Wer flexibel ist und langfristig bucht, kann bei der Deutschen Bahn und ihrer Konkurrenz tatsächlich echte Schnäppchen ergattern. Zum Beispiel mal eben nach London, Paris oder Amsterdam? Das geht recht billig mit dem (Super)-Sparpreis Europa der Deutschen Bahn, sogar schon ab 18,90 Euro pro Strecke. Und ab Juni gibt es die Möglichkeit, ein 9-Euro-Monatsticket zu kaufen. Dann fährt man mit den Regionalbahnen in ganz Deutschland für 9 Euro im Monat. Das gilt im Juni, Juli und August. Aber es geht auch grundsätzlich billiger, wenn man weiß, wie man die günstigsten Ticketoptionen findet. 

Warum gibt es die Sparpreise im Fernverkehr?

„Unser wichtigstes Ziel ist es, mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern und damit maßgeblich zur Mobilitätswende beizutragen“, sagt eine Sprecherin der Bahn. „Dies erreichen wir nur, wenn wir unser Angebot für alle Kunden attraktiv gestalten. Mit dem Super-Sparpreis, dem Sparpreis und dem Flexpreis und ihren unterschiedlichen Konditionen bieten wir für verschiedene Kundenbedürfnisse das passende Angebot.“

Die Super-Sparpreise und die Sparpreise findet man in der Reiseauskunft auf bahn.de oder im DB Navigator, den man im App Store für IOS (apps.apple.com) und Android (play.google.com) herunterladen kann. Kontingentierte Angebote ist hier das Stichwort, denn es gibt nur eine begrenzte Ticket-Anzahl. Das bedeutet: Je früher man seine Reise plant und die Tickets buchet, desto höher sind die Chancen auf Schnäppchenpreise.

Was ist die neue Bestpreissuche?

Die Bestpreissuche ist eine neue Funktion auf bahn.de und in der App DB Navigator. „Sie stellt alle buchbaren Preise zur ausgewählten Verbindung übersichtlich dar und hebt den jeweils niedrigsten, verfügbaren Preis des Tages gesondert hervor“, so die Sprecherin der Deutschen Bahn. Es ist eine Weiterentwicklung des Sparpreisfinders. Vorteil: Die Bestpreissuche zeigt nicht nur Fernverkehrsverbindungen an, sondern auch Regionalverkehrs- und Auslandsverbindungen. Alle Verbindungen werden in einer Grafik für den gesamten Tag dargestellt und nach Zeitabschnitten gruppiert und preisaufsteigend sortiert.

„Die Bestpreis-Suche sollte man unbedingt nutzen, sie gibt einen guten Überblick, welche Sparpreise und Super-Sparpreise es für eine Strecke gibt“, sagt Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn. Aber man wird meist nicht auf allen Strecken oder zu beliebten Uhrzeiten Glück haben: „Freitagnachmittag günstige Tickets kurzfristig zu kriegen, ist eher unwahrscheinlich.“

Flexibel sein zahlt sich für Kunden aus

Vor allem, wer im Hinblick auf die Reisezeit oder gar den Reisetag flexibel ist, kann kräftig sparen. Nachfragearme Zeiten liegen meist in sogenannten Tagesrandlagen (früh morgens, spät abends, mittags). Weniger nachgefragte Reisetage sind zum Beispiel dienstags und mittwochs.

Super-Sparpreis ist nicht immer beste Option

Nicht für jeden ist der Super-Sparpreis (kostet ab 19,90 Euro) auch das beste Angebot. Wenn man sich verbindlich auf einen Zug festlegen kann, ist er super. „Beim etwas teureren Sparpreis bekommt man einen Teil des Ticketpreises erstattet, wenn man die Fahrt doch nicht antreten kann. Beim Super-Sparpreis ist bei einem Storno das Geld weg“, gibt Experte Naumann zu bedenken. „Wer einen Tag vor Reiseantritt ein Super-Sparangebot findet, hat da wenig Risiko. Wer sechs bis acht Wochen vorher bucht und wem dann doch etwas dazwischenkommt, hat dann Pech gehabt.“

Weiterer Vorteil des Sparpreises gegenüber dem Super-Sparpreis: Wenn man den Nahverkehr für die An- beziehungsweise Weiterfahrt bis zum Fernverkehrsbahnhof nutzen will, ist man mit dem Sparpreis (ab 23,90 Euro) günstiger unterwegs. Das City-Ticket und damit die Nutzung des Nahverkehrs vor Ort ist in über 120 Städten beim Sparpreis nämlich automatisch mit drin. „Das ist ein großer Vorteil“, sagt der Pro-Bahn-Sprecher.

Nach Tickets für die 1. Klasse stöbern

Es kann sich auch lohnen, mal nach Tickets für die 1. Klasse zu suchen. „Es kann passieren, dass es für die zweite Klasse keine Super-Sparpreise mehr gibt, sondern nur noch Sparpreise – gleichzeitig aber noch Super-Sparpreise für die 1. Klasse erhältlich sind“, so die Bahnsprecherin. Da hat man dann sogar eine Sitzplatzreservierung inklusive – und fährt eben 1. Klasse. Auch ein Nacht-ICE oder -IC kein eine günstige Alternative sein. So lässt sich für Reisende auch eine Hotelübernachtung sparen.

Es muss nicht immer der ICE sein

Manchmal kommt man mit einem IC günstiger voran und ist nicht viel länger unterwegs. Beispiel: Der IC auf den Strecken Mainz–Köln und Mainz–Düsseldorf fast so schnell wie der ICE, aber deutlich günstiger. Auch für die Strecken Leipzig–Dresden oder Leipzig–Berlin gilt: Man kann sparen, wenn man statt des ICE den IC bucht. Diese Züge brauchen nicht immer (viel) mehr Zeit ans Ziel. „Bei der Suche kann es auch etwas bringen, die ICE-Verbindungen aktiv herauszunehmen und sich nur die IC-Verbindungen anzeigen zu lassen“, sagt Naumann.

Regionalverkehr als Sparoption

Auch der Regionalverkehr könne eine Option sein. Mit einem „Quer durchs Land“-Ticket spart man erheblich, gerade wenn man mit drei, vier oder fünf Personen reist. Ein Reisender zahlt 42, verreist man so zu dritt, steigt der Preis nur auf 56 Euro, das heißt pro Person kostet es gerade mal 18,66 Euro. Bei fünf Reisenden sind es 14 Euro pro Person. „Für eine Strecke Köln–München ist das vielleicht keine lohnende Option, aber für Köln–Bremen kann das zum Beispiel eine günstigere Alternative sein. Und von Köln zu fünft in die Eifel kann im Regionalverkehr deutlich günstiger sein als im Fernverkehr“, sagt Pro-Bahn-Experte Naumann. Zudem sei man dann nicht an einen Zug gebunden. „Zu beachten ist aber: Eine Sitzplatzreservierung ist im Regionalverkehr nicht möglich.“

Für echte Planungs-Cracks kann es auch eine Option sein, einzelne Abschnitte aus der Strecke herauszunehmen und diese mit dem Regionalverkehr zurückzulegen Naumann: „Das kann man machen, ist aber sehr aufwendig, das sollte man nur machen, wenn man solche Rumbasteleien als Hobby sieht.“

Bahncards lohnen sich früher, als viele denken

Drei verschiedene Bahncard-Optionen gibt es, Bahncard 25, 50 und 100. Sie bieten 25 Prozent auf Spar- und 25 beziehungsweise 50 Prozent auf Spar- und Flexpreise, mit der Bahncard 100 fährt man unbegrenzt in Deutschland. Die Bahncard 100 schlägt in der 2. Klasse mit stolzen 4.144 Euro zu Buche. So etwas lohnt sich definitiv nur für Vielfahrer. Die Bahncard 50 kostet in der 2. Klasse 234 Euro pro Jahr, die Bahncard 25 schlägt mit 56,90 Euro zu Buche. Es gibt auch Probebahncards für drei Monate, diese sind noch mal günstiger.

Wer nicht nur ab und zu Bahn fährt, ist mit den Bahncards gut bedient. Aber: Die Bahncard 25 kann sich auch schon viel früher lohnen. „In der Regel sogar schon ab der zweiten längeren Fahrt“, heißt es bei der Bahn. Manchmal sogar schon bei einer Fahrt, vor allem bei Kundinnen und Kunden, die einen Flexpreis wählen. Wer teurere Strecken im Auge hat, sollte sich das Bahncard-Angebot also mal anschauen, auch wenn er sonst nicht so oft Bahn fährt.

Kinder und junge Leute sparen

Ein Tipp für junge Reisende: Für alle unter 27 Jahre hat die Bahn 2021 den Super-Sparpreis Young eingeführt, dort gibt es Fernverkehrstickets ab 12,90 Euro. Ebenfalls neu seit letztem Jahr: Die Bahn hat die Mitnahme von Kindern vereinfacht und vergünstigt. Zuvor konnten Kinder nur mit ihren Eltern oder Großeltern kostenlos im Fernverkehr der Bahn reisen. Jetzt kann jede/r Erwachsene mit seinem Ticket bis zu vier Kinder unter 15 Jahren kostenlos mitnehmen. „So können beispielsweise nun auch große Schwestern oder Brüder ihre jüngeren Geschwister mitnehmen“, sagt die Sprecherin der Bahn.

Pro Bahn verweist noch auf eine weitere Möglichkeit, mit der Jugendliche auch alleine vergünstigt fahren. „Es gibt die Jugendbahncard, die kostet einmalig 9,50 Euro und Kinder bekommen vom 6. bis zum 18. Lebensjahr 25 Prozent Rabatt, ohne dass man die Karte jedes Jahr aktualisieren oder erneuern muss. Sie wird für fünf Jahre ausgestellt“, sagt Naumann.

Weitere Tricks und der Check bei der Konkurrenz

Immer wieder werden auch günstige Tickets in Aktionswaren angeboten. „Diese Aktions-Gutscheine in Süßwaren und Co. für Bahntickets sind durchaus attraktiv“, sagt Naumann. Manchmal lohnt es sich auch, einen theoretischen Umweg übers Ausland zu wählen, obwohl man nur im Inland fährt. Wer an die Nordsee will, kann sich auch mal bei den Tickets für Kopenhagen umsehen. Dann steigt man eben vorher aus dem Zug. Das ist zwar so nicht gedacht, überprüft wird es aber nicht. „Generell bietet die Bahn schon gute Möglichkeiten, um bei Tickets zu sparen“, sagt der Experte von von Pro Bahn. Aber die Konkurrenz sollte man auch im Auge behalten. „Es bietet sich auch an, mal bei Flixtrain zu schauen, ob es günstigere Tickets gibt“, rät er „Oder man setzt auf Flixbus und Co., da dauert die Reise aber länger. Wenn das aber egal ist, kommt man mitunter günstiger ans Ziel.“

Marie Schäfers
Autorin

Marie Schäfers hat ihren Studienabschluss in Geschichte und Journalistik an der Universität Gießen gemacht. Sie volontierte bei der „Westfälischen Rundschau“ in Dortmund und ist Leitende Redakteurin der Zeitung Sonntag-EXPRESS in Köln. Für aktiv beschäftigt sie sich als freie Autorin mit den Themen Verbraucher, Geld und Job.

 

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