Mönchengladbach/Emmerich. Die neue Lernumgebung hat es Luiza Ranik echt angetan. „Nach Schule, wie ich sie kenne, sieht es hier wirklich nicht aus! Ich bin schon sehr beeindruckt, was die Räumlichkeiten, den Unterricht und die Lernmöglichkeiten angeht.“

Die Rede ist von der Textilakademie NRW in Mönchengladbach. aktiv trifft Ranik dort zum Auftakt des Berufsschulunterrichts, den die junge Frau hier in einem zweiwöchigen Block absolviert. „Vor einer Woche bin ich ins Gästehaus eingezogen“, sagt die 21-Jährige, „in dem Neubau fühle ich mich richtig wohl.“

„Man kennt hier keinen Gong wie sonst in der Schule. Wir müssen selbst auf die Zeit achten.“

Sich selbst zu organisieren, damit hat die angehende Textillaborantin aber offenbar kein Problem. Sie absolviert beim Textilunternehmen Jobst, einem Spezialisten für medizinische Stützstrümpfe in Emmerich, ihre Lehre. Und managt nebenher an den Wochenenden einen Club – inklusive Barkeeperinnen-Dienst samstagabends. Und dann ist Ranik auch noch begeisterte Motorradfahrerin … Wie bekommt sie das alles geregelt? „Es ist wichtig, sein Ziel fest im Blick zu behalten“, sagt sie dazu. „Und an erster Stelle steht jetzt ganz klar meine Ausbildung.“

Die Kombination aus Theorie und Praxis kommt ihr entgegen

Zu der ist sie auf Umwegen gekommen. Nach dem Abi und einem freiwilligen sozialen Jahr setzte sie auf ein Studium. Chemie fand sie spannend, Chemieingenieurin wollte sie werden. Im Frühjahr 2020. „Da war dann aber plötzlich der Corona-Lockdown“, sagt Ranik. „Durch den reinen Online-Betrieb fehlte mir der persönliche Kontakt zu den Professoren und den Kommilitonen.“ Sie gab das Studium auf, wollte sich neu orientieren, arbeitete bei Jobst als Helferin. „Durch meine Leistung dort bin ich Kollegen bald positiv aufgefallen.“ Im Sommer habe man sie dann gefragt, ob sie eine Ausbildung zur Textillaborantin machen wolle. „Nach zwei Wochen Praktikum im Labor war mir dann klar: Das ist jetzt das Richtige für mich!“ 

Auch die Kombination aus Theorie und Praxis, wie sie an der Akademie praktiziert wird, kommt ihr entgegen. „Im Unterricht lernen wir die Theorie, in den Praxisstunden kann ich sehen, wie sich das Material in der Produktion verhält.“ Oder eben im Labor – ihrem zukünftigen Arbeitsort: „Im Betrieb teste ich zurzeit mit zwei anderen Kollegen Garne auf Feinheit und Dehnbarkeit.“ 

Smartboards gibt es in jedem Klassenzimmer

In der Firma hat man ihr schon signalisiert, nach der Lehre gern mit ihr weiterarbeiten zu wollen. Vielleicht gelingt das in Form eines dualen Studiums oder der Weiterbildung zur Meisterin?

Bis dahin stehen aber noch viele Stunden Blockunterricht an: „Wir haben meistens bis kurz nach 16 Uhr Unterricht“, so Ranik. Zumeist arbeiten die Schüler mit ihrem Notebook oder rufen den Stoff über Smartboards ab, die hier in jedem Klassenraum installiert sind.

„Aber natürlich pauken wir nicht nur“, sagt die Auszubildende. Ihre Freizeit verbringt sie gerne mit ihren Altersgenossen am Billardtisch im Gästehaus. Nur freitags nicht: Da ist schon mittags Schluss, damit die Schüler den oft langen Rückweg nach Hause antreten können. Die meisten fahren dann einem ruhigen Wochenende entgegen. Und Ranik freut sich auf ihren Zweitjob im Club: „Das ist eigentlich wie Freizeit – ich habe einfach gerne Menschen um mich.“ 

Nachgefragt

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Das war ehrlich gesagt eher Zufall. Ich habe zunächst als Produktionshelferin bei Jobst gearbeitet. Bis man mir dort nach einigen Monaten einen Ausbildungsplatz angeboten hat.

Was reizt Sie am meisten?

Die Kombination zwischen Theorie und Praxis. Ich möchte das Gelernte schnell im Beruf anwenden können.

Worauf kommt es an?

Ein Ziel zu haben und es nicht aus den Augen zu verlieren, auch wenn es mal nicht so gut läuft. Das ist im Job wie im Privatleben wichtig.