Sie sind gut versteckt hinter Werbebannern im Netz, in Onlinespielen oder hinter Buttons: Abofallen. Dabei schließt der Nutzer ein Abonnement für eine oft nicht näher benannte Leistung ab, während er mit dem Smartphone durchs Internet surft.

"Häufig bemerkt man das erst, wenn die Bestätigungs-SMS ankommt. Wer der Anbieter ist, bleibt oft nebulös", sagt Michael Reifenberg von der Bundesnetzagentur,die solche Fälle beobachtet. Meistens läuft es dann darauf hinaus dass künftig regelmäßig ein festgelegter Betrag mit der Handyrechnung abgebucht wird, wenn man nicht handelt. Das können Centbeträge oder auch 5 Euro pro Woche sein.

Neue Regelung bei Abofallen: Mobilfunkanbieter wie Telekom oder Vodafone sind mit in der Pflicht

Wer bisher in eine solche Abofalle getappt war, hatte ein Problem: Zunächst musste man herausfinden, wer eigentlich der Anbieter ist und wie man ihn erreicht, um das Ärgernis wieder loszuwerden. Verbraucherschützer rieten dazu, den Betrag nicht zu zahlen – das führte jedoch zu Problemen mit den Mobilfunkanbietern. Doch genau die sind seit Anfang des Jahres unter Umständen in der Pflicht – durch die neu geschaffene Mobilfunkgarantie.

„Die Bundesnetzagentur hat verbraucherschützende Vorgaben zum Bezahlen über die Mobilfunkrechnung festgelegt“, erklärt Reifenberg.. Diese gelten seit dem 1. Februar. Und sie legen fest, dass die Mobilfunkanbieter unter bestimmten Umständen Teile der Rechnung gutschreiben müssen.

Rechnungsbeträge von Drittanbietern sperren

Konkret geht es dabei nicht um die Rechnungsbestandteile, die direkt vom Mobilfunkanbieter kommen. Sondern um Beträge, die von Drittanbietern in Rechnung gestellt werden. Das kann beispielsweise ein Ticket für den ÖPNV sein, das über die Handyrechnung abgerechnet wird, oder ein kleiner Betrag, der für das Lesen eines kostenpflichtigen Artikels im Internet anfällt. Oder es kann eben eine Summe sein, die von einem Abzocker in Rechnung gestellt wird.

Für die Zahlung solcher zuletzt genannten Rechnungen können Mobilfunkkunden zum Schutz eine Drittanbietersperre einrichten. Nachteil: Dann können über die Mobilfunkrechnung allerdings gar keine Leistungen von anderen Unternehmen mehr abgerechnet werden. Das wiederum ist auch nicht in jedermanns Sinn.

Ausweg: Aboanbieter muss eine Umleitung zum Mobilfunkanbieter schalten, Kunde muss bestätigen

Darum gibt es die Mobilfunkgarantie: „Sie umfasst die Fälle, bei denen Mobilfunkkunden unbemerkt und unbeabsichtigt einen Kauf oder ein Abonnement abgeschlossen haben“, so Reifenberg. Wichtige Voraussetzung dafür: Das Redirect-Verfahren hat nachweislich nicht funktioniert. Dieses Verfahren wurde mit der Einführung der Mobilfunkgarantie zur Pflicht bei Abos.

Jetzt soll der Nutzer nicht mehr versehentlich beim Klicken eines Werbebanners ein Abo abschließen können. Vielmehr muss vom Anbieter des Abos ein Redirect, also eine Umleitung, zum Mobilfunkanbieter stattfinden. Dort muss der Kunde das Abo bestätigen. Wenn genau das nicht passiert, der Kunde aber trotzdem eine Info über ein abgeschlossenes Abo bekommt, dann greift die Mobilfunkgarantie: Der Mobilfunkanbieter muss also den Betrag erstatten.

Theoretisch könnte das bedeuten, dass es künftig keine Abofallen mehr gibt. „Unsere Festlegung macht das mobile Bezahlen sicherer, transparenter und schützt Verbraucher so vor ungewollten Abrechnungen", sagt Reifenberg und ergänzt: „Ob sämtliche Missbrauchsszenarien erfasst sind, wird der Praxistest erweisen. Eine Evaluierung der Vorgaben zum Bezahlen über die Mobilfunkrechnung ist vorgesehen und erfolgt spätestens nach vier Jahren.“

Mit dem Handy in die Abofalle getappt: Einige Provider bieten Kündigung an

Wurde trotz der neuen Redirect-Regelung ungewollt ein Abo abgeschlossen, sollte sich der Mobilfunkkunde zunächst an seinen Anbieter wenden. Denn einige Provider bieten in den Online-Kundencentern an, diese Drittanbieterabos recht schnell und einfach zu kündigen. Das kann allerdings von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich ausfallen.

Voraussetzung für die Mobilfunkgarantie: Daten erfragen, Abo kündigen, Vorfall melden

Gibt es im Kundencenter diese Möglichkeit nicht, gilt: „Die Mobilfunkanbieter sind gehalten, ihre Kunden über die wesentlichen Daten eines Vertragsschlusses sowie über den Adressaten für mögliche Beanstandungen zu informieren“, sagt Reifenberg. Dann muss man sich also an diesen genannten Anbieter wenden, um das ungewollte Abo zu kündigen.

Wer beim Mobilfunkanbieter nachfragt, kann auch gleich die zweite Voraussetzung erfüllen, damit die Mobilfunkgarantie greift. Sie lautet nämlich: „Der Mobilfunkkunde unterrichtet seinen Mobilfunkanbieter innerhalb von drei Monaten nach der Transaktion über den Vorfall.“ Und dann gibt es noch eine dritte Voraussetzung, die erfüllt sein muss: Als Handykunde hilft man dem Mobilfunkanbieter dabei, die Sache aufzuklären. Dazu gehört auch, im Zweifel Strafanzeige gegen den betrügerischen Drittanbieter zu stellen.

Wann die Mobilfunkgarantie nicht gilt

Mit der Mobilfunkgarantie sollen Verbraucher vor Abzocke geschützt werden. Das heißt im Umkehrschluss: Wenn der Kunde seine Bestellung ausdrücklich auf der Internetseite des Providers bestätigt hat, den Vorgang mit einer TAN, einem Passwort oder biometrischen Daten bestätigt hat oder beispielsweise grob fahrlässig gehandelt hat, dann muss der Mobilfunkanbieter die entsprechende Summe nicht erstatten. Weitere Details zur Mobilfunkgarantie hat die Bundesnetzagentur auf bundesnetzagentur.de zusammengefasst.

Wenn der Mobilfunkanbieter nicht so handelt wie erwartet, dann sollten sich Kunden beschweren. Das geht ebenfalls auf der Internetseite der Bundesnetzagentur: bundesnetzagentur.de.