Das Geheimrezept von Coca-Cola, der Bauplan für eine neue Erfindung oder die Personaldaten der neuen Kollegin – völlig klar, dass solche sensiblen Informationen nicht für fremde Ohren bestimmt sind. Doch natürlich erzählt jeder mal die ein oder andere Geschichte aus dem Berufsalltag. Was dabei völlig okay ist und wann man besser den Mund halten sollte, erklärt Kristina Harrer-Kouliev, Referentin in der Abteilung Arbeits- und Tarifrecht bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).

Was ist der Unterschied zwischen Betriebsgeheimnis und Geschäftsgeheimnis?

Die früher übliche Unterscheidung zwischen Betriebsgeheimnis und Geschäftsgeheimnis gibt es nicht mehr, beide Begriffe bedeuten also dasselbe. Juristen sprechen aber normalerweise nur von Geschäftsgeheimnissen, einfach weil sie in dem entsprechenden Gesetz, dem Gesetz zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen (GeschGehG), so heißen.

Was ist ein Geschäftsgeheimnis?

Das Gesetz definiert Informationen als Geschäftsgeheimnisse, wenn sie die drei folgenden Kriterien erfüllen: Die Information ist weder allgemein bekannt noch ohne Weiteres zugänglich und hat deshalb einen wirtschaftlichen Wert für das Unternehmen. Des Weiteren hat das Unternehmen ein berechtigtes Interesse an der Geheimhaltung. Und: Die Information ist durch angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen geschützt, beispielsweise Zugangskarten, ein spezielles Passwort, einen Tresor.

Ohne einen solchen Schutz ist die Information kein Geschäftsgeheimnis. Hat beispielsweise jeder beliebige Mitarbeiter, egal ob Ingenieur oder Küchenhilfe, völlig freien Zugriff auf die Konstruktionspläne für eine neue Maschine, sind diese Konstruktionspläne kein Geschäftsgeheimnis und damit greifen die Vorschriften des Gesetzes nicht.

Was ist mit Interna des Unternehmens, die nicht als geheim einzustufen sind?

Auch interne Informationen, die nicht unter das Gesetz zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen fallen, dürfen Beschäftigte nicht nach Lust und Laune herumerzählen. Laut Arbeitsvertrag hat nämlich jeder Arbeitnehmer Loyalitätspflichten und dazu gehört auch, dass er Interna für sich behält.

Im Gespräch unter Kollegen: Was darf man da verraten?

Selbst unter Kollegen darf man nicht alles besprechen. Unproblematisch sind Informationen, die innerhalb des Betriebs allgemein zugänglich sind, die also praktisch jeder Mitarbeiter weiß. Man darf beispielsweise darüber sprechen, dass die Dienstplanung neu organisiert wird oder dass der Speiseplan der Kantine sich geändert hat. Über vertrauliche Informationen, beispielsweise Inhalte von Bewerbungsunterlagen, Preiskalkulationen, Details eines neuen Projektes oder Ähnliches darf man aber nur mit Kollegen sprechen, die auch selbst mit diesem Thema befasst sind.

Das bedeutet: Ein Personaler darf mit einem anderen Personaler über einen Bewerber sprechen, nicht aber beispielsweise mit dem Pförtner. Die Mitarbeiter einer Projektgruppe dürfen untereinander über Details des Projekts sprechen, nicht aber mit Kollegen, die in das Projekt überhaupt nicht eingebunden sind.

Goldene Regel im Job: Je spezieller die Information, desto heikler die Weitergabe

In der Praxis ist es aber oft schwierig, hier genaue Grenzen zu ziehen. Als Faustregel kann man sich merken: Je spezieller die Information ist, desto heikler wird es. Im Zweifel ist es sicherlich besser, nichts zu sagen, als die eigene Karriere zu gefährden.

Darf ich Außenstehenden irgendetwas von der Arbeit erzählen?

Völlig problemlos sind alle Informationen, die sowieso öffentlich zugänglich sind, beispielsweise wenn das Unternehmen gerade eine Stelle ausgeschrieben hat. Ansonsten hängt es vom Einzelfall ab.

Sicherlich wird sich kein Unternehmen darüber beschweren, wenn ein Mitarbeiter in seinem Sportverein erzählt, dass ein tolles Betriebsklima herrscht oder was für die nächste Weihnachtsfeier geplant ist.

Es ist aber definitiv nicht in Ordnung, wenn man sensible Interna in großer Runde verbreitet oder gar in den sozialen Medien veröffentlicht. Wer beispielsweise am Stammtisch herumerzählt, dass die gesamte Geschäftsführung total zerstritten ist, das neue Produkt Qualitätsmängel hat oder gerade der Hauptkunde abgesprungen ist, riskiert seinen Job.

Die Grenzen zwischen gerade noch akzeptabel und nicht mehr okay sind fließend. Sicherlich gelten bei Außenstehenden aber strengere Maßstäbe als beim Gespräch unter Kollegen. Im Zweifel gilt: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

Über Geschäftsgeheimnisse im Privaten reden – das geht sogar mit dem Partner nicht

Etwas anderes sind aber persönliche, private Gespräche, bei denen man berechtigterweise davon ausgehen darf, dass deren Inhalt vertraulich bleibt. Natürlich kann man Probleme bei der Arbeit mit seinem Partner, der besten Freundin oder auch einem Arzt oder Anwalt besprechen, denn diese Informationen dringen ja nicht weiter nach außen. Sicherheitshalber sollte man den Gesprächspartner aber ausdrücklich um Vertraulichkeit bitten.

Doch Vorsicht, dies gilt nicht für Geschäftsgeheimnisse! Geschäftsgeheimnisse muss man laut Gesetz nämlich regelmäßig geheim halten und darf sie nicht einmal dem Ehepartner verraten.

Abmahnung oder sogar Kündigung: Welche Strafen drohen, wenn jemand versehentlich Interna ausplaudert?

Das hängt extrem vom Einzelfall ab, etwa wem der Beschäftigte was genau erzählt hat, und auch davon, inwieweit das Unternehmen dadurch tatsächlich Probleme bekommen hat.

Handelt es sich um einen Verstoß gegen die Loyalitätspflichten laut Arbeitsvertrag, greift das Arbeitsrecht. Dann drohen der Plaudertasche Konsequenzen von der Abmahnung bis hin zur Kündigung. Außerdem sind unter Umständen Schadenersatzforderungen des Betriebs möglich.

Betriebsgeheimnisse oder Geschäftsgeheimnisse verraten: Haft- oder Geldstrafe möglich

Hat der Mitarbeiter dagegen ein Geschäftsgeheimnis verraten, drohen ihm in extremen Fällen bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe. Je nach Einzelfall kann der Betreffende hinterher sogar vorbestraft sein. Zusätzlich muss der Mitarbeiter in einem solchen Fall normalerweise mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Wie immer in unserem Rechtsstaat muss der Arbeitgeber die Taten beweisen, und selbstverständlich müssen die Sanktionen auch im Verhältnis zum tatsächlichen Vergehen stehen. Hier ist vieles einzelfallabhängig und in der Praxis werden solche Vorfälle häufig vor Gericht entschieden.