Wie viel Lohnsteuer der Arbeitgeber bei seinen Angestellten einbehält und direkt an das Finanzamt abführt, richtet sich nach der individuellen Steuerklasse. Insgesamt gib es davon sechs. Während für Ledige, die in Steuerklasse I sind, und Alleinerziehende (Steuerklasse II) die Lage mangels Wahlmöglichkeiten klar ist, können Ehepaare und eingetragene Lebensgemeinschaften unterschiedliche Lohnsteuerklassenkombinationen der Klassen III, IV und V wählen. (Steuerklasse VI wird nur auf Zweitjobs angewendet.) Dies wirkt sich unmittelbar auf die Höhe der Abzüge aus und auf das Nettoeinkommen – und damit, wie viel man letztendlich im Portemonnaie hat.

Rechte und Pflichten

In der Regel kann man die Lohnsteuerklasse einmal pro Jahr wechseln. Dies ist bis spätestens zum 30. November beim zuständigen Finanzamt zu beantragen. Wichtig: Den Antrag müssen beide Partner unterschreiben. Ein weiterer Wechsel im Jahr ist möglich, wenn zum Beispiel einer der beiden in den Ruhestand geht oder sich das Paar trennt.

Eine Pflicht zum Wechsel besteht nur dann, wenn sich die Verhältnisse beim Arbeitnehmer so ändern, dass er in eine ungünstigere Steuerklasse eingruppiert werden muss. Dies ist zum Beispiel bei Alleinerziehenden der Fall, die keinen Anspruch mehr auf den Entlastungsbetrag haben – etwa weil er oder sie wieder heiratet. Wer sich durch den Wechsel hingegen besserstellt, ist zur Änderung berechtigt, aber nicht verpflichtet.

Doch wann lohnt sich der Wechsel, und welche Kombination ist für welche Lebenslage optimal? Zunächst ist wichtig zu wissen: Wer aufgrund einer ungünstigen Steuerklassenwahl erst mal „zu viel“ Steuern zahlt, kann sich diese per Steuererklärung wieder zurückholen, verloren ist das Geld also nicht. Im umgekehrten Fall kann allerdings auch eine Nachzahlung drohen.Größere und nachhaltige Auswirkungen hat eine nicht optimale Steuerklasse, wenn jemand Lohnersatzleistungen wie zum Beispiel Elterngeld erwartet. Dessen Höhe berechnet sich nämlich nach der Höhe des Nettogehalts. In der Steuerklasse III ist dieses besonders hoch, in der Steuerklasse V dagegen niedrig.

Bei ähnlich hohem Verdienst: Steuerklassen IV und IV

Wer frisch verheiratet ist oder seine Partnerschaft hat eintragen lassen, der wird vom Finanzamt automatisch von Steuerklasse I in Steuerklasse IV eingestuft. Das ändert an den Abzügen nichts, weil die beiden Klassen einander entsprechen. „Wenn beide Partner ungefähr das Gleiche verdienen, ist das die richtige Wahl, und sie sollten alles so lassen“, erklärt Erich Nöll, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine in Berlin. Sollten die Gehälter stärker voneinander abweichen, kann ein Wechsel in die Steuerklassenkombination III-V oder die Anrechnung eines sogenannten Faktors das gemeinsame Netto erhöhen.

Die Pflicht, eine Steuererklärung abzugeben, besteht bei Steuerklasse IV nicht. Dennoch rät Nöll dazu, dies zu tun, denn: „Oft zahlen Paare mit Steuerklasse IV zu viel Steuern und können mit einer Rückzahlung rechnen.“

Bei unterschiedlich hohem Verdienst: Steuerklassen III und V

Eine bei Ehepaaren weit verbreitete Kombination, ist laut Nöll III-V. Wenn die Partner unterschiedlich hohe Verdienste haben, sichert sie das höchste Haushaltsnettoeinkommen. Als Richtwert, ab wann sich III-V lohnt, gilt ein Verhältnis von 60 zu 40 bei den Einkommen.

Im Normalfall nimmt der Partner mit dem höheren Einkommen Steuerklasse III und hat so relativ zum Gehalt niedrige Abzüge, der Partner mit dem geringeren Gehalt wird hingegen nach Klasse V besteuert und hat im Verhältnis zu seinem Einkommen die höheren Steuerzahlungen. Der Grund: In Steuerklasse III werden beide Grundfreibeträge berücksichtigt, während der in V eingruppierte Lebensgefährte sein Einkommen voll besteuern muss. Auch wenn einer der beiden Alleinverdiener ist, sollte er wegen der hohen Abzüge in Klasse III wechseln.

Zwar hat man bei III-V-Kombination das höchste Nettoeinkommen, aber es kommt auch vor, dass insgesamt zu wenig Steuern gezahlt werden und das Finanzamt aufgrund der Steuererklärung, die hier Pflicht ist, eine Nachzahlung fordert. Damit sollten Paare, die nach III-V besteuert werden, rechnen, sagt Steuerexperte Nöll. Das Risiko einer Nachzahlung ist umso höher, je größer die Differenz zwischen den beiden Gehältern ist.

Bares Geld kann jedoch die Besteuerung nach Klasse III oder IV Faktor Wert sein, wenn ein Paar im Laufe des Jahres Lohnersatzleistungen erwartet. Dann sollte unbedingt über einen Tausch nachgedacht werden, wenn derjenige mit Steuerklasse V die Lohnersatzleistung erwartet. Auch wenn er das niedrigere Einkommen hat, ist es in vielen Fällen sinnvoll, ihm – vorübergehend – Steuerklasse III oder aber IV Faktor zuzuweisen und damit ein höheres Nettogehalt zu ermöglichen, da es die Basis für die Berechnung von Arbeitslosen- oder Elterngeld ist.

Wenn das ansteht, muss man sich mit der Änderung der Lohnsteuerklasse beeilen: „Wer sich durch den Wechsel etwa ein höheres Elterngeld sichern will, muss den Antrag acht Monate vor Beginn des Mutterschutzes stellen“, so Nöll, also praktisch direkt zu Beginn der Schwangerschaft. Da dies oft zeitlich kaum zu schaffen ist, sollten Eltern in spe überlegen, bereits dann zu wechseln, wenn ein Kinderwunsch realisiert werden soll. Zumal die zu viel gezahlten Steuern im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung wiedererstattet werden.

Auch wer einen befristeten Arbeitsvertrag hat und nicht weiß, ob dieser verlängert wird oder sich bis zum Laufzeitende ein neuer Job findet, sollte statt der Steuerklasse V die Steuerklasse IV oder IV mit Faktor wählen, um im Falle des Falles später ein höheres Arbeitslosengeld zu erhalten.

Nachzahlungen vermeiden: Steuerklasse IV mit Faktor

Die Steuerklasse IV mit Faktor ist quasi eine Mischung aus IV-IV und III-V und in vielen Fällen eine sinnvolle Alternative zu diesen gängigen Kombinationen, da dieser Tarif den tatsächlich zu zahlenden Steuersummen in der Regel am nächsten kommt. Nöll: „Durch den sogenannten Faktor wird bei unterschiedlichen Einkommen der Vorteil des Ehegattensplittings praktisch vorweggenommen und schon beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt.“ Der Faktor wird jeweils individuell ausgerechnet.

„Damit vermeidet man die unerwünschte Nachzahlung, die sich aus der Kombination der Steuerklassen III und V ergibt, hat aber dennoch ein höheres Nettoeinkommen als bei Steuerklasse IV“, erklärt Nöll.

Auch bei dieser Steuerklassenwahl gibt es die Pflicht, eine Steuererklärung abzugeben.