Winterkasten. Kopp Schleiftechnik im Odenwald hat nur gut 40 Mitarbeiter – zählt aber zu den modernsten Betrieben für Werkzeugschleiftechnik bundesweit! Solche Werkzeuge braucht man für die Zerspanung von Metall oder Kunststoff. aktiv sprach mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Achim Kopp. Er leitet das Unternehmen gemeinsam mit seiner Frau Heike und seinem Bruder Jürgen – und engagiert sich auch nach Feierabend für die Industrie.

Sie sind ehrenamtlich im Arbeitgeberverband Hessenmetall tätig. Warum nehmen Sie sich dafür die Zeit?

Unternehmer sein – das heißt für mich auch: Verantwortung übernehmen, über den eigenen Betrieb hinaus. In einem Arbeitgeberverband geht es um die Tarif- und Sozialpolitik und auch um gesellschaftspolitische Themen, die ich so gut wie möglich mitgestalten möchte. Zudem treffe ich im Verband auf eine große Bandbreite von Unternehmen und damit auch von tollen Persönlichkeiten, mit denen man sich intensiv austauschen kann, nicht nur über regionale Themen.

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Zurück in den Betrieb: Was zeichnet Ihr Unternehmen besonders aus, in einem Satz?

Unsere Kernkompetenz ist die Herstellung von hochwertigen Zerspanungswerkzeugen. Um die 400.000 Stück verlassen jedes Jahr unser Haus, neu produziert oder auch nachgeschliffen. Diese Werkzeuge werden zum Beispiel im Auto- und Maschinenbau gebraucht, in der Medizin- sowie in der Luft- und Raumfahrt-Technik.

„Unsere Leute sind der Motor unseres Erfolgs!“

Achim Kopp

Ganz wichtig ist durchdachter Service: von der Beratung und einem Hol- und Bringdienst zum Nachschleifen der Werkzeuge bis zum Umschleifen, wenn sich Produkte ändern und die alten Werkzeuge nicht mehr gebraucht werden. Viele wissen ja gar nicht, dass man nach- und sogar umschleifen kann! Dabei kann man damit viel Geld und auch Rohstoffe sparen, also nachhaltiger wirtschaften.

Haben Sie eigentlich ein Lieblingswerkzeug?

Jede Menge, aber vor allem bin ich begeistert, wenn wir beim Kunden mit unseren Ideen und Sonderwerkzeugen einen „Wow-Effekt“ erzielen. Diesen Effekt erreichen wir auch über den Service. Wir, und damit meine ich das ganze Team, kombinieren hier sozusagen Hightech mit Herzblut. Netter Nebeneffekt: Gute Dienstleistung ist nicht so einfach zu kopieren wie Werkzeuge!

Sie schaffen es also, dass alle Beschäftigten mitziehen?

Ich denke schon. Bei Kopp fühlt sich jeder für die Zufriedenheit der Kunden verantwortlich, jeder macht sich Gedanken, wie man Dinge verbessern könnte, jeder Einzelne weiß: Erfolg haben wir nur gemeinsam! Unsere Leute sind der Motor dieses Erfolgs. Mitbestimmung wird hier gelebt, man kennt uns Kopps seit nun schon 50 Jahren als faire Arbeitgeber.

Wie stark sind Sie durch die Corona-Pandemie betroffen?

Wir hatten ein tolles erstes Quartal – im April ging der Auftragseingang krass zurück. Natürlich kommt man da ins Grübeln, zumal wir kräftig investiert und 2016 eine neue Fabrik gebaut haben. Wir sind dabei aber solide geblieben. Und da wir grundsätzlich das, was wir erwirtschaften, im Unternehmen lassen, können wir schon mal eine Durststrecke durchhalten. Deshalb ist mir nicht bange.

Wie reagieren Sie auf die digitalen Veränderungen in der Industrie?

Wir sind es gewohnt, die Nase in den Wind zu halten – und immer neue Ideen zu entwickeln. Regelmäßige Zukunftsworkshops mit professioneller Unterstützung helfen uns dabei. Wir investieren in die Digitalisierung und wollen unsere Kunden unterstützen, indem wir unsere Werkzeuge auf Wunsch mit QR-Codes ausrüsten und darin Infos zu Messdaten oder Nachschliffen hinterlegen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten – wofür sollte die gute Fee sorgen?

Neben guter Gesundheit möchte ich mir gerne den offenen Blick bewahren auf scheinbar Einfaches, wie die Obstbaumblüte in diesem Jahr: Neben den ganzen schlimmen Corona-Nachrichten haben mir solche Dinge gerade jetzt besonders gutgetan und Mut gemacht.

Zur Person

Unternehmer aus Leidenschaft: Achim Kopp. „Wir sind es gewohnt“, sagt er, „die Nase in den Wind zu halten – und immer neue Ideen zu entwickeln.“
Achim Kopp Bild: aktiv/Gerd Scheffler
  • Geboren 1962 in Bensheim, verheiratet, zwei erwachsene Kinder
  • Ausbildung zum Feinmechaniker und Werkzeugmachermeister
  • Seit 1995 geschäftsführender Gesellschafter von Kopp Schleiftechnik
  • Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim
  • Stellvertretender Vorsitzender der Hessenmetall-Bezirksgruppe Darmstadt und Südhessen
Maja Becker-Mohr
Autorin

Maja Becker-Mohr ist für aktiv in den Unternehmen der hessischen Metall-, Elektro- und IT-Industrie sowie der papier- und kunststoffverarbeitenden Industrie unterwegs. Die Diplom-Meteorologin entdeckte ihr Herz für Wirtschaftsthemen als Redakteurin bei den VDI-Nachrichten in Düsseldorf, was sich bei ihr als Kommunikationschefin beim Arbeitgeberverband Hessenchemie noch vertiefte. In der Freizeit streift sie am liebsten durch Wald, Feld und Flur.

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