Mit dem Einkaufen im Internet ist es meist so wie beim Tanken: Wer morgens einkauft, zahlt oft einen anderen Preis für dasselbe Produkt als abends. Solche dynamischen Preissetzungen seien bereits weit verbreitet, so Michèle Scherer von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Die Expertin erklärt, wie E-Commerce-Kunden trotzdem günstig einkaufen und was dynamische Preise von personalisierten Preisen unterscheidet.

Was sind dynamische Preise?

„Preise in den Online-Shops unterliegen starken Schwankungen“, sagt Expertin Scherer. Sie ist Referentin Digitale Welt bei der Verbraucherzentrale Brandenburg. Es mache zum Beispiel einen Unterschied, ob man morgens, mittags oder abends einkauft. Die Preise richteten sich nach der aktuellen Nachfrage nach einem Produkt oder den Angeboten der Konkurrenz.

Wenn bei einem Anbieter gerade ein Produkt sehr günstig sei, heiße das jedoch nicht, dass alle anderen Produkte ebenfalls Schnäppchen sind. Im Gegenteil: „Wenn zum Beispiel noch ein bestimmter Betrag bis zur Versandkostenfreiheit fehlt, tendiert man dazu, noch etwas zu bestellen“, sagt Scherer: „Dann kann es sein, dass für ein Produkt zwar ein guter Preis angeboten wird, für das andere Produkt aber nicht.“ Der Preisvorteil ist womöglich dann wieder dahin.

So fand eine Studie der Verbraucherzentrale aus dem Jahr 2018 heraus, dass bei zwei der untersuchten Online-Apotheken bei bestimmten Artikeln die Preise reduziert, aber gleichzeitig mehrere Artikel erheblich teurer wurden. Die Studie zeigte auch, dass zum Beispiel bei einem Online-Händler Autobatterien oder Reifen jeweils am Vormittag teils bis zu 30 Prozent teurer waren als am Nachmittag zuvor. Am Beispiel eines Smartphoneangebots bei einem Online-Elektronik-Anbieter stellte sich in der Untersuchung eine maximale preisliche Differenz von mehr als 200 Euro heraus. Solche Preisänderungen wurden in allen untersuchten Branchen festgestellt.

Einen detaillierten Blick in die Studie können Sie auf dem Portal der Verbraucherzentrale werfen: verbraucherzentrale.de (kostenloses PDF-Dokument).

Was sind personalisierte Preise?

Hierbei werden Preise anhand von persönlichen Merkmalen des Käufers gestaltet. Sie schwanken also nicht für alle gleich, sondern für jeden Nutzer unterschiedlich. Dann spielt zum Beispiel der Wohnort eine Rolle, das genutzte Endgerät oder das individuelle Surfverhalten. Ihre Informationen erhalten Online-Shop-Betreiber etwa über Cookies. Das sind Textdateien, die Aufschluss über das Surf- und Kaufverhalten des Nutzers geben. Wie man mit ihnen umgehen sollte, lesen Sie im weiteren Verkauf des Textes. Auch Daten, die beim Anmeldeverfahren auf einer Plattform preisgegeben werden, lassen Rückschlüsse auf den Käufer zu.

„Wenn Sie sehr oft nach teurer Fotoausrüstung suchen, würden Sie einen anderen Preis angezeigt bekommen als derjenige, der nur selten danach sucht“, beschreibt die Expertin ein Beispiel für personalisierte Preise: „Der Anbieter weiß, wenn ein Kunde ein starkes Interesse an einem Produkt hat und würde den Preis anhand der individuellen Zahlungsbereitschaft bemessen.“

Hinzu kommt: Wer den Laptop einer kostspieligen Marke nutze, könnte in Zukunft zum Beispiel mehr zahlen. Und auch teure Wohngegenden könnten dem Anbieter eine höhere Kaufkraft signalisieren. Hier werden Rabatte dann unter Umständen seltener angeboten. Verboten sind personalisierte Preise nicht. Betreiber von Onlineshops sind laut Scherer aber verpflichtet, auf ihrer Website zu informieren, wenn der Preis auf der Grundlage eines Algorithmus personalisiert wurde.

Wie verbreitet sind personalisierte Preise?

Eine Studie von 2021, die vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz in Auftrag gegeben wurde, kam zu dem Ergebnis, dass individuelle Nutzermerkmale im deutschen Online-Handel noch keine große Rolle spielen und nicht von Anbietern aktiv eingesetzt werden. Eine etwas ältere Studie der Verbraucherzentrale aus dem Jahr 2018 förderte immerhin bei 2 von 16 untersuchten Online-Händlern differenzierte Preise je nach Ort des Zugriffs zutage. Wer bei diesem Thema tiefer einsteigen will, findet die Studie auf dem Portal der Verbraucherzentrale:
verbraucherzentrale.de/individualpreise

Dazu gehörte das Shopping-Portal eines Reifen- und Autoteileanbieters, auf dem sich 8 Prozent der beobachteten Preise je nach Standort unterschieden. Beim Shop einer Baumarktkette war es sogar mehr als die Hälfte. Auf letzterem Portal konnten die Testkunden in Berlin einen bestimmten Artikel zum Beispiel 7 Euro günstiger erwerben als die Kunden in Marburg und München. Preisliche Auffälligkeiten, wenngleich nur geringe, ergaben sich bei einem Online-Marktplatz aufgrund der genutzten Endgeräte. Die These, dass Nutzer eines Geräts mit dem Betriebssystem iOS einen höheren Preis angezeigt bekommen als Android-Nutzer, konnte jedoch nicht bestätigt werden.

„Wir können aber nicht ausschließen, dass es künftig eine individuellere Preissetzung gibt“, so Expertin Scherer. Ein Trend in diese Richtung sei bereits erkennbar. Einzelne Plattformen bevorzugten Nutzer von Smartphones bereits und böten spezielle Preise oder Rabatte für die Buchung über ein mobiles Endgerät beziehungsweise die App an, so die Juristin.

Auch bestimmte Zahlungsmethoden würden zudem von Anbietern nicht mehr angeboten, etwa, wenn Kunden anhand einer Bonitätsprüfung mit einer schlechten Zahlungsmoral bewertet wurden. Und auf Grundlage von Cookies würden Nutzern bereits jetzt bestimmte Produkte prominent präsentiert: „Daraus folgt, dass ich andere Produkte gar nicht mehr wahrnehme.“ Die Entscheidungsvielfalt nehme auf diese Weise ab.

Wie kann ich mich vor dem Abgreifen von Daten schützen?

„So wenig Daten wie möglich von sich preisgeben“, lautet der Rat von Verbraucherschützerin Scherer. Um Shop-Betreibern die Profilbildung ihrer Kunden zu erschweren, sei es wichtig, den eigenen Surfverlauf und damit auch die Cookies regelmäßig zu löschen. Software-Erweiterungen, sogenannte Add-ons oder auch Plug-ins, können darüber hinaus die Datenübermittlung an Website-Betreiber unterbinden. Die Verbraucherzentrale bietet zum Beispiel das Browser-Plug-in „Nervenschoner“ an, das viele Einwilligungsbanner für Cookies abblockt. Wer sich dafür interessiert, kann sich den Blocker auf der Seite der Verbraucherzentrale Bayern herunterladen:
verbraucherzentrale-bayern.de/nervenschoner

Besonders interessant für Online-Shop-Anbieter kann laut Expertin Scherer die Kombination von Cookie-Informationen und persönlichen Daten bei der Registrierung sein. Bei der Anmeldung sollten daher nur die geforderten Informationen preisgegeben werden, auf die Weitergabe von nicht zwingend geforderten Informationen wie Geburtsdaten oder Telefonnummern sollte möglichst verzichtet werden. „Wir empfehlen zudem, wenn möglich nur als Gast einzukaufen und keinen Account anzulegen.“ Die Daten von Gastkäufern müssten nämlich nach einer gewissen Zeit gelöscht werden.

Um dynamischen Preisen auf die Schliche zu kommen, sei es ratsam, auf zwei oder drei Preisvergleichsportalen nach bestimmten Produkten zu suchen: „Dort kann man auch sehen, wie sich der Produktpreis entwickelt.“ Zu kaufen, wenn andere nicht kaufen, birgt ebenfalls hohes Sparpotenzial. Wintersachen etwa sind im Sommer besonders günstig.

Generell sollte aber nicht nur der Preis entscheidend sein, sagt die Expertin: Auch der Service eines Anbieters, die Nachhaltigkeit oder die Zufriedenheit der Kunden sollten beim Einkaufen im Netz eine Rolle spielen.

Tobias Christ
Autor

Nach seinem Germanistik-Studium in Siegen und Köln arbeitete Tobias Christ als Redakteur und Pauschalist bei Tageszeitungen wie der „Siegener Zeitung“ oder dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Derzeit schreibt er als freier Journalist Beiträge für Print- oder Onlinemedien. Für aktiv recherchiert er vor allem Ratgeberartikel, etwa rund um die Themen Mobilität und Arbeitsrecht. Privat wandert der Kölner gern oder treibt sich auf Oldtimermessen herum.  

 

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