwand

Betroffene unterschätzten oft den Aufwand, der mit der Wiedererlangung der Fahrerlaubnis verbunden sei, sagt der ADAC-Experte. Die Behörden forderten dafür nämlich oft ärztliche oder psychologische Stellungnahmen, die nicht von heute auf morgen zu beschaffen seien. „Man sollte den Antrag daher mindestens zwei Monate vor Ablauf der Sperrfrist stellen“, sagt Alfred Ossendorf.

Wer mit einem Promillewert ab 1,6 aus dem Verkehr gezogen wird, kommt an einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (auch „Idiotentest“ genannt) zur Begutachtung der Fahreignung nicht vorbei. „Wer bei 1,6 Promille noch halbwegs vernünftig Auto fahren kann, schafft das nur, wenn er permanent Alkohol konsumiert“, so Ossendorf. Im Wiederholungsfall könne es bei solchen Blutalkoholwerten schwierig werden, die Fahrerlaubnis überhaupt wiederzubekommen. Grundsätzlicher Rat des Experten: „Hände weg vom Alkohol.“ Spätestens beim zweiten Bier könne es brenzlig werden.

Null Promille: Kein Alkohol für Fahranfänger

Generell gilt bis zum 21. Geburtstag sowie für sämtliche Fahranfänger während der zweijährigen Probezeit der 0,0-Promille-Wert. „Bei einem Pegel bis 0,5 Promille drohen ein Ordnungswidrigkeitsverfahren mit einem Punkt in Flensburg und eine Strafe von mindestens 250 Euro“, so Ossendorf. Die Probezeit wird gleichzeitig von zwei auf vier Jahre verlängert. „Und man wird zu einem Seminar eingeladen“, sagt der ADAC-Experte. Das sei eine Art Nachschulung in der Fahrschule, die ebenfalls vom Verkehrssünder bezahlt werden müsse. Ab einer Blutalkoholkonzentration von 0,5 Promille ist bereits mit einer Strafzahlung von 500 Euro, zwei Punkten in Flensburg sowie einem einmonatigen Fahrverbot zu rechnen. Übrigens: Was es sonst noch über den Jugendschutz zu wissen gibt, erklärt aktiv-online.de hier in einem anderen Artikel.

Bei Unfall unter Alkoholeinfluss droht Ärger mit der Versicherung

„Es gibt Versicherungen, die etwa bei einem Unfall unter Alkoholeinfluss von grob fahrlässigem Verhalten ausgehen“, so Alfred Ossendorf. Fremden Unfallteilnehmern gegenüber zahlten die Versicherungen zwar immer. „Aber von den Verursachern können sie im Haftpflichtrecht einen Regress fordern im Bereich von 5.000 Euro.“ Bei einer Vollkasko-Versicherung ist es möglich, dass die Versicherung die Schadensregulierung aufseiten des Geschädigten zwar übernimmt, der Verursacher aber auf seinem eigenen Schaden komplett sitzen bleibt.

Radfahrer müssen ab 1,6 Promille um den „Lappen“ bangen

Auch Fahrradfahrer sollten vorsichtig mit alkoholischen Getränken sein. Ab 1,6 Promille werden Fahrradfahrer genauso behandelt wie Autofahrer mit 1,1 Promille im Blut, sagt Ossendorf: „Das ist der Bereich der absoluten Fahruntüchtigkeit.“ Das heißt: Wer erwischt wird, muss in jedem Fall eine Strafe zahlen, bekommt drei Punkte in Flensburg und muss – soweit vorhanden – eventuell sogar den Führerschein für neun bis zwölf Monate abgeben. Auch hier gilt: Um die Fahrerlaubnis wiederzuerlangen, sind etliche bürokratische Hürden zu meistern.

Alkohol: Was gilt für Pedelecs, E-Bikes und E-Scooter?

Pedelecs, also Fahrräder mit Motorunterstützung bis zu 25 Stundenkilometern, werden nach einer Gerichtsentscheidung rechtlich als Fahrräder eingestuft. „Denn wenn ich aufhöre zu trampeln, habe ich keine Leistung mehr“, sagt der Experte. Hier gelten also dieselben Promille-Bestimmungen wie für Fahrradfahrer. Anders sieht es bei E-Bikes aus, die auch ohne Pedalunterstützung fahren.

Formal gelten sie als Kraftfahrzeuge, es gelten also dieselben Regeln wie bei Autofahrern. Das gilt auch für E-Scooter. Einen Führerschein braucht man für diese motorangetriebenen Roller zwar nicht, unter Umständen ist die allgemeine Fahrerlaubnis aber für eine geraume Zeit weg. „Es gibt viele Leute, die denken, sie könnten nach dem Kneipenbesuch problemlos den E-Scooter für den Weg nach Hause nehmen“, sagt Alfred Ossendorf: „Die haben oft ihr blaues Wunder erlebt.“

Section Control: Gerichte geben grünes Licht für das Streckenradar

In anderen Staaten ist es normal, die Geschwindigkeit vorbeifahrender Autos auch per Streckenradar zu messen. Das bundesweit erste System einer solchen Abschnittskontrolle – „Section Control“ – ist auf der B 6 bei Laatzen nahe Hannover im Einsatz. Dort wird das Durchschnittstempo auf einem gut zwei Kilometer langen Abschnitt kontrolliert. Inzwischen hat das Streckenradar die letzten juristischen Hürden genommen: Das Bundesverfassungsgericht nahm eine Verfassungsbeschwerde kürzlich nicht zur Entscheidung an (11.1.21, 1 BvR 2356/20). Im Herbst 2020 hatte schon das Bundesverwaltungsgericht grünes Licht für den Einsatz des Systems gegeben.