Lohn-Zuschuss vom Finanzamt

Handwerker-Rechnungen kann man von der Steuer absetzen

Haus-Dämmung: Private Auftraggeber können den Arbeitslohn per Steuererklärung geltend machen. Foto: fotolia

Wenn Handwerker ins Haus kommen, wird es oft teuer… Gut zu wissen: Der Fiskus beteiligt sich an den Kosten! Bis zu 6.000 Euro pro Jahr werden anerkannt, davon werden dann 20 Prozent (also maximal 1.200 Euro) direkt von der persönlichen Steuerlast abgezogen.

„Das gilt aber nur für die Lohnkosten sowie Maschinen- und Fahrtkosten, nicht aber für das Material“, erklärt Isabel Klocke, Leiterin der Abteilung Steuerrecht und Steuerpolitik beim Bund der Steuerzahler. Deshalb sollte man diese Positionen auf der Handwerkerrechnung immer separat ausweisen lassen. Gut zu wissen: Der Kunde hat einen Anspruch auf eine solche Rechnung! Das hat das Amtsgericht Mühlheim entschieden (Az.: 12 C 1124/14).

Und: „Wenn man den Steuerabzug will, darf man den Handwerker nicht bar bezahlen, sondern beispielsweise per Überweisung.“ Schließlich wurde der Zuschuss vom Finanzamt ja auch eingeführt, um die Schwarzarbeit einzudämmen.

„Viele verschenken Geld“

Als Handwerkerleistungen kann man beispielsweise Renovierungsarbeiten oder den Einbau einer neuen Küche absetzen. Das Finanzamt akzeptiert aber auch den Aufbau von Möbeln, die Reparatur von Haushaltsgeräten – und sogar das Stimmen eines Klaviers. „Viele Steuerzahler verschenken Geld, weil sie nicht wissen, welche Leistungen im Einzelnen abzugsfähig sind“, erklärt Expertin Klocke. Eine Liste gibt es im folgenden Schreiben des Bundesfinanzministeriums ab Seite 25 (kostenloser PDF-Download): www.bundesfinanzministerium.de

Mieter wissen oft noch nicht, dass sie auch mit der Betriebskostenabrechnung des Vermieters Steuern sparen können: „Viele der dort ausgewiesenen Kosten sind ebenfalls abziehbare Handwerkerleistungen“, betont Klocke. Das gilt beispielsweise für den Hausmeister oder den Schornsteinfeger, die Wartung von Heizung und Aufzug oder auch eine Graffiti-Entfernung.

Sogar Hausanschlüsse sind begünstigt

Bedingung für den Steuerbonus ist stets, dass die Leistung in der eigenen Wohnung beziehungsweise auf dem eigenen Grundstück erbracht worden ist. „Bei Reparaturen sollte man durchrechnen, ob es trotz der Kosten für die Anfahrt Sinn macht, den Techniker ins Haus kommen zu lassen“, rät Klocke. Denn dann sind die Lohnkosten abziehbar. Schickt man ein defektes Gerät dagegen zum Kundendienst, der es repariert zurückschickt, ist das kein Fall für die Steuererklärung!

Viele wissen nicht, dass man aber inzwischen auch Handwerkerrechnungen absetzen kann, wenn die Arbeit jenseits der Grundstücksgrenze ausgeführt wurden, etwa auf dem öffentlichen Gehweg vor dem Haus. Das wären zum Beispiel Kosten für die Straßenreinigung oder den Anschluss an die Abwasserver- oder Entsorgung. Aber: Das gilt nicht für die oft saftigen Straßenausbaubeiträge, die anfallen, wenn die Gemeinde die Straße neu macht.

Trotzdem rät Klocke, auch solche Kosten in der Einkommensteuererklärung ansetzen, da dazu gerade ein Verfahren läuft. Streicht die Finanzverwaltung wie erwartet den Steuerbonus, sollten Immobilienbesitzer Einspruch einlegen und zur Begründung auf dieses Verfahren beim Bundesfinanzhof verweisen (Aktenzeichen: VI R 18/16). Dann bleibt der eigene Steuerfall bis zum Urteil offen, und es gibt gegebenenfalls Geld zurück.

Überweisungsdatum zählt

Nun wird man es als Normalverbraucher normalerweise ja kaum schaffen, in einem Jahr die 6.000-Euro-Grenze für den Handwerkerlohn zu knacken. Liegen die Lohnkosten bei sehr aufwendigen Maßnahmen, etwa einem Dachausbau, doch mal darüber, sollte man diese Arbeiten möglichst um den Jahreswechsel herum terminieren.

Wer nämlich beispielsweise im Dezember eine Abschlagszahlung und dann im Januar die Endabrechnung bezahlt, kann dadurch den Steuerbonus für zwei Jahre nutzen und so bei ein und demselben Projekt insgesamt bis zu 12.000 Euro Handwerkerlohn beim Finanzamt geltend machen!

Und was, wenn Ende des Jahres unerwartet teure Reparaturen fällig werden – und deshalb die 6.000-Euro-Marke überschritten wird? Dann rettet man den vollen Steuerabzug, indem man die Rechnung erst im neuen Jahr bezahlt. Entscheidend ist nämlich nicht das Rechnungsdatum, sondern das Datum der Zahlung, also das Überweisungsdatum.

Aber Achtung: Im Juni sanieren lassen und erst im folgenden Januar zahlen – das funktioniert nicht: „Wenn die Rechnung nicht zeitnah zur Durchführung der Arbeiten bezahlt wird, unterstellt das Finanzamt leicht Gestaltungsmissbrauch“, warnt Klocke.


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Zwei Dinge sind sicher im Leben, weiß der Volksmund – der Tod und die Steuern … Und sicher ist damit auch, dass AKTIV immer wieder Tipps zu Steuerthemen gibt. Wichtige Artikel finden Sie hier.

aktualisiert am 29.09.2017

Zugegeben: Neue Fenster können einiges kosten. Doch sie können auch einiges an Energie und somit Geld sparen. Nicht zuletzt Nerven – wenn man weitere Faktoren wie Lärm- und Einbruchschutz gleich mitdenkt.

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