Warum Deutschland einen digitalen Zwilling bekommt
Die gesamte Bundesrepublik als virtuelles 3-D-Modell: Daran arbeitet derzeit das Bundesamt für Kartografie und Geodäsie. „Die Möglichkeiten sind schier unendlich“, sagt Paul Becker, der Präsident der Behörde.
Deutschland gibt’s bald doppelt: „Wir erstellen gerade einen digitalen Zwilling des ganzen Landes“, sagt Professor Paul Becker, Präsident des Bundesamts für Kartografie und Geodäsie (BKG) in Frankfurt. Seine Behörde arbeitet an einem gigantischen Datenmodell der Republik: Von der Küste bis zu den Alpen soll es Landschaft und Infrastruktur abbilden – realitätsgetreu und in 3-D.
Die Landschaft wird per Laserscan erfasst
Zunächst werden vom Flugzeug aus alle grundlegenden Landschaftsobjekte erfasst, vom Hochhaus bis zum Baum, vom Strommast (hier im Video) bis zur Ampel. Per Laserscan, in sehr hoher Auflösung: 40 Punkte pro Quadratmeter. Nach und nach entsteht so ein 3-D-Modell, das sich mit weiteren Fachdaten anreichern lässt.
2026 soll das Modell namens DigiZ-DE fertig sein und dann als Entscheidungshilfe für Planungen in vielen Bereichen wie Energie, Verkehr, Umwelt sowie innere Sicherheit dienen. 40 Millionen Euro lässt der Staat sich das kosten.
Der Nutzen lässt sich derzeit kaum beziffern, dürfte aber auf Dauer größer sein: Verknüpft mit meteorologischen Erkenntnissen kann das Modell zum Beispiel bei der Abschätzung von Gefahren helfen. Komplexe Szenarien lassen sich am Rechner durchspielen: Wo besteht bei Starkregen Überflutungsgefahr? Wie heizt der Klimawandel die Städte auf? „Die Möglichkeiten sind schier unendlich“, betont Becker.
Mit digitalen Zwillingen plant man auch Fabriken
Vorbild ist übrigens die Industrie 4.0, wo Entwickler und Planer neue Produkte und sogar ganze Fabriken virtuell durchspielen und testen, bevor sie in der Realität umgesetzt werden.
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