Steinbach. Die über 100-jährige Geschichte von Kolben-Seeger in Steinbach ist eng verknüpft mit dem Verbrennungsmotor. Dieselmotoren spielen bis heute eine wichtige Rolle im Unternehmen – trotz Verbrenner-Aus. aktiv sprach mit den Geschäftsführern Ulrike und Olivier Seeger (Mutter und Sohn) über ihre Herausforderungen und über große Maschinen, die wohl auch in Zukunft nicht ganz ohne Verbrenner auskommen werden.

Frau Seeger, warum braucht man die Leistungen von Kolben-Seeger?

Ulrike Seeger: Wir laufen sicher auf einen Mix aus verschiedenen Antriebsarten hinaus, aber so schnell wird man auf Verbrennungsmotoren nicht verzichten können. Speziell wenn es zum Beispiel um leistungsstarke Lkws und Zugmaschinen geht, um Traktoren oder auch Baumaschinen. Für sie hat die EU Ausnahmeregeln geschaffen. Aber natürlich müssen solche Maschinen die von der EU vorgegebenen Emissionsnormen einhalten. Und genau dabei helfen wir, rüsten sie bei Bedarf entsprechend auf. Man könnte auch sagen, wir machen große Motoren fit fürs Klima.

Was machen Sie konkret mit den Motoren?

Olivier Seeger: Wir sind unter anderem Vertragshändler von Deutz und modifizieren diese Motoren auf Kundenwunsch. Unsere Ingenieure wählen zunächst den passenden Motor aus und individualisieren ihn gemäß den Anforderungen der Maschine, in die der Motor eingebaut werden soll. Dabei geht es um Applikationen wie etwa Lüftung, Halterungen, Rahmen und auch um Abgasnachbehandlungssysteme.

Unser Engineering-Team arbeitet immer eng mit dem Auftraggeber zusammen. Von der Konzeptphase bis zum fertigen Einbau etwa in einen Bagger, ein Notstromaggregat, eine Landmaschine oder ein Vorfeldgerät am Flughafen. Natürlich werden dann auch alle gesetzlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt in Bezug auf Maschinenrichtlinien sowie Abgas- und Geräuschemissionen.

„Weiterbildung bekommt eine ganz neue Dimension dank neuer Technologien“

Geschäftsführer Olivier Seeger

Das klingt nach einem hohen Maß an Flexibilität?

Ulrike Seeger: Flexibilität zeichnet sicher Familienunternehmen wie uns aus. In mehr als 100 Jahren Firmengeschichte geht man durch Höhen und Tiefen und muss natürlich immer wieder neu auf die Herausforderungen des Marktes reagieren. Inzwischen haben wir knapp 100 Beschäftigte bundesweit an sechs Niederlassungen und vier Service-Stützpunkten – neben der Zentrale hier in Steinbach. Uns alle verbindet die Leidenschaft für Motoren und die Freude an zufriedenen Kunden.

Was planen Sie für die Zukunft des Unternehmens?

Olivier Seeger: Wir setzen weiter auf unsere Flexibilität und unsere engagierte Belegschaft. Wie schon gesagt, läuft es auf einen Mix der verschiedenen Antriebsarten hinaus. Deutz hat schon eine ganze Reihe sehr leistungsfähiger E-Antriebe auf den Markt gebracht und sogar die ersten Wasserstoff-Motoren vorgestellt. Es ist schon toll, die Entwicklung solcher Zukunftstechnologien miterleben zu können. Doch eins ist auch klar: Der Verbrenner wird bleiben, nur werden die Kraftstoffe zum Schutz unseres Klimas halt nicht mehr aus dem fossilen Bereich kommen.

Was bedeutet das für Sie und Ihr Team?

Olivier Seeger: Weiterbildung, Weiterbildung, Weiterbildung – und noch mal Weiterbildung! Dank Digitalisierung und neuer Technologien bekommt lebenslanges Lernen überall eine neue Dimension.

Zur Person

Ulrike Seeger

  • Geboren 1952 in Frankfurt.
  • 1987 Einstieg bei Kolben-Seeger.
  • Seit 1988 geschäftsführende Gesellschafterin von Kolben-Seeger.
     

Olivier Seeger

  • Geboren 1986 in Bastia auf Korsika.
  • 2014 Einstieg bei Kolben-Seeger als Assistent der Geschäftsleitung.
  • Seit 2022 geschäftsführender Gesellschafter von Kolben-Seeger. 
Maja Becker-Mohr
Autorin

Maja Becker-Mohr ist für aktiv in den Unternehmen der hessischen Metall-, Elektro- und IT-Industrie sowie der papier- und kunststoffverarbeitenden Industrie unterwegs. Die Diplom-Meteorologin entdeckte ihr Herz für Wirtschaftsthemen als Redakteurin bei den VDI-Nachrichten in Düsseldorf, was sich bei ihr als Kommunikationschefin beim Arbeitgeberverband Hessenchemie noch vertiefte. In der Freizeit streift sie am liebsten durch Wald, Feld und Flur.

 

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