Kassel. In loser Folge stellt aktiv hier junge IT-Unternehmen aus Hessen vor, die Unternehmen im Strukturwandel begleiten. Diesmal sind es sechs Start-ups, die im Umfeld der Universität Kassel entstanden, darunter Dedrone, ein Spezialist für die Detektion und Abwehr von Drohnen. Denn Spionageflüge über Betriebsgeländen lassen sich dank selbstlernender Software und Funkfrequenzsensoren leicht verhindern.

Das steht beispielhaft für viele Firmen, die mit pfiffigen Ideen auf der Basis digitaler Lösungen neue Geschäftsmodelle entwickelten.

Digitaler Wandel nimmt immer mehr an Fahrt auf

Alle hier vorgestellten Firmen haben eines gemeinsam: Sie begleiten andere Unternehmen durch den digitalen Wandel – und der nimmt immer mehr an Fahrt auf. „Die Digitalisierung ist in vollem Gange und verändert alle Bereiche in der gesamten M+E-Industrie, von den Produkten über Prozesse und Geschäftsmodelle bis hin zur Arbeit 4.0“, erklärt Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Hessenmetall. Und er betont: „Veränderungen gab es schon immer, neu ist allerdings das Tempo, mit dem sie inzwischen erfolgen.“

D-Drone: Weltmarktführer für Luftsicherheitstechnologie

Dr. Ingo Seebach, Gründer Dedrone in Kassel: „Wir schützen Menschen und mehr vor illegalen Drohnenaktivitäten.“

Drohnen werden immer häufiger in systemrelevanten Bereichen eingesetzt, um etwa Medikamente auszuliefern oder Reaktoren zu kontrollieren. Doch die unbemannten Flugsysteme werden auch genutzt für Wirtschaftsspionage und Drogenschmuggel – oder um gezielt Betriebsabläufe zu stören. 2014 hat Dedrone in Kassel ein Machine-Learning-System zur Drohnendetektion entwickelt, das Sicherheits­teams in Echtzeit alarmiert, sobald eine Drohne in einen geschützten Luftraum eindringt.

Die Echtzeit-Warnmeldungen liefern aussagekräftige Informationen wie die Drohnentypen oder die GPS-Daten zur Lokalisierung der Fluggeräte und deren Piloten. „Dedrone-Nutzer können fast 250 unterschiedliche Drohnentypen detektieren, identifizieren, lokalisieren und bei entsprechender Genehmigung abwehren“, so Ingo Seebach, COO und Mitgründer von Dedrone. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz seit 2016 in San Francisco, ist weltweiter Marktführer für Luftraumsicherheitstechnologie und schützt mit seiner Lösung neben dem US-Verteidigungsministerium unter anderem Gefängnisse, Flughäfen, kritische Infrastrukturen, Regierungen und Stadien in über 33 Ländern.

Mapa: Technologien für den Weg zur Industrie 4.0

Sven Illing und Lars Federau (rechts), Gründer und Geschäftsführer Mapa-Tech: „Individuell und dynamisch auf dem Weg zur Industrie 4.0.“

„Lange Lieferzeiten für Sondermaschinen, Anlagen und Schaltschränke sind nicht mehr zeitgemäß“, sagten sich Lars Federau und Sven Illing und gründeten 2019 Mapa-Tech in Kassel. Mit den Kernkompetenzen in der mechanischen, elektrischen und pneumatischen Entwicklung und Kon­struktion sowie insbesondere der Software-Entwicklung hat das Unternehmen seitdem viele innovative Kundenprojekte realisiert. So hat Mapa-Tech mit den eigenen Sonder­anfertigungen Fuß gefasst bei namhaften Automobilherstellern und Zulieferern sowie auch als Innovationspartner in Verarbeitender und Prozess-Industrie.

Bei all dem hilft die Digitalisierung. Denn während andere Unternehmen sich noch fragen, wie viel Aufwand sie für die Pflege von detaillierten Stammdaten für ein womöglich einmaliges Sonderprojekt betreiben wollen, denkt man hier lieber darüber nach, wie sich Aufwand minimieren und automatisieren lässt. So werden zum Beispiel Stücklisten aus individuellen Kundenanfragen über firmeninterne Datenbanken mit aktuell 1,2 Millionen Einkaufspreisen in nur wenigen Klicks kalkuliert, wodurch kurzfristig umfangreiche Angebote selbst für Neuentwicklungen abgegeben werden. „Wir wissen, wie man die teilweise veralteten Denk- und Herangehensweisen ­erkennt und mit neuen Technologien und Lösungsansätzen auf einen Nenner bringt“, erläutert Illing.

Denn für die beiden jungen Unternehmer steht fest: Individuell, dynamisch, lösungsorientiert und fortschrittlich ist die notwendige Realität auf dem Weg zur Industrie 4.0.

Hahn Pro: Smarte Verknüpfung von Daten in Prozessen

Marcel Hahn, Gründer von Hahn Pro in Volkmarsen: „Unsere digitalen Werkzeuge verstehen auch Nicht-Informatiker.“

Gemeinsam mit den Kunden entwickelt Hahn Projects (Hahn Pro) in Volkmarsen Cloud-basierte Lösungen zur Vereinfachung der digitalen Transformation und Nutzung neuer Geschäftspotenziale. Schwerpunkt ist die Optimierung von Instandhaltungs- und Fertigungsprozessen durch die smarte Verknüpfung und Veredelung der Daten, die in den Prozessen anfallen. „Dazu entwickeln wir moderne, individuelle Software-Lösungen für jedes Problem und achten darauf, dass diese digitalen Werkzeuge auch Nicht-Informatiker verstehen“, erläutert Gründer und Geschäftsführer Marcel Hahn.

Ganz aktuell arbeitet Hahn Pro gerade mit in einem von der Bundesrepu­blik geförderten Forschungsprojekt, das Plattformen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) unterstützt zur Durchführung von sogenannten „kooperativen industriellen Dienstleistungen“. Dabei geht es unter anderem um die Cloud-­Anbindung von mehreren kleineren Betrieben, die aber alle in einen Produktionsprozess eingebunden sind und Dienstleistungen erbringen rund um die Herstellung und Wartung von Hochdruckrohren für Kraftwerke. Die müssen ein- und zur Wartung manchmal auch wieder ausgebaut werden, durchlaufen eine Induktionsglühanlage zur Wärmebehandlung vor und nach dem Schweißen und werden in Röntgenanlagen auf feinste Haarrisse hin untersucht.

Über die Cloud lassen sich alle Prozessschritte nun sogar über die Firmengrenzen hinweg ohne Telefonate und Mailverkehr ganz einfach und ohne Zeitverluste problemlos planen und dann durchführen. Marcel Hahn: „Mit dem richtigen digitalen Werkzeug kann man so viel Zeit sparen, Geld und letztlich auch Nerven.“

teamnext: Freiräume dank künstlicher Intelligenz

Moritz Bartling, Geschäftsführer von teamnext in Kassel: „Wir schaffen neue zeitliche Freiräume für mehr Kreativität.“

Mit der teamnote® Media Cloud hilft das Kasseler Unternehmen teamnext Organisationen, effizienter mit digitalen Assets wie Bildern, Videos oder Grafikdateien zu arbeiten, damit sie unter anderem leichter und schneller über Suchmaschinen gefunden werden und dabei ihre mediale Reichweite steigern.

Der Zugriff auf die in teamnote gelagerten Dateien ist jederzeit und an jedem Ort einfach möglich. Aufgrund der Erfahrung im Umgang mit KI-gestützten Bildanalyseverfahren und dem Bereich des maschinellen Sehens erleichtert teamnote Marketing- und PR-Teams die tägliche Arbeit, denn die KI-basierten Algorithmen analysieren, verschlagworten und vergleichen digitale Assets und helfen dabei, schneller das passende Motiv zu finden. „Damit schaffen wir neue zeitliche Freiräume für mehr Kreativität“, erläutert Geschäftsführer Moritz Bartling. Die Kunden kommen aus allen Bereichen, aus der Industrie, der Verwaltung und auch aus dem Profisport

3Dimetik: Messtechnik mal anders

Benjamin März, Pascal Mohr und Daniel Wilhelm, Gründer und Geschäftsführer von 3Dimetik in Kassel: „Wir liefern nicht nur stumpfe Messergebnisse, sondern sagen auch, was sie bedeuten.“

3Dimetik in Kassel wurde gegründet, um Messtechnik etwas anders zu machen. Das heißt, hier gibt es mehr als nackte 3-D-Messtechnik und Messergebnisse. Vielmehr bereiten die Spezialisten die messtechnischen Daten beispielsweise in Form von Grafiken auch visuell auf. So wird offensichtlich, wo genau etwaige Abweichungen liegen und wo exakt nachzubessern ist.

Ziel von 3Dimetik sind effiziente Prozesse beim Kunden, die Entwicklungsschleifen von Produkten nach dem Versuch-und-Irrtum-Prinzip konsequent minimieren. Zum Handwerkszeug gehören optische, taktile und Oberflächenmessungen sowie Computertomografie/Röntgen. Weit über 5.000 Projekte wurden bisher erfolgreich abgewickelt, bei denen man die Kunden über den ganzen Entwicklungsprozess eines Produkts von der Idee bis zur Serienreife begleitete.

eoda: Datern nutzen, um sich optimal aufzustellen

eoda sieht sich als Partner von Unternehmen im Umfeld von Big Data, maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz. Das Start-up unterstützt ganzheitlich – von der Identifikation des richtigen Anwendungsfalls über die Datenanalyse und Interpretation der Ergebnisse bis zur Implementierung der entwickelten Lösung in Systeme. „Effektivere Vertriebskampagnen, zuverlässigere Industrieanlagen oder optimierte Lagerbestände: Der Schlüssel zur Erreichung dieser Ziele liegt in den Daten“, erklärt Geschäftsführer und Mitgründer Oliver Bracht.

Als Chief Data Scientist hilft er Kunden, sich Daten zunutze zu machen und sich optimal aufzustellen. Dafür setzt eoda auf konsequenten Wissenstransfer, verständliche Vorgehensweisen und spürbare Erfolge – seit 2010 für Kunden wie Trumpf, Obi, Rewe oder Covestro. Bracht: „Daten in Mehrwerte zu verwandeln ist unser täglicher Antrieb, und mit Data Science legen wir den Grundstein für digitale Erfolgsgeschichten.“

Die hier vorgestellten sechs Unternehmen beschäftigen zusammen knapp 200 Mitarbeiter und erwirtschafteten 2020 einen Umsatz von mehreren Millionen Euro.